Leserbriefe

Bildungspolitik der Trippelschritte

26.05.2009, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Regina Steinhäuser, Altenriet. Zum Artikel „Ausgezeichnete Bildungschancen im Land“ vom 16. Mai. Schade, dass Kultusminister Rau nicht ins K3N kommen konnte. Statt seiner sprach Schulleiter Röhm und lobte, wie eine halbe Milliarde in Bildung investiert werde, zum Beispiel in kleinere Klassengrößen. Prima, doch hilft dies den Hauptschulen wenig, die eh schon zum Teil klassenübergreifend unterrichten müssen, weil ihnen die Schüler fehlen. Natürlich solle, laut Herrn Röhm, keine Hauptschule geschlossen werden, aber der sechsjährige Bildungsgang mit mittlerem Bildungsabschluss könne nur in einer zweizügigen Werkrealschule erfolgen. Wohin die Eltern ihre Kinder schicken werden, wenn sie die freie Wahl haben, ist doch klar. Die Hauptschulen trocknen, beziehungsweise bluten aus. Solche Schnellschüsse bereiten den Schulen und Gemeinden nichts als Probleme.

Auf meine Frage, warum die CDU so am alten Zopf der Mehrgliedrigkeit festhalte, und wenn gute Schulatmosphäre ihr so wichtig sei, warum sie dann die Nöte der Viertklässler nicht sehen wolle, antwortete Herr Röhm, dass das dreigliedrige Schulsystem die richtige Antwort auf die unterschiedlichen Begabungen der Kinder sei. Man könne sowieso nicht allen Kindern gerecht werden und in jeder Schule gebe es Schüler, denen keiner mehr helfen könne und die dann halt so mitgeschleppt werden müssten! Traurig, da werden Kinderseelen missachtet, alte Strukturen zementiert und die Chance vertan, ein sensibles gemeinsames Lernen zu ermöglichen.

In der Maiausgabe der Zeitschrift der Bildungsgewerkschaft GEW berichtet der Journalist Karl-Heinz Heinemann von der Integrierten Gesamtschule Bonn-Beuel mit gymnasialer Oberstufe, welche 2008 den zweiten Platz beim Deutschen Schulpreis erhielt. In dieser Schule gelingt es, Kinder mit Behinderungen als auch Hochbegabte individuell zu fördern und ein gemeinsames Lernen zu ermöglichen. „Es ist diese bunte Mischung von Schülern und Lernangeboten, die die Schule sehr attraktiv macht. Behinderte und Nichtbehinderte, Kinder aus verschiedenen Bildungsschichten, alle lernen zusammen, alle helfen sich. Das macht diese Schule so menschlich und interessant, meint Jana aus der 11. Klasse, interessanter als das exklusive Privatgymnasium nebenan“. Ich weiß nicht, ob es sich lohnen würde, Herrn Röhm nach Bonn-Beuel zu schicken? Einer, der einen Teil der Schüler schon von vornherein abschreibt und mitschleppt, der kann sich den integrativen Möglichkeiten eines gemeinsamen Lernens wohl kaum öffnen. Doch ohne eine wirklich grundlegende Reform unseres Schulsystems werden wir Schlusslicht im Vergleich bleiben und, schlimmer noch, so werden wir den Schülern nie und nimmer wirklich gerecht werden können.

Leserbriefe

Warum wurde Freibad nicht früher geöffnet?

Friedhelm Horn, Rotenburg. Zum Artikel „Freibad öffnet Montag“ vom 10. Mai. Der Liebe wegen bin ich fast jedes Wochenende in Nürtingen. Ich bin passionierter Schwimmer und bin von der Qualität des Hallenbades und des Freibades in Nürtingen begeistert. Problem ist nur: Das Freibad ist nicht…

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