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Leserbriefe

Ausgangssperren sind notwendig

28.04.2021 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Dr. Johannes Heimann, Nürtingen. Zum Kommentar „Abends raus“ vom 17. April. Herr Ziedler hat es nicht verstanden. In seinem Kommentar lehnt er die für den Notfall geplanten nächtlichen Ausgangssperren ab. Sein schönes Menschenbild möchte ich haben: wie wenn Menschen nach der Arbeit nur zum Joggen an die frische Luft gingen! Die Realität ist anders: einige wenige – und die zerstören das Ergebnis der vielen – besuchen abends noch diesen und jenen und jene . . . und noch ein privates Festchen. Straßenkontrollen würden hier Abhilfe schaffen. Anders verstehen es leider manche wenige Mitbürger nicht.

Herr Ziedler hat nicht international recherchiert: Beim neuen hochansteckenden Virus haben nur die Länder es geschafft, die eine Ausgangssperre verhängt haben und Kitas und Schulen kurzzeitig zugemacht haben. Je strenger der Lockdown, desto kürzer wird er sein. Die Intensivstationen sind überlastet. Kein schöner Gedanke, wenn ich heute einen Unfall mit Rippenserienbrüchen hätte und es keinen Beatmungsplatz gäbe. Niemand möge sich täuschen – die Triage findet schon überall statt, fast unmerklich: man verlegt diese zuerst und diesen . . .? Muss sie wegen dem bisschen Atmungsprobleme ins Krankenhaus? – Unter normalen Umständen schon, aber jetzt unter diesen Bedingungen? Diese müsste man dringend operieren, vielleicht ist sie danach aber intensivpflichtig? Lauter kleine Entscheidungen. In der Summe: Auslese. Manchmal fatal.

Diese katastrophale Situation rechtfertigt, dass man dem Virus jede Möglichkeit nimmt, sich zu verbreiten. Unüberwachte Arbeitsplätze statt möglichem Homeoffice, Schule und Kitas werden zu Pandemietreibern. Kind ohne Not in die Kita? Und dann zu Oma und Opa? – Welch unwiderstehliche Einladung für den Virus! Was sollen dazu die Gastwirte sagen, die seit Wochen geschlossen haben, wenn die anderen sich nicht auch maximal anstrengen? Erst wenn es in den Innenstädten und auf den Straßen so zugeht wie sonst nur am Sonntagmorgen um halb sieben haben wir eine Chance, dass wir demnächst bei einem Notfall wieder die angemessene Behandlung bekommen. Wir alle sind des Lockdowns müde – des inkonsequenten, des lückenhaften, des schlampigen, des unkontrollierten.

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