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Leserbriefe

Atemlos durch die Nacht der Pandemie

22.12.2020 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Reinmar Wipper, Nürtingen. Zum Artikel „Unmut über Schulschließung: Eisenmann zeigt Verständnis“ vom 15. Dezember. Kein Weg geht vorbei an dieser belämmernden Einsicht: Ungefähr 15 Prozent der Bevölkerung widersetzen sich den Lockdown-Regeln, einige leugnen sogar das Covid-19-Virus. Das liest man aus gezielten Umfragen zur Querdenkerei und Rücksichtslosigkeit. Diesen Leuten verdankt man die harten Maßnahmen. Niemandem sonst.

Den Schulbetrieb Corona-fest zu machen, das haben die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung seit neun Monaten verschlafen. Sie reagieren nur und schwätzen. Man weiß seit Langem, wie es gehen könnte, wird aber von der Schulbürokratie nicht ernst genommen: Lernstoff entfrachten, Kulturtechniken in den Vordergrund, mehr üben und vertiefen, vieles wieder raus aus der Schule und Berufsausbildung und Studium überlassen, Präsenzunterricht auf drei Wochentage reduzieren, dazu zwei Tage Homeschooling, also Hausaufgaben mit Online-Betreuung, mehr gemeinschaftliche Projekte und AGs, und die Klassen halbieren. Und neu: Luftreiniger in jeden Raum.

Digitalisierung ist ein Fetisch, kein Heilmittel. Bücher gelten als gestrig. Lernanleitung geschieht nämlich im persönlichen Gespräch, mit Papier und Bleistift, mit „Chalk and Talk“, wie ein britischer Pädagoge einmal formulierte. Die Medien-Hörigkeit ist ein Irrweg. Man lernt nix am Bildschirm. Man lernt durch Hören, Beobachten, Schreiben, Sprechen, Anfassen, Spüren, Riechen und Bewegen. Vor allem durch stabilisierendes Wiederholen. Ein Manager der IBM sagte bei meiner ersten PC-Fortbildung im Jahre 1986: „Lehren Sie Ihren Schülern das Denken – den Rest, zur Ausbildung, lernen sie bei uns.“ Überspitzt, im Kern wohl richtig.

Trotzdem geht es munter weiter: Schule wird ins Wohnzimmer verlegt, Eltern zu Hilfslehrern und Tutoren gemacht, ohne Beamten-Gehalt, und Frau Eisenmann zeigt Verständnis für deren Unmut. Sie hat ja auch zu tun mit „Raus aus den Kartoffeln, rein in die Kartoffeln“ – atemlos durch die Nacht der Pandemie.

Leserbriefe

Nawalny und das russische Volk

Hartmut Schewe, Aichtal-Neuenhaus. Zum Leserbrief „Der besondere Blick auf Putin“ vom 11. Januar. Ei, was ist er doch für ein Tausendsassa, der „gute Russe Nawalny“. Russische „Gönner“ bezahlen seine Behandlung in Berlin. Welcher Art die wohl sind? 30 000 Dollar investiert er (woher kommt das…

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