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Aus der Geschichte nichts gelernt?

03.11.2020 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Peter Reinhardt, Neckartenzlingen. Zum Leserbrief „Demokratie und Corona-Tests“ vom 29. Oktober. Da werden Behauptungen in die Welt gepustet – man glaubt es kaum. Da gibt es Leute, die scheint’s nicht begriffen haben, wie Demokratie in einem hochentwickelten Gemeinwesen funktioniert. Sie leben scheint’s in der schlichten Vorstellung, Demokratie sei nur dann gegeben, wenn alle 83 Millionen Deutsche (das Volk) zu allen relevanten Fragen befragt werden und ihre Meinung abgegeben haben. In der Realität doch wohl unvorstellbar!

Eine Demokratie besteht aus einer weit gefächerten Gewaltenteilung: bestimmte Teilaufgaben hat das Volk, bestimmte die Parteien im Parlament, bestimmte Rechte haben die Regierungen, auch die Regierungschefs der Länder haben bestimmte Aufgaben. Und die erfüllen sie doch alle in den Grenzen des Möglichen ganz leidlich – wenn auch mal fehlerhaft –, Menschen sind nie fehlerfrei. Das funktioniert bei uns, im Verhältnis zu unseren Nachbarländern, doch ziemlich gut. Da bei uns jetzt von Diktatur oder geheimnisvollen Lenkern im Hintergrund zu schwadronieren – das ist totaler Unsinn! Zersetzende Hetze.

Das Erschreckende an denen, die da so heftig polemisieren, ist die zur Schau getragene große Sicherheit, mit der sie auftreten. Es ist doch unsinnig, den in aller Öffentlichkeit überprüfbaren und vielfältigen seriösen Medien ebenso wie der Politik einfach nichts zu glauben, weil sie von geheimen Kräften und Interessen aus dem Dunkel gesteuert seien! Dergleichen ist überaus unwahrscheinlich und für jeden, der den realen Betrieb bei der Presse und in der Politik auch nur etwas kennt, konkret nicht vorstellbar. Und: den nicht nachprüfbaren Gerüchten in den doch meistens anonymen sozialen Medien volles Vertrauen zu schenken, hat das etwas mit Vernunft zu tun? Doch wohl kaum. Unbewiesenes, nur Behauptetes, dunkel Raunendes. Manche glauben daran mehr als gute Christen an den Heiland. Felsenfest. Und sie verkünden es landauf, landab wie eifrige Missionare früherer Zeiten.

Aber klar, das hat Methode. Trump fischt damit, Erdogan – und seinerzeit Goebbels; sie alle kennen und benutzen die gleiche Masche: Unsinniges sehr nachdrücklich und wieder und wieder zu verkünden. Eine viel bewährte Masche. Und manche finden das gut und überzeugend. Das kann noch recht gefährlich werden.

Wir leben schließlich in einem recht gefestigten und ziemlich gut regierten Staat. Gab es je einen besseren Staat? Wann und wo? Was soll dieses Säen von Misstrauen, das ewige Verdächtigen, das ewige Verbreiten von eindeutig falschen Behauptungen? Es soll doch wohl nur unser Land destabilisieren – in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft? Na, würde ich sagen: „Hänschen piepe mal! Aus der Geschichte nichts gelernt“. Wir haben viele Möglichkeiten, uns seriös zu informieren, da wird ausführlich informiert und durchaus kritisch diskutiert – man muss sie nur nutzen statt sie zu verleumden. Das kostet etwas mehr Zeit und Mühe als ein Kurztext im Internet.

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