NECKARTENZLINGEN. Wer kürzlich im Kleinen Saal der Melchior-Festhalle in Neckartenzlingen das außergewöhnliche Trio Yuval mit seinem Programm „Newcomer und Grandes Dames“ hörte, der hat erlebt, wie dieses Trio Musik des jungen, damals noch unbekannten Beethoven, dem Newcomer, zu einem packenden Musikerlebnis machen konnte, ist ergriffen worden von den Musikwelten der Grandes Dames Victoria Yagling und Fanny Hensel. Nicht von ungefähr trägt das Trio den Namen Yuval. „Zufluss“ oder „Strom“ bedeutend, in der Genesis als der Urvater der Musiker erwähnt. Dem Trio mit dem sehr sensibel am Flügel musizierenden Dmitry Gladkov, mit Gudrun Pagel (Violine) und Elisabeth Wand (Violoncello), die beide die reiche Klangfarbigkeit ihrer Instrumente sehr akzentuiert ausspielten, gelang es durchgehend, den Ausdrucksgehalt der Werke herauszuarbeiten. Ein ganz besonderes Trio: subtil in der Ausführung, präzise im Zusammenspiel. Nicht brillierende Virtuosität war Ziel – wenngleich die Instrumente virtuos beherrscht wurden –, sondern musikalisches, sehr feinfühliges Nachspüren der werkimmanenten Strukturen, das Herausarbeiten der jeweiligen Ausdrucksabsichten des Newcomers und der Grandes Dames.
Zum stimmigen Programm gaben die Musiker wichtige Hinweise zum Hörverständnis. Am Anfang stand Beethovens Scherzo aus dem Trio für Klavier, Violine und Violoncello Es-Dur des noch unbekannten 21-Jährigen. Sein Anknüpfen an die Wiener Klassik wurde deutlich und zugleich sein Zug zum Dramatischen. Der wurde dann im folgenden Klaviertrio c-Moll, op.1 des 24-Jährigen manifest. Ein leidenschaftliches, ungestümes Werk, ausdrucksvoll entwickelt, die chromatischen Wendungen, die Dissonanzen äußerst musikantisch gespielt, stimmiges und auf Werkinterpretation fokussiertes Musizieren.
Dem „Kölsche Klüngel“ (Elisabeth Wand) ist es zu verdanken, dass das beeindruckende, dreisätzige Klaviertrio (1985) von Victoria Yagling, das nur in einer Handschrift existiert, aufgeführt werden konnte. Yagling, 1946 in Moskau geboren, emigriert 1990 nach Helsinki, dort stirbt sie 2011. Sie war eine außergewöhnliche Cellistin und Komponistin. Die Ausdrucksqualitäten des wuchtigen, energiegeladenen Klaviertrios arbeiteten Dmitry, Pagel und Wand eindrucksvoll heraus, bis zum klagenden Finale mit berührendem offenem Schluss. Immer hörbar: Yaglings Anverwandeln Bachscher Kontrapunktik, eine Prägung durch ihre Ausbildung am Moskauer Konservatorium. Dort war das Werk Bachs zentraler Bestandteil der Ausbildung, Brücke zwischen Tradition und Moderne. Nach der Pause Fanny Hensels spätes viersätziges Klaviertrio in c-Moll, op.11: virtuos, leidenschaftlich, Beethovens Spätwerk erinnernd. Musikalisch auslotend, machte das Trio das Originäre des Kompositionsstils Hensels eindringlich hörbar: überraschende Brüche, Gedankensprüngen gleich, reich an Emotionen, dramatischen Entwicklungen, den späten Beethoven erinnernd, monumentales Finale. Großer, lang anhaltender Beifall. Zugabe. Trio Yuval wird in Erinnerung bleiben.