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Kritische Selbstreflexion wäre wünschenswert

21.08.2021 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Rolf Weber, NT-Neckarhausen. Zu den Artikeln „Die Schreckensherrschaft ist zurück“ vom 17. August und „In keiner Weise vorbereitet“ vom 18. August.

Die Ausführungen zu den Taliban in dieser epischen Tiefe halte ich für überzogen. Für die Meinungsbildung interessiert, wie unsere Regierung und Parteien das Engagement anfänglich und im Zeitablauf begründet haben; und dies hätte kritisch hinterfragt/bilanziert werden müssen. Plakativ werden die für den deutschen Steuerzahler entstandenen Kosten von 12,5 Milliarden Euro hervorgehoben. Tatsächlich sind allein von 2001 bis 2018 Gesamtkosten von 16,4 Milliarden Euro angefallen.

Die militärische Intervention des Westen wurde 2001 mit der regionalen Verwurzelung der Terrororganisation Al-Kaida in Afghanistan begründet. Dieses Argument ist seit über zehn Jahren obsolet. Stattdessen das jetzt gescheiterte Ziel, das westliche Gesellschaftsmodell in der afghanischen Gesellschaft zu etablieren. Die bittere Lehre für alle Weltverbesserer sollte sein, dass gesellschaftliche Veränderungen nicht von außen indoktriniert werden können, sondern von der breiten Bevölkerung getragen werden müssen.

Unerwartet selbstkritische Töne zu Afghanistan waren jüngst von Ex-Bundeskanzler Schröder auch unter Verweis auf das Jahr 2011 („Da habe ich öffentlich für einen Abzug plädiert. Man konnte ja sehen, wie alle Hoffnungen zerbröselten, die wir einst hatten.“) zu hören. Ich hätte mir auch von anderen Politikern eine kritische Selbstreflexion gewünscht. Auch beim – bislang einzigen – gemeinsamen Wahlkampfauftritt von Joschka Fischer und Annalena Baerbock: Fehlanzeige!

Die aktuellen Stellungnahmen der hiesigen Abgeordneten werden auf die erforderliche Evakuierung von Deutschen und ihrer afghanischen Hilfskräfte reduziert; ist mir unverständlich. Jährlich musste – zuletzt am 25. März – das Bundeswehrmandat verlängert werden. Jedes Mal haben die grünen Abgeordneten Annalena Baerbock, Katrin Göring-Eckardt und Matthias Gastel mit Enthaltung (!) gestimmt. Man sollte meinen, dass 20 Jahre deutscher Afghanistan-Einsatz eine ausreichende Grundlage für ein klares Votum sein sollte.

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