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Atomausstieg – heilige Kuh der Grünen

08.07.2022 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Dr. Walter Stahli, Nürtingen. Zum Artikel „Frieren für den Atomausstieg“ vom 24. Juni.

Dem Titel des Leitartikels vom 24. Juni „Frieren für den Atomausstieg“ kann ich nur zustimmen. Dazu einige Anmerkungen.

Herr Habeck spricht von einer schweren Entscheidung, die Kohlekraftwerke wieder in Betrieb zu nehmen.

Ist es denn umweltfreundlicher, Millionen Tonnen Kohle zu verfeuern? Was ist denn besser: Unmengen an Kohle zu transportieren oder einige Tonnen Uranstäbe?

Dass die Energiegiganten jetzt auf Kohle setzen, ist fraglich. Zumindest Vattenfall hat schon angekündigt, das erst sechs Jahre alte Kraftwerk Moorburg abzureißen und „Rückbauleistungen zu beantragen“! Also Milliarden Schadenersatz, leicht „verdientes“ Geld für den Konzern zulasten des Steuerzahlers!

Sowohl Herr Habeck als auch Klaus Müller, der Präsident der Bundesnetzagentur, lehnen einen Weiterbetrieb der Atomkraftwerke ab.

Ich habe auch seitens eines grünen Ministers und eines ehemaligen grünen Ministers nichts anderes erwartet. Verständlich, denn der „Atomausstieg“ ist eine der wenigen heiligen Kühe der Grünen, die bisher nicht der Realität geopfert wurden! Außerdem betrachte ich die Nominierung Müllers als Präsident der Bundesnetzagentur als Fehlentscheidung. Damit wurde der Bock zum Gärtner gemacht.

Bekanntlich hat dieser Herr Müller die „alternativlose“ Abschaltung der Atommeiler auch mit Halbwahrheiten begründet. So behauptet er zum Beispiel, dass man jetzt keine Brennstäbe aus Russland kaufen kann. Das stimmt, aber er verschweigt, dass man die aus den USA jederzeit bekommen kann. Einige seiner Mitstreiter behaupten, dass man die drei übrigen AKWs aus technischen Gründen nicht weiterbetreiben kann.

Das stimmt ebenfalls nicht, denn wie ein Gutachten des TÜV Süd beweist, kann man sogar die abgeschalteten bayrischen Meiler Isar 2 und Gundremmingen wieder hochfahren.

Eines ist klar: Die Gasversorgung Deutschlands ist alles andere als gesichert. Auch eine hundertprozentige Füllung der Gasspeicher reicht zur Heizung, zur Stromerzeugung und für bestimmte produktive Branchen für den ganzen Winter nicht aus.

Viele Unternehmen können ohne Gas nicht produzieren und wenn die schließen müssen, ist es mit dem sozialen Frieden hierzulande vorbei. Ich schätze, das werden die ohne Job gebliebenen Arbeitnehmer nicht klaglos hinnehmen.

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