Neckartenzlingen

TrioConBrio: Kammermusik mit Schwung

Das TriConBrio (von links) Christina Singer, Andrea Förderreuther, Lydia Bach Foto: Helmuth Kern

NECKARTENZLINGEN. Eine selten zu hörende Besetzung: Gitarre, Bratsche und Querflöte schufen eine besondere Klangwelt, in der gezupfte, gestrichene und geblasene Töne zu einem intensiven Hörerlebnis verschmolzen. Drei Musikerinnen interpretierten die Werke des Abends „con brio“ – mit Schwung und Leidenschaft. So musizierten Christina Singer (Querflöte), Lydia Bach (Bratsche) und Andrea Förderreuther (Gitarre) kürzlich im Kleinen Saal der Melchior-Festhalle Neckartenzlingen mit großer Spielfreude in der Kammermusikreihe des Kulturrings.

Zu Beginn gab es erneut „Hört mal rein“: 15 Minuten, in denen die Künstlerinnen Kindern zwischen 6 und 16 Jahren die Welt der Musik nahebringen. Auch wenn nur wenige dieses kostenlose Angebot nutzten, war es schön zu sehen, wie die jungen Zuhörerinnen aktiv an die Klänge von Gitarre, Bratsche und Flöte herangeführt wurden – und wie sogar auf einer leeren Flasche mit der richtigen Technik unter Anleitung ein Ton entstehen kann.

Dann: das Erlebnis von Kammermusik in der Besetzung eines meisterhaften Trios. Die drei Musikerinnen verstanden es, die Klangfarben ihrer Instrumente eindrucksvoll auszuspielen. Das Flirrende und Flimmernde, Mehrstimmige und Akkordische der Gitarre, das warme, dunkle und in der Höhe strahlende Timbre der Bratsche, das luftige Schweben der Flöte. Sensibel im Zusammenspiel entwickelten die drei in den verschiedenen Werken eine dichte Atmosphäre, die das Publikum unmittelbar in die Klangwelt der jeweiligen Komponisten führte.

„Klassik trifft Gegenwart“ war das Thema des Programms. Für die Klassik standen Auszüge aus Mozarts „Zauberflöte“ in einem reizvollen Arrangement des frühromantischen, im 19. Jahrhundert sehr bekannten Gitarristen Antoine de L’Hoyer. Die Gegenwart vertraten Mario Castelnuovo-Tedesco, Astor Piazzolla, José Maria Gallardo del Rey, Heitor Villa-Lobos und Chris Dumigan. Eine musikalische Reise, wie Förderreuther bemerkte: von Österreich über Kalifornien und Argentinien bis nach Brasilien und Großbritannien. Gemeinsam war allen Werken, dass ihre Komponisten die klangliche Vielfalt der Gitarre meisterhaft nutzten.

Der Auftakt mit L’Hoyers Mozart-Bearbeitungen eröffnete eine intime Klangwelt, in der die Bratsche kammermusikalische Tiefe gab, die Flöte dialogisch glänzte und die Gitarre mal Orchester, mal mehr solistisch war. Kammermusik wurde erfahrbar: Nähe und Transparenz.

Es folgten die lyrischen „Ecloghe“ op. 206, Piazzollas dramatische Melancholie mit spannungsvollen Synkopen, del Reys poetische Miniaturen mit perkussiven Gitarrenakzenten und weiten Flötenbögen sowie der feinfühlige Dialog von Flöte und Bratsche bei Villa-Lobos. Zum Abschluss Dumigans farbenreiche Pastorale and Dance, von ihm auf Anregung von TrioConBrio um den ersten Satz, die Aubade, ergänzt.
Am Ende ein begeistertes Publikum, ein gelungenes Konzert des „kleinsten Orchesters der Welt“. Das bedankte sich für den lang anhaltenden Beifall mit einer Zugabe. Lange wird die besondere Atmosphäre dieses Abends noch nachklingen.

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