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Leserbriefe

Arbeitsplätze und Finanzen

30.04.2008 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Gerhard Schamber, Nürtingen. Immer wieder hört man die Forderung, die Bürger sollen entscheiden. Über was soll denn nun der Bürger entscheiden? Über ein Gewerbegebiet im Großen Forst oder über die Ansiedlung der Firma Boss oder doch über den Erhalt der Ackerflächen? Da schreiben die Kritiker zu was auch immer. Die Herabwürdigung der Meinung anderer Bürger wäre arrogante Unverschämtheit und sprechen selbst bei 5000 Unterschriften, die sicherlich nicht alle von Nürtinger Bürgern geleistet wurden, von der Mehrheit der Nürtinger Bevölkerung.

Aber nun zum eigentlichen Thema, und das heißt für mich Arbeitsplätze und Finanzkraft der Stadt für die Zukunft Nürtingens. Als Betriebsratsvorsitzender eines Unternehmens, das in den letzten Jahren in der Region über 50 Millionen Euro investiert und dabei Hunderte neuer Arbeitsplätze geschaffen hat, muss ich mich gegen die pauschalen Angriffe auf die Unternehmen verwehren. Auch dort hatten und haben wir keine Garantien, wie die Zukunft in fünf Jahren aussieht. Natürlich sind Unternehmen keine Sozialeinrichtungen und wollen Rendite erzielen. Bei den meisten Unternehmen wird jedoch ein Teil dieser Rendite wieder in neue Arbeitsplätze investiert, so wie es Boss im Großen Forst vorhat.

Bei einigen Leserbriefschreibern habe ich das Gefühl, ihnen geht es um Klassenkampf und nicht um die Sache und das auf Kosten derer, die in Zukunft keinen Arbeitsplatz finden werden. Für mich ist es nun Zeit zu einer Entscheidung durch die von uns gewählten Nürtinger Bürger, den Nürtinger Gemeinderat. Eine Entscheidung, die sich unsere Volksvertreter sicher nicht einfach machen, zu der sie jedoch durch unsere Wahl beauftragt wurden. Mit einem Bürgerentscheid würden wir ihnen dieses Mandat wieder entziehen. Ich wünsche mir eine Entscheidung, die auf Informationen, Fach- und Sachwissen sowie dem Weitblick für Nürtingens Zukunft basiert. Denn sollte das Projekt Boss abgelehnt werden, wird es in Nürtingen mit Wirtschaftsförderung und Nachfragen zu Industrieansiedlungen sehr ruhig werden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich andere Unternehmensleitungen solch ein Tohuwabohu antun wollen. Zurückbleiben werden verbrannte Erde und viele offene Wünsche im sozialen und kulturellen Bereich.

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