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50 Prozent Auslastung – für Hotels kein Erfolg

03.11.2020 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Werner Pflum, Nürtingen. Mit großer Verwunderung verfolge ich nun schon seit einigen Jahren die Debatte um die Hotellerie in Nürtingen. Ich halte mich da durchaus für einen Experten, schließlich bin ich nun schon 50 Jahre in Gastronomie und Hotellerie tätig und habe in diesem halben Jahrhundert schon viele Kollegen kommen und gehen gesehen. Und nur wenige haben so lange wie ich durchgehalten.

Wenn ich nun immer wieder sehe, dass eine Hotel-Auslastung von 50 Prozent als Erfolg bejubelt wird, so weiß ich nicht, ob ich lachen oder weinen soll. 50 Prozent – das heißt: Die Hälfte der Betten sind voll. Und die andere Hälfte ist leer. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Industriebetrieb es als Erfolg bezeichnen, ja auch nur überleben könnte, wenn seine Kapazitäten nur zur Hälfte ausgelastet wären.

Beim Thema Hotelgewerbe will dann aber jeder, oft auch komplett Branchenfremde, mitreden. Es entstand die letzten Jahre der Eindruck einer Goldgräberstimmung. Ganz im Gegenteil. Ein Verdrängungswettbewerb hat begonnen, man muss immer mehr bieten, größer werden, um an dem umkämpften Markt mitzuhalten. Sicher, es gibt einige (wenige) Tage im Jahr, in denen man auch in Nürtingen kein Hotelzimmer bekommt. Allerdings nur wegen der Messe auf den Fildern. Aber selbst in Hannover bekommt man kein Hotelzimmer, wenn Messe ist. Und das gilt auch für andere Messestädte wie Leipzig, Düsseldorf oder Frankfurt. Und wer bei Köln zum Karneval ganz spontan ein Zimmer sucht wird ebenso keines finden.

Wir in Nürtingen sind primär auf Geschäftsreisende/Industriekunden angewiesen, der reine Tourismus spielt eine geringere Rolle. In den Sommermonaten, bei schönem Wetter, kommt eine überschaubare Zahl von Radlern, aber die sind am nächsten Tag auch schon wieder weg. Laut Michaela Reitterer, Präsidentin der Hoteliervereinigung unserer Nachbarn in Österreich, machen Hotels teilweise erst gar nicht auf, wenn eine Auslastung von 50 Prozent zu erwarten ist, weil sie sonst draufzahlen würden. Und bei uns wird diese Zahl als großer Erfolg verkauft!

Als Stadtrat war ich schon vor längerer Zeit mit dem damaligen Oberbürgermeister Otmar Heirich im „Lieblichen Taubertal“ – einer touristisch sehr erfolgreichen Region. Der dortige Geschäftsführer Jochen Müssig hat uns allerdings schon damals erzählt, dass es 16 Jahre gedauert habe, bis er endlich die dafür notwendige Struktur habe aufbauen können. In Nürtingen vermisse ich jedoch diese Nachhaltigkeit: die für den Tourismus Verantwortlichen wechseln spätestens nach zwei oder drei Jahren.

Kurzum: Bei allen Jubelmeldungen finde ich, eine Medaille hat immer zwei Seiten, man muss unbedingt beide hören und ihnen in den Medien Platz einräumen. Sonst entsteht ein falsches, einseitiges Bild beim Leser.

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