Nürtingen

„Wir bilden die Zukunft Europas aus“

14.11.2018, Von Andreas Warausch — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Im Zuge des EU-Projekts Erasmus+ sind gerade 20 Lehrkräfte aus fünf europäischen Ländern zu Gast am Hölderlin-Gymnasium

Europäische Lehrer drücken am Hölderlin-Gymnasium gerade die Schulbank. Foto: Holzwarth

NÜRTINGEN. Dienstagmorgen, dritte Stunde am Hölderlin-Gymnasium. Im Raum G1 ist kein Plätzchen mehr frei. Allerdings bevölkern keine Schüler das Klassenzimmer. Es drängen sich 20 Lehrkräfte aus Spanien, Frankreich, Finnland, den Niederlanden und Polen hier. Allesamt nehmen sie mit ihren HöGy-Kollegen am Projekt Erasmus+ Teil. Ziel ist es, „von und miteinander zu lernen“, sagt Lehrerin Carmen Weber-Häuptle, die zusammen mit ihrer Kollegin Christina Baumeister am Gymnasium am Nürtinger Lerchenberg für das EU-Projekt verantwortlich ist.

Info

Das EU-Projekt Erasmus+

Erasmus+ ist ein Programm der Europäischen Kommission für allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport. Das Programm dauert von 2014 bis 2020 und vereinigt alle derzeitigen EU-Programme für allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport auf europäischer und internationaler Ebene. Somit führt es das Studentenaustauschprogramm Erasmus, das Master- und Doktorandenprogramm Erasmus Mundus, Erasmus für Jungunternehmer, Comenius für Schulbildung, Leonardo da Vinci für Berufsbildung und Grundtvig für Erwachsenenbildung weiter. Ziel im schulischen Bereich ist es, die Zusammenarbeit von Schulen aller Schulstufen und Schulformen innerhalb der Europäischen Union sowie die Mobilität von Schülern und Lehrern zu fördern. Quelle: Wikipedia

Von anderen Schulen in anderen europäischen Ländern zu übernehmen, was gut läuft – das wird bei „Erasmus+“ angestrebt. Die Nürtinger Lehrer wollen sich zum Beispiel abgucken, wie die europäischen Kollegen mit sozialen Aspekten umgehen oder medial korrektes Verhalten vermitteln. Oder auch, wie in Spanien zum Beispiel der Computer eingebunden wird, erklärt Carmen Weber-Häuptle.

Und was wollen sich die Kollegen am Hölderlin-Gymnasium anschauen? Ganz einfach: Den bilingualen Unterricht. Ab der siebten Klasse nämlich können sich HöGy-Schüler in den Fächern Geschichte, Geografie, Biologie und Gemeinschaftskunde in englischer Sprache unterrichten lassen, nachdem sie in der fünften und sechsten Klasse zwei Englischstunden mehr hatten.

Nun also werden die Kollegen aus Städten wie Turku, Madrid oder Den Haag zum Beispiel im bilingualen Unterricht im Schwabenland hospitieren. Sie sitzen mit im Unterricht, tauschen sich mit Kollegen und Schülern aus. Erasmus-Dienstansprache ist natürlich englisch. Die ganze Woche weilen sie in Nürtingen. Beim Auftakt gestern lernten sich die Lehrer von den sechs Schulen erst einmal kennen. Ein Rahmenprogramm zu Land und Leuten gibt es nicht. „Das fördert die EU nicht“, sagt Carmen Weber-Häuptle lächelnd. Es geht um die Arbeit, um Fortbildung, um Zusammenarbeit.

Das lässt sich die EU übrigens für das dreijährige Projekt der sechs Schulen inklusive HöGy rund stolze 300 000 Euro kosten. Davon bestritten werden müssen unter anderem Reise- und Unterbringungskosten – wobei die europäische Lehrerschaft in Esslingen logiert, da hier in Nürtingen nicht genügend Einzelzimmer zu bekommen waren.

Im Zuge des Projekts werden aber nicht nur Lehrer,. sondern auch Schüler zusammengebracht – zum Beispiel zu Themen aus den Bereichen Kunst und Geschichte. Damit betritt das HöGy kein Neuland. „Die europäischen Projekte haben eine lange Tradition bei uns“, sagt Carmen Weber-Häuptle. Fünfmal nahm man schon an einem Comenius-Projekt teil, bei einem Projekt vom Nachfolge-Typus Erasmus+ ist man zum zweiten Mal dabei.

Wichtiger denn je sei es heute, mit- und voneinander zu lernen, sagte Schulleiterin Beate Selb bei ihrer Begrüßung zu den internationalen Kollegen. Man dürfe sich in Europa nicht nur auf wirtschaftlicher Ebene begegnen. Der persönliche Austausch bilde das eigentliche Europa. Und die Lehrer hätten da eine besondere Aufgabe. Selb: „Wir bilden die Zukunft Europas aus.“ Sie wünschte sich, dass man in dieser Woche eng zueinanderfinde, damit man einen „Abglanz des großen Europas hier in Nürtingen“ habe.

Bei der Begegnung hier wird es übrigens nicht lange bleiben. Schon im Februar werden sich die 20 Kollegen wiedersehen. Voraussichtlich im finnischen Turku.

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