Leserbriefe

Biedermann-Patriotismus

22.09.2007, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Thomas Bangemann, Schlaitdorf. Zum Leserbrief Überzogene Reaktion vom 6. September. Herr Neuscheler wirft der Reaktion auf die Äußerungen des aufrechten Bürgermeisters aus Mügeln wegen der Übergriffe auf indische Mitbürger Überzogenheit vor und besteht auf dem Recht des Patriotismus. Dabei macht er ein paar kleine, aber entscheidende Fehler. Die Reaktionen auf die Vorfälle und auf die Verharmlosung des Bürgermeisters sind nicht überzogen. Ein Mob von fünfzig Personen misshandelt acht Inder in brutalster Absicht, und der Rest des Volksfestes verfolgt das Geschehen mit rassistischen Sprüchen, applaudierend oder auch nur passiv. Hierbei spielt es auch keine Rolle, was der Auslöser war.

Anstatt überzogener Reaktion kann man den bürgerlichen Parteien jedoch Scheinheiligkeit vorwerfen. Der Heiligenschein, gegen Ausländerhass zu sein, taugt einfach nicht, wenn man dafür mit der eigenen Politik die Voraussetzungen schafft. Abbau des Sozialstaats seit Helmut Schmidt, und noch weiter verschärft mit der Einführung der sozialen Apartheid durch Hartz IV, Umverteilung zu Gunsten Vermögender im großen Stil durch Rot-Grün und weiter ungebremst mit der Merkel-Koalition, haben dieses Deutschland nachhaltig verändert.

Am selben Tag, an dem der Leserbrief veröffentlicht wurde, bestätigten die obersten Sozialrichter, dass es einen Lebensstandard für die untersten 20 Prozent der Gesellschaft gibt, inklusive Hartz-IV-Bezieher. Erleichtertes Aufatmen bei den weiter oben angesiedelten 70 Prozent der Mittelschicht? Nein, sie haben berechtigte Ängste, in kürzester Zeit selbst dort zu landen und dann auch dort zu bleiben. Existenzängste suchen Ursachen. Kann man da auf einem Volksfest erwarten, dass die aggressive EU-Politik zugunsten der eigenen Landwirtschaft und des Fischfangs hinterfragt wird, die Menschen in Afrika perspektivlos macht, zur Flucht in die EU und oft in den Tod treibt? Viel einfacher ist es dann doch, an den Patriotismus zu appellieren.

Wir sollen stolz auf das reiche, produktive Deutschland sein. Wer es braucht, warum nicht, aber dann bitte mit guten Gründen, zum Beispiel: Achtung der Menschenrechte, Verhinderung der Armut von zwei Millionen Kindern im Land, keine Vererbung von Armut durch unsoziale Bildungsauslese, keine Altersarmut und Totsparen in der Altenpflege, Beschäftigung mit Perspektive anstatt arm trotz Arbeit, keine hemmungslose Verschleuderung von Volksvermögen durch Privatisierung und Schluss mit der legalen Korruption unserer Volksvertreter im Interesse der Energiemonopole und so weiter. Patriotismus ohne nachprüfbar gute Leistungen hilft nur, die grausamsten Kräfte an die Macht zu bringen, wie es schon unsere Eltern erfahren mussten.

Leserbriefe

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