NÜRTINGEN. Allein oder einsam?
Eine Frage des Selbstwerts?
Mit dieser Frage beschäftigte sich kürzlich eine etwa 20-köpfige Gruppe mit dem Namen „Gemeinsam statt einsam“ und unter der Leitung der Bürgermentorin Gundis Eisele in den Räumen des Nürtinger Bürgertreffs. Sie hatten dazu Franz Schneider aus Esslingen eingeladen, der mit seiner multimedialen Präsentation das Thema aus verschiedenen Seiten beleuchtete. Bereits mit seiner musikalischen Einstimmung mit dem Wolgalied und dem Kinderlied „Hänschen klein, ging allein“ machte der Referent deutlich, dass es letztlich um ein lebenslanges Thema gehe, denn bereits Kleinkinder würden manchmal klagen: „Mir ist langweilig!“ Dann fehle etwas zum Wohlsein. Die richtige Frage laute deshalb bei einsamen Menschen: „Was fehlt mir?“ Von den Antworten auf diese Frage hänge ab, ob es um das Gefühl des Alleinseins oder der Einsamkeit handle. Mit dem Gefühl des Alleinseins komme der Mensch in der Regel selbst zurecht. Beim chronischen Gefühl der Einsamkeit fehle die Kraft der Selbsthilfe, so Schneider. Er zitierte dazu Vertreter der verschiedenen Wissenschaften wie Soziologie, Psychologie, Theologie. Letztlich entscheide, so Schneider, bei jedem einzelnen Menschen, ob und inwieweit er mit seinen sieben Sinnen und mit seinen fünf Emotionen klarkomme. Das sei nicht so einfach, wie er am Beispiel des bekannten Bildes von Leonardo da Vinci „Das Abendmahl“ aufzeigte. In dieser abgebildeten Situation und deren Folgezeit gehe es „um Alles“: um Leiden und Tod, um Verrat und um Verlassen werden, um Allein sein und um Einsamkeit sein. Letztlich müsse jeder Mensch seinen Weg für sich finden und diesen auch gehen. Dafür brauche er Mitmenschen, mit denen er eine gute Beziehung aufbauen könne. Notwendig seien regelmäßige Zusammenkünfte und sich dabei über eigene Gedanken und Gefühle austauschen. Silvia Sollner von der Selbsthilfekontaktstelle machte zum Schluss deutlich, dass die Stadt Nürtingen Angebote sowie Orte der Begegnung gesammelt hat und man sich dazu im Bürgertreff informieren kann.