Nürtingen

Ein kultureller Eckpunkt in der Innenstadt

Eckbankmoderatorin Anneliese Lieb mit Barbara Andreas und Pit Aurenz vom Kulturcafé Sprechzimmer Foto: Petra Nimmrichter

NÜRTINGEN. Eckbankmoderatorin Anneliese Lieb hatte Barbara Andreas und Pit Aurenz vom Kulturcafé Sprechzimmer zu Gast und die beiden ließen dessen Entstehungsgeschichte, die eng mit der Corona-Pandemie verbunden ist, lebendig werden.

Die in dem Ladenlokal des Paares befindliche Boutique hatte 2019 geschlossen und eine Folgenutzung war noch unklar, als 2020 im ersten Lockdown alle Kulturveranstaltungen abgesagt wurden und die Künstler auf dringende Einnahmen verzichten mussten. Andreas und Aurenz nahmen spontan Kontakt zu den Nürtinger Kulturvereinen wie dem Kuckucksei und dem Provisorium auf und luden Künstler ein, vor dem heutigen Sprechzimmer zu performen.

Beim Nürtinger Kulturschaufenster belebten Musiker, Clowns und Schauspieler den Außenraum und bildende Künstler stellten im Schaufenster des Ladenlokals aus. Die Resonanz war sehr groß und die Künstler erhielten eine Gage.
Kurz darauf war es möglich Corona-Tests durchzuführen und Aurenz bot im Kontakt mit Dr. Martin Häberle die Räumlichkeit als Testzentrum an. Aus ihrem großen Bekanntenkreis fanden sich viele, die mithalfen und bald standen Schlangen von Menschen, die sich testen lassen wollten, vor dem Lokal.
Das dabei erwirtschaftete Geld spendeten sie an Nürtinger Kultureinrichtungen, die sehr unter dem Lockdown litten.
„Wie kam es dann aber zu der neuen Nutzung als Café, dafür braucht es ja Menschen, die mithelfen und Kapital für die Einrichtung?“ fragte Lieb.

Das Testzentrum zog in die Stadthalle um und es entstand die Idee, einen Treffpunkt in der Mitte der Stadt zu etablieren. Viele ehrenamtliche Helfer im Testzentrum wollten sich weiter engagieren und es waren viele Kontakte zu Künstlern entstanden. „Wir sind immer noch dem Café Schümli dankbar, das damals umzog, den Cafébetrieb schloss und das Kulturcafé mit Cappuccinotassen versorgte,“ sagte Andreas. Auch bei der Möbelbeschaffung war das Glück auf ihrer Seite. Ein befreundeter Entrümpler bot ihnen Mobiliar an und regte an, dass Stühle und Tische verkauft werden könnten und sich so immer wieder erneuerten.

Andreas und Aurenz schauen voller Freude auf die Entwicklung des Sprechzimmers, das schon zahlreichen lokalen Künstlerpersönlichkeiten Raum für Ausstellungen, Lesungen und Konzerte geboten hat. Es hat jeweils donnerstags bis samstags von 10 bis 14 Uhr geöffnet.

Zurzeit stellt der ehemalige Technische Beigeordnete Andreas Neureuther Aquarelle aus, und auch Benita Bonk, Bewohnerin der Wohnanlage hat dort bereits ausgestellt. Sie wird im März eine Lesung „mörderisches Kaffeekränzchen“ halten. Diese ist bereits ausverkauft, aber bei genügend Anmeldungen kann auch ein zweiter Termin am 22. März um 15 Uhr angeboten werden.

Auf die Frage von Lieb, was den beiden das Wichtigste bei ihrer ehrenamtlichen Arbeit sei, antworteten sie, dass es die lebendigen Gespräche seien, die hier im Sprechzimmer entstünden, und dass es ein Treffpunkt geworden sei, an dem die unterschiedlichsten Menschen willkommen seien und miteinander in Kontakt kämen.

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