Im Prozess um den gewaltsamen Tod des achtjährigen Fabian aus Güstrow hat die Mutter vor Gericht stundenlang als Zeugin ausgesagt. Dabei berichtete die 31-Jährige ausführlich über ihren Sohn und auch dessen Vater, der eine langjährige Beziehung zu der wegen Mordes angeklagten Tatverdächtigen unterhielt. Am Nachmittag sollte auch der Vater als Zeuge vernommen werden.
Die Mutter beschrieb ihren Sohn unter Tränen als liebevoll, aufmerksam und aufgeschlossen. Er sei immer zuverlässig gewesen und habe sich stets rückversichert, ob sein Verhalten in Ordnung sei. «Ich kann einfach nur sagen, dass ich wahnsinnig stolz auf ihn war», sagte die 31-Jährige.
Die Angeklagte (30), die selbst einen kleinen Sohn hat, war mit dem Vater bis August 2025 in einer Beziehung. Fabian war oft tagelang bei ihnen gewesen, wobei er vom Vater oder auch der Angeklagten mit dem Auto bei der Mutter in Güstrow abgeholt wurde. Alle drei tauschten untereinander zur Absprache auch Nachrichten über WhatsApp aus.
In ihrer Aussage wandte sich Fabians Mutter einmal direkt an die nur wenige Meter entfernt sitzende Angeklagte mit den Worten, dass sie nicht verstehen könne. Daraufhin unterbrach der Richter die Sitzung für zehn Minuten. Die Mutter nannte ihren Sohn durchgängig «Fabi». Auch die Erzieher hätten über ihren Sohn gesagt, dass er sehr kuschlig gewesen sei. Leute, denen er vertraut habe, habe er immer umarmt.
Ausführlich äußerte sich die Mutter auf Fragen des Richters auch über die Beziehung zu Fabians Vater, von dem sie sich Ende 2018 getrennt hatte. Er habe sich liebevoll um Fabian gekümmert. 2021 habe der Vater die Beziehung zur Angeklagten begonnen. Als Fabian dann einmal gesehen habe, wie der Vater die Freundin geschlagen habe, wollte er nach Angaben der Mutter nicht mehr dorthin. Daraufhin habe es zunächst einen Kontaktabbruch gegeben.
Laut Anklage sollen Beziehungsprobleme zwischen dem Vater und der Angeklagten eine zentrale Rolle für die Tat gespielt haben. Die Angeklagte habe ziel- und zweckgerichtet gehandelt, um mit der Tötung des Jungen einen Streitpunkt in der Beziehung zum Vater aus dem Weg zu räumen, hieß es in der Anklage. Der Vater habe die Beziehung nicht fortführen wollen, weil er den Kontakt zu seinem Sohn nicht gefährden wollte.
Fabians Mutter hat nach eigenen Angaben keinen Kontakt mehr zum Vater, da ihr sein Verhalten nicht guttue. Sie komme nicht damit zurecht, wie er mit dem Verlust von «Fabi» umgehe. So habe er die Angeklagte in der JVA besucht. «Damit komme ich nicht zurecht. Ich will keinen Kontakt mehr», sagte die Mutter. Der Besuch des Vaters in der JVA ist laut Staatsanwaltschaft dokumentiert.
In der Verhandlung wurde ein kurzer Audio-Mitschnitt vorgespielt, in dem sich die Angeklagte und Fabians Vater im Dezember vorigen Jahres unterhielten. Die Frau, die seit 7. November in Untersuchungshaft sitzt, verfolgte die Aussage der Mutter weitgehend ohne äußere Reaktionen. Sie will sich nach Angaben ihrer Anwälte zunächst nicht äußern.
Fabians Mutter schilderte auch unter Tränen, wie sie den Tag des Verschwindens ihres Sohnes und die Tage darauf erlebte. Fabian war am 10. Oktober nicht zur Schule gegangen, weil es ihm nicht gut ging. Die Mutter ging zur Arbeit, kam aber danach direkt nach Hause, wo sie gegen 15.30 Uhr ankam und eine leere Wohnung vorfand. Abends ging sie zur Polizei und gab eine Vermisstenanzeige auf, nachdem sie und Freunde zuvor überall nach «Fabi» gesucht hätten.
Die Polizei bat sie kurz darauf, zu Hause zu bleiben, falls sich ihr Sohn doch noch melde. «Ich kam mir so hilflos vor: Nichts machen zu können und abzuwarten und zu hoffen», schilderte sie die Stunden und Tage danach.
Tagelang hatte Einsatzkräfte mit Hundestaffeln und auch einem Hubschrauber nach dem Grundschüler gesucht. Erst am 14. Oktober, vier Tage nach Fabians Verschwinden, wurde sein Leichnam an einem Teich bei Klein Upahl, etwa 15 Kilometer südlich von Güstrow, gefunden. Er wurde mit sechs Messerstichen getötet.
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