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Bestattungsgebühren – sozial oder doch nicht

27.01.2021 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Helmut Weber, Aichtal-Neuenhaus. Zum Artikel „Neue Gebührenkalkulation für Friedhöfe“ vom 21. Januar. In den Kommunen stehen die Ausgaben den Einnahmen immer ungünstiger gegenüber. Die Verwaltungen drehen deshalb an den Schrauben, die einen Geldfluss unabänderlich sein lassen, wenn der Bürger gewisse städtische Möglich- beziehungsweise Notwendigkeiten mit großer Wahrscheinlichkeit nutzen muss.

Wenn es darauf ankommt, kann jedermann an vielem sparen und damit dem monetären Gemeindegriff ausweichen. Bei Beerdigungen beziehungsweise Beisetzungen kann die Zurückhaltung der Lebenden schon schwieriger werden. Ein bisschen oder gelegentlich beerdigen oder beisetzen geht leider nicht. Wenn die Lieben ihre Toten in der Nähe bevorzugen, was Menschlichkeit Rechnung trägt, dann greifen die örtlichen Gebühren für das ganze Prozedere – sozial oder nicht.

Nürtingen folgt mit seinen bis zu rund dreißigprozentigen Gebührenerhöhungen den meisten größeren Gemeinden in diesem Land. Hier hat man eine Einnahmequelle, die im Gegensatz zu den Verursachern dieser Kosten, als gesund, als adäquat zu nennen ist.

Als Schwabe könnte man künftig immer häufiger den Exodus seiner Gebeine testamentieren, um den Erben das negative Sterben von Lieben zu ersparen. Immer weniger auf der Schwäbischen Alb oder den Halligen, dafür aber in Island oder Mali – dort wären den unterschiedlichen ehemaligen Temperaturliebhabern noch günstige Plätze garantiert. Unsere Einheimischen, die unserem Schöpfer sowieso demnächst gegenüber stehen, könnten aber auch die Gunst der Stunde nutzen und die jetzt bei uns noch gültigen alten Gebühren durch kurzfristiges Ableben nutzen.

Ganz anders, sozusagen auf sozialer Basis und einem würdevollen Totenverständnis gerecht, wären Gebühren, die angemessen, nach dem Einkommen von Hinterbliebenen gerechnet sind. Sicher bedeutet das mehr Gemeindeaufwand, doch dieser ließe sich problemlos und gerecht in einen Gebührenkodex einbringen. Wenn Hinterbliebene mit geringen finanziellen Möglichkeiten ihr letztes Erspartes aufbringen oder den Beerdigungskredit aufnehmen müssen, dann hat eine Gemeinschaft versagt, denn ihre Toten werden so zum Problem und das ist einer Zivilisation unangemessen, die sich ihrer Würde, ihrer Menschen-, damit auch unausgesprochen, ihrer Totenrechte rühmt.

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