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Leserbriefe

Autofahrer und die Radarfallen

06.05.2011 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Michael Stoll, Wolfschlugen. Zum Kommentar „Kein Rabatt für Vielfahrer“ vom 30. April. Da es weder ein Datum noch sonst einen Grund für eine Satire gibt, nehme ich an, der Herr Schwaibold meint das alles tatsächlich im Ernst. Wie viele Besoffene sind zu viele, wer ist ab welcher Geschwindigkeit ein Raser, was versteht man unter einem Drängler? Der drohende Entzug des Führerscheins hat keine Wirkung, sonst gäbe es keine neun Millionen Verkehrssünder in Flensburg. Wenn neun Millionen Menschen Gesetze übertreten, dann sind die Gesetze nicht in Ordnung.

Bei den zehn Verkehrstoten pro Tag sind auch die Fahrradfahrer, Motorradfahrer und Autofahrer dabei, die ohne Fremdeinwirkung verunfallt sind. Die Plaketten für Umweltzonen sind Quatsch, weil 95 Prozent aller Fahrzeuge eine grüne bekommen haben und der überwiegende Rest mit Ausnahmegenehmigung fährt. Es ist auch amtlich, dass sich in den Umweltzonen seit der Einführung der Plaketten nichts verbessert hat. Warum soll die Punktzahl fürs Telefonieren im Auto erhöht werden? Wie misst man denn den Gefährdungsgrad?

Wer ist der Vielfahrer: die Mutti, die jeden Tag die Kinder in die Schule fährt, oder der Pendler, der zur Arbeit fährt, oder der Außendienstler, der 40 000 Kilometer im Jahr fährt? Das Thema ist: Wer viel fährt, kann sich dieser Fallenstellerei auf Formel-I-tauglichen Straßen mit dem 50er-Schild und dem dahinterstehenden Messgerät gar nicht erwehren. Das wissen die Verantwortlichen, deshalb werden an solchen Stellen die Geräte aufgebaut. Stationär oder mobil. Es bringt Geld, nur das zählt. Knöllchen sind in allen Kommunalhaushalten fester Bestandteil des Budgets.

In Stuttgart wusste man schon vor der Installation eines Geräts, wie viel das einbringt. Die hohe Zahl der Geschwindigkeitsübertretungen sind der Überwachungsdichte und den verkehrstechnischen Anreizen zur Geschwindigkeitsüberschreitung geschuldet. Anders gesagt, man stellt den Leuten Fallen. Mit Sicherheit hat das nur selten zu tun. Polizisten werden wie andere Beamte nach Leistung beurteilt. Streife gehen, um präventive Präsenz für die Sicherheit der Bürger zu zeigen, bringt keine messbaren Ergebnisse. Die Kontrolle des ruhenden und fließenden Verkehrs schon. Also was sollen die Polizisten machen. Kein Knöllchen, kein Sternchen. So einfach ist das. Deshalb ist es besser, den Schilderwald und den Paragrafenwald zu entrümpeln, um den Autofahrern überhaupt die Möglichkeit zu geben, gesetzestreue Verkehrsteilnehmer zu sein.

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