Nürtingen
Im Nürtinger Rathaus gilt jetzt ein Handy-Verbot
Gemeinderat, OB Johannes Fridrich und die Verwaltung haben in einer Sondersitzung Nägel mit Köpfen gemacht. Die neue Regelung gilt vom 1. April an. Auslöser war eine Entscheidung des Stuttgarter Sportwagenherstellers Porsche.
NÜRTINGEN. Wer am Mittwoch einen Termin im Rathaus hat, sollte besser etwas mehr Zeit einplanen oder sein Smartphone zu Hause oder im Auto lassen. Denn Handys müssen vom 1. April an am Eingang abgegeben werden. Diese werden dann in sogenannten Handytaschen verstaut, wie es in einer aktuellen Pressemitteilung der Stadt Nürtingen heißt. Der Besucher dürfe diese zwar mitnehmen. Er kommt aber nicht an sein Telefon heran, solange er sich im Rathaus aufhält. Denn die Hüllen werden verschlossen. Das funktioniert ganz ähnlich, wie die Sicherung eines Kleidungsstücks in einem Kaufhaus. Den passenden „Schlüssel“ gibt es im Bürgerbüro, aber erst, wenn der oder die Besucherin das Rathaus wieder verlässt.
Immer wieder Klagen
Schon länger hatte es Klagen darüber gegeben, dass oft eine Kommunikation mit den Bürgerinnen und Bürgern kaum mehr möglich ist, weil diese fortdauernd mit ihrem Handy beschäftigt seien. „Das hat oft zu Missverständnissen geführt“, erzählt Oberbürgermeister Johannes Fridrich. Die scheidende Erste Beigeordnete Annette Bürkner berichtet von einem besonders gravierenden Fall: „Eine Mutter wollte eigentlich einen Kindergartenplatz. Da aber die Mitarbeiterin und sie durchs Handy abgelenkt waren, hat sie schließlich einen Bürgergeldantrag gestellt.“
Die Gemeinderäte hatten sich ob des Verbots erst skeptisch gezeigt, schließlich gilt die Regel auch für sie. Das heißt, künftig sind eine Runde Candy Crush oder ein kurzer Blick auf den aktuellen Spielstand in der Champions-League am Dienstagabend während der Sitzung tabu. „Das ist ja nicht schlimm, wir haben ja noch unsere Tablets“, erzählt ein Stadtrat, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Ob ein Verbot das richtige Zeichen ist? Auch die Neu-Landtagsabgeordnete der Grünen und Stadträtin Clara Schweizer war sich zuerst nicht sicher. „Wir wollen ja nicht schon wieder die Verbots-Partei sein“, sagt sie lächelnd. Aber sie sei schnell von den Vorteilen überzeugt gewesen: „Das wäre sicherlich auch eine gute Idee für die Sondierungsgespräche zwischen CDU und Grünen im Land.“
Ausnahmeregelung für den OB
Vollends überzeugt hat die Gemeinderäte, dass auch die schwäbische Autoschmiede Porsche einen ganz ähnlichen Weg einschlägt. Vom 1. April an, kein Scherz, ist im Porsche-Werk Zuffenhausen die private Handynutzung untersagt. Auch der Alkoholgenuss während der Arbeitszeit ist streng reglementiert. Nur zu bestimmten Anlässen ist beispielsweise ein kleines Bier erlaubt. Aber das ist wieder ein anderes Thema. Was Porsche kann, kann Nürtingen schon lange und so sollen auch die Mitarbeiter im Rathaus während der Arbeitszeit wieder direkt miteinander kommunizieren und nicht via Textnachricht sich beispielsweise zum Mittagessen verabreden. „Der ein oder andere hat schon angekündigt, sein Handy auch über Nacht da zu lassen“, sagt Fridrich.
Und was denkt der OB, den man selten ohne sein Handy antrifft, über das Verbot? „Das ist nicht weiter schlimm“, sagt der Rathauschef. Da er ja der beste Werbebotschafter Nürtingens sei, gelte für ihn eine Ausnahme. „Ich darf das Handy zwei Stunden am Tag nutzen, aber nur für Social Media und auch nur, wenn ich allein im Büro bin.“ Er hat sich zwei Handytaschen bestellt, eine in den Farben der Stadt Nürtingen, die andere in Weiß-Rot: „Als VfB Stuttgart-Fan ein Muss.“ Er sei ja auch viel in der Stadt unterwegs: „Da kann ich das Handy ja immer mitnehmen.“
Wird das Verbot sogar noch ausgeweitet?
Sollte sich das Verbot bewähren, denken Verwaltung und Gemeinderäte darüber nach, die Regelung auf alle öffentlichen Gebäude auszudehnen. Das fände auch Michael Maisch, Leiter des Amts für Stadtmarketing, gut: „Es vergeht nicht ein Konzert oder eine Aufführung, wo nicht irgendjemand vergisst, sein Handy auszuschalten.“ Das sei einfach störend. Jacken und Mäntel müssten ja jetzt schon abgegeben werden, da könne man ja auch gleich noch das Smartphone dazulegen.
Die Verwaltung rät den Bürgerinnen und Bürgern jedenfalls, sich besser auf einen Termin im Rathaus vorzubereiten. Einfach im Handy nachgucken, geht ja nicht mehr. „Wir raten dazu, die Formulare vorher auszudrucken und mitzubringen“, sagt OB Fridrich. Dann könne nichts schiefgehen. Natürlich höre sich alles wie ein April-Scherz an. „Aber wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht“, sagt Fridrich. Er sei überzeugt, dass dies der richtige Weg sei.
Update 1. April:
Natürlich handelte es sich bei unserer Meldung um einen Aprilscherz.
Landkreis Esslingen | 02.04.2026 - 14:41
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