WENDLINGEN. Mehr als 70 Frauen unterschiedlicher Herkunft, Religion und Alters waren der Einladung des Vorbereitungsteams zum Frauenmahl gefolgt. Das Motto in diesem Jahr: „FrauenStimmen“.
Neben einem liebevoll zubereiteten vegetarischen Menü standen Gespräche und Begegnungen im Mittelpunkt. Angeregt durch drei eindrucksvolle Tischreden erzählten viele Besucherinnen von eigenen Erfahrungen und ermutigten sich gegenseitig, als Frauen ihre Stimme zu erheben.
Tischrednerin Bianca Steiner, Logopädin aus Wendlingen, stellte vorwiegend die Wahrnehmung der eigenen Stimme in den Mittelpunkt und lud zu praktischen Übungen ein. Funda Eryurt erzählte von ihrer Erfahrung als eine der ersten Frauen bundesweit, die an einer deutschen Universität zur islamischen Theologin ausgebildet wurden – und welche Hoffnungen sie damit verbindet. Heute ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für islamische Theologie in Tübingen. Christiane Krieger ist Bürgermeisterin in Wernau und hatte aufgrund einer Wahlanfechtung für 1,5 Jahre kein Stimmrecht in ihrem Gemeinderat – dafür aber die Möglichkeit, mit der Überzeugungskraft ihrer Stimme Politik zu gestalten und um Mehrheiten zu werben. Alle drei Tischrednerinnen waren sich einig, dass es in vielen Situationen einen Unterschied macht, ob und wie Frauen mit ihrer Stimme ihre Sicht auf die Dinge einbringen, und ermutigten dazu, das auch zu tun. Nur so könne sich gesellschaftlich etwas verändern.
Abgerundet wurden die Gespräche durch musikalische Beiträge aus dem orientalischen Kulturraum von Beyza Nalbantoğlu und Sangmi Kim. Kantorin Wonjin Min leitete die ganze Gruppe dazu an, die eigenen Stimmen als Instrument zu nutzen – in Form eines gemeinsam eingeübten Kanons: „Die Töne aller Menschen suchen einen Raum, im Spiel der Völkerklänge wächst ein Traum…“.
Am Ende des Abends war man sich einig: Alle gehen mit vielen neuen Eindrücken, teilweise sogar Freundschaften, nach Hause. Die Initiatorinnen, Ayşe Özcan vom muslimischen Verein GBSE (Gemeinschaft für Bildung und soziales Engagement Kirchheim) und Diakonin Bärbel Unrath von der Evangelischen Kirchengemeinde Wendlingen am Neckar, sind sich einig: Das machen wir wieder. Es ist wichtig, dass wir auf das schauen, was uns als Christinnen und Muslimas verbindet. Und wir pflegen, was im gemeinsamen Austausch wächst.