Altdorf

Kommentar zum Skandalspiel in Altdorf: Ermittlungen mit Geschmäckle

Die Nähe zu einem Verein ist natürlich nicht verboten, aber in diesem Fall ein Problem, findet der stellvertretende Ressortleiter Matthäus Klemke. Lesen Sie auch den Artikel „Skandalspiel TSV Altdorf - TSV Oberensingen II: Heikle Verbindungen“.

Schon in der ersten Halbzeit ging es zwischen dem TSV Altdorf und der TSV Oberensingen ordentlich zur Sache. Foto: Julian Kaiser

ALTDORF. Was in Altdorf auf dem Fußballplatz passiert ist, war ein Gewaltausbruch und muss von Polizei, Staatsanwaltschaft und Sportgericht aufgeklärt und bestraft werden – das steht außer Frage. Doch kann eine Ermittlung neutral verlaufen, wenn der Leiter der zuständigen Stelle selbst Vereinsmitglied ist und ganz offenkundig einer Seite nähersteht als der anderen?

Die Polizei verweist darauf, dass die Vereinsmitgliedschaft nichts über die Fähigkeit zur objektiven Amtsführung aussagt. Das stimmt – zumindest grundsätzlich. Natürlich kann ein Beamter professionell handeln, auch wenn er persönliche Berührungspunkte hat, und natürlich kann man einem Polizeibeamten nicht verbieten, sich in einem Verein zu engagieren. Doch darum geht es nicht allein. Es geht um den Eindruck von Neutralität.

Gerade staatliche Stellen sind darauf angewiesen, dass ihre Arbeit nicht nur korrekt ist, sondern auch als korrekt wahrgenommen wird. Schon der Anschein einer möglichen Befangenheit kann Vertrauen beschädigen. Und Vertrauen ist die Grundlage jeder funktionierenden Strafverfolgung.

Deshalb reicht es auch nicht, die Sachbearbeitung des Falls an einen anderen Polizeibeamten abzugeben. Denn die Leitung des zuständigen Polizeipostens wirkt befangen.

Wenn sich jetzt auch noch herausstellt, dass der Bruder des Betroffenen im Sportgericht über beide Mannschaften urteilen soll, ist das mehr als unglücklich. Natürlich ist es ein Zufall, aber auch hier muss gehandelt werden, und der Sportrichter muss von diesem Fall abgezogen werden.

Niemand unterstellt hier vorsätzliches Fehlverhalten. Doch genau deshalb wäre Transparenz das Gebot der Stunde gewesen: klare Zuständigkeiten, nachvollziehbare Abgrenzungen, offene Kommunikation.

Stattdessen entsteht ein Bild, das Zweifel nährt. Und das ist das eigentliche Problem: nicht die Nähe selbst, sondern der Umgang damit.

Zur Startseite