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Finanztipp der Volksbank Mittlerer Neckar: KI-Boom erfasst die Schwellenländer

Viele Schwellenländeraktien haben ihren Wert in den vergangenen Monaten stark gesteigert. Zu den Treibern gehört die hohe Nachfrage nach Lösungen aus den Bereichen künstliche Intelligenz (KI) und Robotik. Was das für den Aktienmarkt bedeutet, erklären Experten von Union Investment.

Die Wertentwicklung von Schwellenländeraktien ist beachtlich. Allein im laufenden Jahr hat der MSCI Emerging Markets-Index, in Euro umgerechnet, rund zehn Prozent zugelegt. Seit Ende 2024 sind es sogar über 26 Prozent. Zum Vergleich: Der US-Aktienmarkt, gemessen an dem Index S&P 500, kommt nur auf knapp drei Prozent plus. Im laufenden Jahr stagniert er aus Sicht eines Euro-Anlegers bislang. Besonders stark sind die Märkte in Taiwan und Südkorea: Der TAIEX-Index in Taiwan hat seit Ende 2024 einen Wertzuwachs von etwa einem Drittel erzielt, der südkoreanische KOSPI-Index hat sich sogar mehr als verdoppelt.

Halbleiterhersteller profitieren

Wesentliche Treiber der robusten Kursentwicklung sind der Höhenflug bei künstlicher Intelligenz (KI) und die geopolitischen Verschiebungen. Taiwan und Korea profitieren massiv von der Nachfrage nach KI-tauglichen Halbleitern. Chiphersteller wie TSMC und Samsung erleben dadurch eine Sonderkonjunktur. TSMC, bekannt für eine konservative Planung, hat angekündigt, die Produktionskapazitäten durch neue Drei-Nanometer-Chips in Japan deutlich auszubauen – ein starkes Signal an Investoren. Die weitere Entwicklung hängt jedoch von der langfristigen Nachfrage ab. Trotz des deutlichen Gewinnwachstums sind diese Titel günstiger bewertet als vergleichbare KI-Aktien aus den USA oder Europa.

Neben dem Halbleitersektor treibt die Nachfrage nach humanoiden Robotern die Kurse in Asien nach oben. Hyundai Motors konnte nach einem Auftritt auf der Messe „Consumer Electronics Show“ (CES) in Las Vegas die Bewertung seiner Beteiligung am Robotik-Unternehmen Boston Dynamics deutlich steigern. Ebenfalls profitieren Energieversorger, insbesondere Netzausrüster in Südkorea. Auch Minenausrüster gehören aufgrund steigender Edelmetallpreise zu den Profiteuren der starken Nachfrage nach KI- und Robotik-Lösungen. Ein neuer Investitionszyklus im Rüstungsbereich verstärkt diesen Effekt zusätzlich.

Anlegerflucht aus dem US-Dollar

Eine wichtige Rolle spielt zudem die Umschichtung internationaler Kapitalströme. Aufgrund der volatilen Politik der US-Regierung unter Präsident Donald Trump fließen Gelder zunehmend aus dem US-Dollar heraus. Viele Schwellenländer, etwa Brasilien und Osteuropa, haben dank engagierter Notenbanken die Corona-Pandemie gut gemeistert und sich als relativ widerstandsfähig erwiesen. Die steigenden Rohstoffpreise kommen zahlreichen Nettoexporteuren zugute. Brasilien profitiert zudem von gedämpften Inflationsraten. Die dortige Zentralbank dürfte ihre bislang restriktive Geldpolitik bald lockern, was insbesondere Bank- und Konsumwerte sowie verschuldete Versorger begünstigt.

China ist ebenfalls wieder vermehrt im Fokus internationaler Investoren. Die Regierung hat ihre restriktiven Maßnahmen gegenüber Internetanbietern gelockert, und das chinesische KI-Unternehmen DeepSeek zeigt die Wettbewerbsfähigkeit des Landes im Bereich künstliche Intelligenz. Die chinesische Zentralbank plant weitere Zinssenkungen und Anpassungen der Mindestreserveanforderungen, um das Finanzumfeld zu entspannen und die schwache Binnennachfrage zu stabilisieren.

Positiver Ausblick

Die Grafik zeigt die Wertentwicklung. Die Experten von Union Investment erwarten mittel- bis langfristig ein zweistelliges Gewinnwachstum für Unternehmen in Schwellenmärkten. Foto: pm

Vor dem Hintergrund erwarteter Zinssenkungen der US-Notenbank Federal Reserve, einer generell lockeren Geldpolitik in vielen Schwellenländern und eines robusten Wachstums in den USA und Europa bleiben die Rahmenbedingungen für Schwellenländeraktien positiv. Sollte sich das Wachstum in der Realwirtschaft verstärken, könnten insbesondere auch ehemals weniger beachtete Werte aus der „zweiten Reihe“ profitieren.

Die Experten von Union Investment erwarten mittel- bis langfristig ein zweistelliges Gewinnwachstum für Unternehmen in Schwellenmärkten. Trotz der starken Kursgewinne bleiben die aufstrebenden Volkswirtschaften aufgrund ihres Gewinnpotenzials attraktiv bewertet. Hauptsächlich zyklische und konsumnahe Titel dürften noch Chancen bieten. Bei den Ländern sieht Union Investment Brasilien, Südafrika und Osteuropa als besonders interessant an. Indien bewerten die hauseigenen Experten hingegen vorerst eher zurückhaltend, da aktuell der KI-Zyklus und die Erholung in China stärker im Fokus der Investoren stehen. China selbst ist vor allem thematisch spannend, muss aber konjunkturelle Herausforderungen meistern.

Strategisch ist das Potenzial der Schwellenländer weiterhin nicht ausgeschöpft. Viele könnten als neue globale Mittelmächte von internationalen Kooperationen bei Ressourcenerschließung und Handelsbeziehungen profitieren. Die Anlageklasse eignet sich daher gut als Beimischung in Multi-Asset-Portfolios. Anleger sollten jedoch beachten, dass der stark gestiegene Anteil KI-bezogener Werte die Diversifikationseffekte gegenüber US-Titeln etwas reduziert. Insgesamt dürften das höhere Wachstumspotenzial vieler Schwellenländer und größere haushaltspolitische Spielräume die aktuell stark KI-getriebene Rallye in die Breite tragen.

(Quelle: Union Investment)

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