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Auf die Zutaten kommt’s an

06.12.2012 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Reinmar Wipper, Nürtingen. Zum Artikel „Diese Frau gehört an den Herd“ vom 1. Dezember. Arnold Rieger präsentiert die Sterneköchin Douce Steiner, der „eigentlich alles schmeckt, wenn’s frisch gemacht ist, aber am liebsten Kaviar mit Sauerrahm und Stampfkartoffeln“. Aha. Frischer Sauerrahm und frischer Kaviar also. Wahrscheinlich frisch aufgemacht. Und dann wird als Nachweis bodenständiger Kochkunst die Rezeptur von „Steiners Kartoffelsuppe“ gegeben. Mit Freude lese ich die Zutatenliste und denke: wie bei mir zu Hause, das mache ich doch glatt gleich heute Mittag. Alles vorrätig: Kartoffeln, Schalotten, Majoran, Butter, Brühe, Sahne. Nichts Neues, aber eben mal kochen wie die ganz Großen.

Dann stockt der Lesefluss. Wo soll ich drei EL Schlagsahne herbringen? Aus der Sprayflasche mit Kondensmilchgeschmack? Oder macht man da gleich die Sahnehäubchen für den Nachtisch mit? Und dann wird’s hammerhart. Es folgen drei EL Trüffelsaft. Das Internet vermeldet: Dieser „Jus de Truffe“ fällt ab, wenn Trüffel gekocht und konserviert werden. 100 Milliliter kosten knapp 30 Euro. Und schließlich hobelt man noch 40 Gramm schwarzen Trüffel aus dem Périgord über die pürierte Suppe, für jeden Mitesser zehn Gramm. Keine eingemachten, denn die kosten nur einen Bruchteil der frischen, mit denen es dann tatsächlich ans Eingemachte geht: ein Kilo dieser Gourmetklasse kostet zwischen 1000 und 2000 Euro. Für die Steiner’sche Suppe also etwa 60 Euro.

Ich weiß immer noch nicht, wie schwarze Périgord-Trüffel schmecken, frisch gehobelt. Erst recht nicht die unbezahlbaren weißen. Ich weiß auch nicht, ob man sterben kann, ohne das zu wissen. In meiner Geschmacksvorstellungsrevue habe ich die Trüffelorgie durch etwas Kürbiskernöl ersetzt. Sozusagen das Geschmackserlebnis des kleinen Mannes. Und dann haben wir doch den Rest Linsen mit Wellenspätzle gegessen, vom Freitag, samt ein paar frisch ausgewickelten Saitenwürsten, inklusive Betriebskosten etwa 1,80 pro Nase. Und mit dem Hinweis vom Koch: Vorsicht, da müssen noch zwei Nelken zwischen den Linsen schwimmen. Nicht draufbeißen, ihr lieben Trüffelschweinchen.

Leserbriefe

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