Leserbriefe

Baurecht kontra Klimaziele?

06.09.2019, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Jörg Nisi, Nürtingen. Zwei Drittel der Deutschen würden ein Elektroauto am liebsten über Nacht zu Hause laden, hat der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) in einer repräsentativen Umfrage erfahren und dazu gehöre ich auch. Eine Wandbox mit elf Kilowatt Leistung könnte ich einbauen lassen und die Batterie in drei, vier Stunden aufladen – fertig. Das Problem ist nur: Ich darf seitens der Stadt Nürtingen leider nicht auf meinem eigenen Grundstück im Roßdorf parken, es droht ein Bußgeld in Höhe von 2500 Euro.

Nun habe ich ein Hybrid-Firmenfahrzeug bekommen, muss aber wegen fehlender Genehmigung zum Parken und Laden mit dem Benziner durch Nürtingen fahren. Ist es das, was die Stadt Nürtingen mit ihren Klimazielen will? Kann es sein, dass bei der Stadt das Bauamt-Ressort nicht mit dem Umwelt-Ressort zusammenarbeitet oder einfach andere Prioritäten setzt? Oder durch den immensen Aufwand, die die Arbeiten am Straßenverlauf der B 313 durch Nürtingen machen, keine Zeit hat? Keine Zeit für Umwelt? Ja wie viel Zeit haben wir denn noch? Ist es denn nicht schon fünf vor zwölf, um das Thema richtig anzupacken?

Auf der Nürtinger Homepage steht Folgendes: „Solarstadt Nürtingen 2046“. Wie kann Mobilität in der Zukunft umweltfreundlicher gestaltet werden? Wohnungseigentumsrecht – die geplanten Änderungen der Bundesregierung. „Wer allein ein Einfamilienhaus besitzt, kann normalerweise problemlos eine Ladeeinrichtung auf seinem Grundstück installieren.“ Wohl wahr – bringt mir aber nichts ohne Parkerlaubnis. Eine 50- Meter-Kabeltrommel über fremde Gärten geht wohl auch nicht. Die Frage ist auch, wenn es mir so ergeht, wie vielen Nürtingern geht es ebenso? Wie viel CO2 könnten die Nürtinger sparen, wenn die Stadt Nürtingen ihren Amtsschimmel ablegt? Ich sehe da seitens der Stadt Nürtingen eher das Motto „Baurecht schlägt Umwelt/Klimaschutz“.

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