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Ärger über ein Atom-Interview

07.04.2011 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Michael Stoll, Wolfschlugen. Zum Artikel „Eher fällt ein Meteorit auf Deutschland“ vom 4. April. Also wie gehabt: Die Ethikkommission wird eine Beruhigungspille für uns und das Feigenblatt für die Regierung. Schade um die Spesen. Zwei Brüder im Geiste füllen eine halbe Seite. Auf harmloseste Fragen folgen in diesem Interview die üblichen Plattitüden. Tote werden gegeneinandergerechnet – und bei der Kernkraft sind es am wenigsten.

Überspitzt formuliert: Beim Suizid entscheide ich selber. Im Krieg und bei der Atomkraft entscheiden andere. Das alleine ist schon ein Unterschied. Dieses Gegenrechnen von Toten ist immer ein Geschwafel von nicht Betroffenen. Ich möchte die Mutter sehen, die zum Tode ihres Kindes bei einem Verkehrsunfall sagt: „Ist zwar tragisch, aber statistisch im Rahmen.“ Und dann noch die epochale Aussage zur Endlagerung: „Wenn man das vernünftig macht.“ Da sind also seit 50 Jahren Unvernünftige am Werk, die Gleichen, die übrigens auch die Kernkraftwerke betreiben.

Von einem Professor als Mitglied einer Ethikkommission hätte ich mir Antworten für die Überlebenden gewünscht. Wohin bringt man im Fall der Fälle die etwa eine Million Menschen, die um jedes deutsche Kernkraftwerk herum wohnen? Wer entschädigt die in welcher Höhe? Unsere Kernkraftwerke liegen nicht am Meer, sondern an Flüssen, die im Frühjahr und Herbst Hochwasser führen und im Sommer Niedrigwasser. Wenn es hier zum Brand am Reaktor wie in Japan kommt, fließt das kontaminierte Löschwasser in den Fluss, der es dann durch das ganze Land bis ans Meer transportiert. Was haben die Anwohner an den Flüssen zu erwarten, was haben die Trinkwasserbrunnen in Flussnähe zu erwarten? Ist ein solches Risiko, egal wie klein es ist, vertretbar? Und vor allem, wer bestimmt, was vertretbar ist?

Die Mitglieder dieser Ethikkommission sollten zuerst in die Ukraine und nach Japan fahren und betroffene Überlebende nach ihrem jetzigen Leben und nach deren Zukunftsperspektive fragen in gesundheitlicher, aber auch in materieller Hinsicht. Sonst wird das ein Statistikertreffen, bei dem nichts Neueres und nicht mehr rauskommt, als wir seit 50 Jahren wissen.

Warum es Augenwischerei ist, wenn wir Strom importieren, erschließt sich mir nicht und wird vom Herrn Professor auch nicht näher erklärt. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, weshalb wir sofort abschalten müssen, dann ist es dieses plattitüden- und phrasengeschwängerte Interview, das nur zeigt, dass die Herrschaften auch ohne Argumente weitermachen wollen.

Leserbriefe

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