Panorama

Weiter zwei Vermisste nach Hauseinsturz – Frau tot geborgen

Zwei Menschen werden in den Trümmern des eingestürzten Hauses in Görlitz noch vermisst. Sebastian Kahnert/dpa

Rund zwei Tage nach dem dramatischen Hauseinsturz in der sächsischen Stadt Görlitz wird in den Trümmern weiterhin fieberhaft nach den verbliebenen Vermissten gesucht. Zuvor war am Mittwochabend die Leiche einer Frau gefunden worden. Es handle sich um die zuvor vermisste 25 Jahre alte rumänische Touristin, sagte eine Sprecherin der Polizei. 

Am Morgen seien zunächst die Personensuchhunde abgezogen worden, um schweres Gerät einsetzen zu können, sagte Polizeisprecher Stefan Heiduck auf Anfrage. «Es müssen erst einmal große Deckenteile und schwere Holzbalken entfernt werde. Danach kommen auch die Hunde wieder zum Einsatz.» Zuvor hatten die speziell ausgebildeten Tiere an zwei Stellen angeschlagen.

Die Rettungskräfte waren am Donnerstag im vorderen Teil des Hauses bis zum Erdgeschoss und Keller vorgedrungen. Im hinteren Bereich hatten sie das Hochparterre erreicht. Dort wird der vermisste Mann vermutet. 

Nach wie vor bestehe die Hoffnung, die zwei noch vermissten Menschen zu finden. Indes läuft die Zeit gegen die Retter: «Die sogenannte "goldene Rettungszeit" liegt meist in den ersten 24 bis 72 Stunden – in diesem Zeitraum sind die Überlebenschancen am höchsten», erklärte Andrea Wirth vom THW-Landesverband Sachsen, Thüringen. Die 72 Stunden laufen am späten Donnerstagnachmittag ab.

Beim Bergen werden auch mehrere Radlader, Bagger, Kräne und auch ein Saugbagger, der kleine Trümmerteile und Staub absaugt eingesetzt. Es gebe viel Staub, die ganze Zeit müsse mit Schutzmasken gearbeitet werden, sagte der Sprecher der THW-Einsatzleitung Daniel Hofmann.

Das Haus, in dem sich laut Polizei Miet- und Ferienwohnungen befanden, war am Montagabend eingestürzt. Daraufhin wurden zunächst fünf Menschen vermisst, bei zwei von ihnen war der Aufenthalt bereits nach wenigen Stunden geklärt – die beiden Feriengäste befanden sich noch auf der Anreise.

Einsatzkräfte der Feuerwehr trugen hinter Sichtschutz eine Leiche aus dem Trümmerfeld des eingestürzten Hauses. Paul Glaser/dpa

Als vermisst gelten noch eine weitere rumänische Touristin im Alter von 26 Jahren und ein 48 Jahre alter Mann mit bulgarischer und deutscher Staatsangehörigkeit. Nach ihnen wird unermüdlich gesucht, teils arbeiteten sich die Einsatzkräfte auch mit Schaufeln und bloßen Händen durch den Trümmerberg.

«Es kann aber nicht ausgeschlossen werden, dass sich noch weitere Opfer unter den Trümmern befinden», sagte der Polizeisprecher. Möglicherweise hätten sich Menschen beim Einsturz des Hauses auf dem Gehweg oder noch in dem Haus befunden. Gewissheit habe man erst, wenn alle Trümmer abgetragen worden seien. «Derzeit liegen aber keine Vermisstenmeldungen vor», betonte Heiduck. 

Die genaue Ursache des Unglücks in der Stadt im Osten Sachsens steht nach wie vor nicht fest. «Aber es sieht nach einer Gasexplosion aus», hatte der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu (CDU) gesagt. Wenige Stunden nach dem Zusammensturz des Gründerzeithauses war nach Polizeiangaben ein Gasleck gefunden worden. Aktuell arbeiten die Stadtwerke daran, die umliegenden Häuser wieder mit Gas zu versorgen, wie der Polizeisprecher betonte.

Görlitz ist die östlichste Stadt Deutschlands. Sie liegt in der sächsischen Oberlausitz direkt an der Neiße und hat 57.000 Einwohner. Seit 1998 bildet Görlitz zusammen mit der östlich gelegenen polnischen Nachbarstadt Zgorzelec eine grenzüberschreitende Europastadt. Wegen der historischen unzerstörten Altstadtkulisse ist die Stadt auch ein gefragter Drehort für internationale Filmproduktionen.

Das eingestürzte Gründerzeithaus stand in der James-von-Moltke-Straße in der Nähe des Görlitzer Bahnhofs. Der Bereich um das Haus wurde nach dem Einsturz weiträumig evakuiert und abgesperrt.

© dpa-infocom, dpa:260520-930-108413/6

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