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Leserbriefe

Aus Stuttgart 21 nichts gelernt

26.10.2013 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Gerhard Neidlein, Wendlingen. Zum Artikel „Starker Gegenwind für die Windkraft“ vom 16. Oktober. 1,5 Wochen Zeit bleiben mir seit der Bürgeranhörung, um meine „Stellungnahme zur Teilfortschreibung des Regionalplans Region Stuttgart zur Nutzung der Windenergie“ zu formulieren. Hört man sich in der Wendlinger Bürgerschaft um, so ist festzustellen, dass kaum jemand über die brisante Neuigkeit Bescheid weiß: Wendlingens kleines Waldgebiet am Hungerbrünnele soll als Vorranggebiet für Windräder ausgewiesen werden.

Was zunächst auf Kirchheimer Gemarkung seinen Platz haben sollte, wurde durch die Stimme des BUND nach Wendlingen verschoben mit der Begründung, der „Wendlinger Wald sei durch Autobahn und Hochspannungsleitungen eh schon vorbelastet“. Politiker in Bayern fordern inzwischen zwei Kilometer Mindestabstand zu Windrädern. Das Freibad und die neuen Sportanlagen liegen 200 bis 450 Meter vom geplanten Standort weg. Das Bauerwartungsland oberhalb Unterboihingens liegt innerhalb der gesetzlichen 700 Meter zum Windradstandort. Damit wären all diese Gebiete für die Zukunft städteplanerisch erledigt.

Was mich als freudigen Freibadgänger zudem beängstigt, ist die Tatsache, dass ein beschalltes Freibad sicher weniger besucht werden würde. Und damit hätte die Stadt einen bereits heute mit Argwohn beäugten Kostenfaktor elegant erledigt. „Trägt sich halt nimmer.“ Außerdem: Wer spricht hier von einem möglichen Windrad? Der Holzmadener Bürgermeister, der vor einem Jahr dem Bau eines solchen Windrads sein energiepolitisch erwünschtes Ja zugestand, sieht sich inzwischen mit einer Planung von sechs bis neun Windrädern konfrontiert. Wer kann entsprechende Vorgänge für Wendlingen ausschließen?

Es steht einer grün-roten Landesregierung, die angetreten ist, Mitsprache der Bürger als wichtigen Bestandteil ihrer Politik zu institutionalisieren, sehr schlecht zu Gesicht, dass in alter S-21-Manier hier für eine kleine Stadt wie Wendlingen Entscheidungen ohne echte (nicht nur formale) Bürgerbeteiligung getroffen werden.

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