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Die Afghanen nicht bewusst unterstützt

25.08.2021 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Simon Kromer, Wendlingen. Zum Leserbrief „Afghanistan: Fluch der bösen Tat“ vom 19. August.

Das kommunistische Marionettenregime und spätestens der Einmarsch der Sowjets 1979 waren eine schwere Provokation für die religiöse Stammesgesellschaft Afghanistans, vor allem weil die Umwälzung – wie es kommunistische Coups so an sich haben – mit Gewalt, Unterdrückung und sogar Mord an der örtlichen Führungsschicht vonstatten ging. Keiner bestreitet auf der anderen Seite, dass die Mudschahidin, die sich dagegen zur Wehr setzten, das unter anderem mit der Hilfe der USA – allerdings auch Saudi-Arabiens und Pakistans – taten. Die CIA hat dabei teilweise fragwürdige Methoden angewandt und zu einem Aufstieg der irren Gotteskämpfer beigetragen, unter denen die Region noch heute leidet.

Dies so darzustellen, als hätte der Sicherheitsberater Brzezinski diese Leute quasi im Alleingang noch vor dem sowjetischen Einmarsch aufgebaut, verharmlost jedoch eklatant den Beitrag der Kommunisten, deren brutales Regime einen Volksaufstand erst provozierte. Abstrus schließlich ist der Vorwurf, Brzezinski hätte die Taliban dabei hochgerüstet. Denn erste Hinweise auf ihre Existenz gab es erst 1994, lange nachdem Brzezinski sein Amt abgegeben hatte. Am Aufstieg dieser religiösen Fanatiker aus Pakistan waren die USA, die nach dem sowjetischen Abzug 1989 ihre eigenen Fraktionen in den Reihen der Mudschahidin weiterhin unterstützten, zwar indirekt beteiligt, auch wenn das sicherlich nicht mit Absicht geschah. Allerdings gilt dieser Vorwurf mindestens so sehr für die Sowjetunion, die zunächst mit ihrer direkten Intervention über ein ganzes Jahrzehnt hinweg sowie anschließend ebenfalls der Unterstützung eigener Fraktionen Afghanistan destabilisierte.

Man kann den Amerikanern sicherlich viel vorwerfen bei ihrer Außenpolitik: Naivität, Komplizenschaft mit zwielichten Gestalten, gar Diktatoren, faule Kompromisse, mangelndes Lernen aus Fehlern. Die gegenwärtigen Ereignisse sind ein ganz gutes Beispiel dafür. Aber eine dermaßen menschenfeindliche Ideologie, mit der die Taliban jahrzehntelang die Afghanen quälten, haben sie sicherlich nicht wissentlich unterstützt oder gar bewusst mit aufgebaut.

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