Nürtingen

Standing Ovations für Iryna Liakhewych

Iryna Liakhewych am historischen Flügel. Foto: Wolfgang Wetzel

NÜRTINGEN. Eigentlich sollte dieses Konzert der Reihe „Musik im Roßdorf“ gar nicht stattfinden – und dann gab es Standing Ovations. Denn Silvia Amberger hatte das angekündigte Konzert absagen müssen, und dann sprang Iryna Liakhewych ein und begeisterte mit ihrem emotionalen Spiel. In ihrer Heimat Ukraine war sie Klavierlehrerin an einem Konservatorium. 2022 flüchtete sie mit ihrem Mann nach Rumänien und kam dann knapp zwei Jahre später nach Deutschland. Während ihres Aufenthaltes in Rumänien hatte sie keine Möglichkeit, Klavier zu spielen. Sie wohnt jetzt in Beuren und kann dort in der Evangelischen Kirchengemeinde wieder am Klavier sitzen und üben. Noten hatte sie übrigens keine dabei und spielte alle Titel auswendig.

Besonders war auch das Instrument, das, 100 Jahre alt, zur Familie der „Salonflügel“ zählt. Es wurde von einem Stuttgarter Klavierbaumeister gebaut, mit einer besonderen Technik, die sowohl die Spannung der Saiten als auch die Übertragung des Tastenanschlags betrifft.

Ihr bunt gemischtes Programm, das sie mit Leonard Cohens „Halleluja“ begann, entlehnte sie aus den Bereichen Pop, Unterhaltung und leichter Klassik, und natürlich gab sie auch musikalische Einblicke in das ukrainische Liedgut.

So erklangen zum Beispiel der italienische Klassiker „O sole mio“, eine Komposition von Paul Mauriat, ein Tango und ein Czardas, alles mit viel Schwung und Einfühlungsvermögen gespielt. Bei jedem Lied spürte man, dass sie es mit „Kopf und Herz“, wie sie anfangs sagte, vortrug. Mit dem ganzen Körper und mit Freude und Lächeln war sie dabei, besonders auch bei den Liedern und Tänzen aus ihrer Heimat. Über eines davon sagte sie, den Inhalt zusammenfassend: „Ich schaue zum Himmel und denke einen Gedanken: Warum bin ich kein Falke? Warum fliege ich nicht?“ Zum Abschluss des begeistert aufgenommenen Konzerts gab es Standing Ovations für Iryna Liakhewych.

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