Leserbriefe

Apokalypse am Tiefenbach?

26.05.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Bernd Hummel, Nürtingen. Das Projekt „Staudamm im Tiefenbach“ ist der Höhepunkt einer jahrelangen andauernden desaströsen Baupolitik der Stadt Nürtingen. Man denke nur an die Schildbürgerstreiche und chaotische, fehlerhafte Planung der Südtangente, Stadtbrücke, die Zufahrt zur B 313. Man muss sich natürlich als Anwohner und Gewerbesteuer Zahlender die Frage stellen: Auf welcher Grundlage basiert so eine dilettantische und laienhafte Planung? Welche Statistiken nehmen diese Personen, um so eine Fehlentscheidung zu treffen? Wo nehmen sie das Recht her, Millionen für nichts in den Sand zu setzen? Haben sie schon mal über die Verhältnismäßigkeit von Kosten und Nutzen nachgedacht oder ist hier jede Realität verloren gegangen?

Hier wird der Stadthaushalt und vor allem die Natur mit Füßen getreten – von Personen, die wahrscheinlich nur in Amtszeiten und Legislaturperioden denken. Es ist einfach unvorstellbar, dieses schöne Stück Natur (ausgewiesen als Landschaftsschutzgebiet) mit einem Staudamm zu versehen.

Des Weiteren dient diese Ecke dort ansässigen Bauern als Hauptanbaugebiet. Wo bleibt hier die Kreativität der Planer und der Stadträte? Auch ein OB muss hier in Verantwortung genommen werden. Wurde schon mal daran gedacht, die vom Rieth her einfließenden „Wassermassen“, welche für die Kirchheimer Vorstadt entscheidend sind, durch ein Becken aufzufangen, welches unterirdisch wunderbar zu integrieren wäre – nämlich genau wie dieses, das vor 15 Jahren in Verlängerung der Sudetenstraße direkt am Tiefenbach installiert wurde?

Kennen diese Entscheider, Planer und Befürworter überhaupt den Tiefenbach und diese Stelle, die hier vor der bevorstehenden Apokalypse zugemauert werden soll? Die Antwort kann nur Nein sein, denn der Tiefenbach ist ein Bächlein, das in 30 Jahren nicht einmal über die Ufer getreten ist. Und sollte es so weit kommen, sind genau dort, wo dieses Fehlprojekt geplant wird, genügend Wiesen und Auen, um dieses Rinnsal zu entschärfen.

Die Kirchheimer Vorstadt wird nie betroffen sein, wenn die Hochwassersituation durch den oben genannten unterirdischen Pool entschärft wird. Aber der Damm, der die schönste Ecke Nürtingens ins Abseits stellt, hilft ihr niemals. Ich wohne seit 20 Jahren in unmittelbarer Nähe des Tiefenbachs, schaue täglich auf das tosende Wasser und komme zu dem Schluss: „Armes Nürtingen – wie auf deine Natur und auf unser Geld mit Füßen getreten wird!“ Oder stimmen die Spekulationen, dass die Entsorgung der Dreck- und Erdmassen des Projekts Stuttgart 21 lukrativ gesponsert wird?

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