Weihnachtsgrüße

Überwältigt von der schroffen Schönheit der Plateau-Berge

24.12.2019 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Finn Seibert ist glücklich, in Lesotho arbeiten zu dürfen – Das komplett von Südafrika umschlossene Land hat mit 1400 Meter den höchsten tiefsten Punkt eines Landes weltweit

Finn Siebert arbeitet in einem kleinen Jugentzentrum in Lesotho.
Finn Siebert arbeitet in einem kleinen Jugentzentrum in Lesotho.

Ein Junge namens Finn war kurz davor, die Schule zu beenden, jedoch war er sich noch unsicher, was er danach machen will. Studium? Nein, wohl doch eher nicht, hatte er doch schon ewig den Traum, nach der Schulzeit einmal rauszukommen, die Welt zu sehen, andere Kulturen kennenzulernen und einen Einblick in andere Lebensrealitäten zu bekommen. Deshalb entschied er sich „weltwärts“ zu gehen und einen Freiwilligendienst in Lesotho zu machen. „Was?“ war eine häufige Antwort, die er daraufhin zu hören bekam. Die Antwort war jedoch immer die gleiche: „Lesotho ist ein Land, das komplett von Südafrika umschlossen ist und ungefähr so groß wie Baden-Württemberg ist. Lesotho ist bekannt für seine Berge, die das ganze Land füllen, so hat Lesotho den höchsten tiefsten Punkt eines Landes weltweit mit 1400 Meter. Im Durchschnitt liegt das Land jedoch auf circa 1800 Meter. Meine Einsatzstelle wird in Morija sein. Morija ist die erste Stadt Lesothos und liegt auf 1700 Meter und liegt damit in den „Lowlands“, da es in anderen Teilen des Landes auf bis zu 3482 Meter hoch geht und Lesotho somit den höchsten Berg im südlichen Afrika beherbergt.“

In Lesotho rage die Berge auf bis zu 3482 Meter Höhe auf. Damit beherbergt das Königreich den hächsten Berg im südlichen Afrika.
In Lesotho rage die Berge auf bis zu 3482 Meter Höhe auf. Damit beherbergt das Königreich den hächsten Berg im südlichen Afrika.

Gerade diese und viele weitere kleine, spannende und teilweise lustige Rekorde und Fakten machten Finn nur noch umso mehr gespannt darauf, ein Jahr in diesem Land leben zu dürfen. Ende August ging es dann los und nach mehr als 30 Stunden Reisen kam er endlich in seiner neuen Heimat Lesotho, Morija an. Überwältigt von der schroffen Schönheit der Plateau-Berge um Morija, ging es nach der Ankunft und einem Einführungsseminar auch schon direkt mit dem Arbeitsalltag los.

Finn arbeitet in einem kleinen Jugendzentrum namens Ha Matela Youth Centre. Dies ist ein Ort für Schüler, der genutzt werden kann um zu lernen, zu lesen, Bücher auszuleihen oder auch einfach die Freizeit zu verbringen. So basteln, malen, toben und spielen die Freiwilligen mit den Kindern. Denn häufig haben die Schüler keine Möglichkeit, all das zu Hause zu tun, da es oft an Platz, Elektrizität und somit Licht fehlt. Außerdem erhalten sie im Centre Hilfe und Unterstützung beim Lernen und Lesen in Form der Freiwilligen und Leader (Basotho, Einwohner Lesothos, die wie die Freiwilligen im Centre arbeiten). Schnell lebt sich Finn in den Alltag ein und ist trotzdem jeden Abend total erschöpft, lernt und entdeckt er doch jeden Tag so viel Neues und Spannendes. Zudem wird er von Tag zu Tag mehr Teil der großen Centre-Familie, deren Altersspanne von zwei Jahren bis hin zu Ende 20 reicht. Dieser bunte Haufen verschafft Finn und seinen Mitfreiwilligen jeden Tag viel Freude und Spaß, genauso aber auch viel Arbeit und Stress, der aber gleich weniger wird, wenn er auf den Platz vor dem Centre tritt, die Aussicht auf das geniale Bergpanorama und den täglichen Sonnenuntergang genießt und sich klarmacht, dass er nun arbeitet, wo andere Urlaub machen, und dass er doch ein ziemlicher Glückspilz ist, diese Erfahrungen und Erlebnisse machen zu dürfen.

In Lesotho macht Finn Siebert viele neue Erfahrungen
In Lesotho macht Finn Siebert viele neue Erfahrungen

Seine normale Arbeitszeit ist am Nachmittag, da das Centre nach der Schule öffnet. Somit hat Finn morgens Freizeit, die gerne mit einem langen Frühstück begonnen wird. Danach gibt es immer etwas zu tun, sei es Dinge für das Centre vorzubereiten, schließlich leiten die Freiwilligen das Centre fast alleine, mit Kindern aus dem Centre in Konservendosen überm Feuer zu kochen, Wäsche zu waschen oder den Berg hinterm Haus hinaufzuwandern, schließlich kann man hier Dinosaurier-Fußabdrücke bestaunen. Sonst kann er auch den Hub oder das Arts Centre des Ortes besuchen. Außerdem trifft er super gerne andere Freiwillige, so kennt er doch einige von den Vorbereitungsseminaren in Deutschland und Treffen in Lesotho. So kamen schon befreundete Freiwillige aus Kapstadt, mit denen er zusammen Lesotho entdecken durfte. Sie reisten nämlich nach Semonkong, ein Ort in den Highlands Lesothos, wo man den zweithöchsten Wasserfall im südlichen Afrika besichtigen kann. In die Highlands zu reisen ist jedes Mal aufs Neue spannend für ihn, verändert sich die Landschaft doch so stark, von trockenen Plateau-Bergen hin zu saftig grünen, grasbewachsenen Bergen mit teils tiefen Tälern dazwischen. Aber auch die Menschen und ihre Lebensweise unterscheiden sich von denen in den Lowlands. Die Menschen leben abgeschiedener, sind noch ärmer und haben ein deutlich härteres, beschwerlicheres Leben. Schon allein die Straße nach Semonkong ist abenteuerlich. Geteert ist sie zwar, jedoch geht es vier Stunden lang nur auf und ab, durch endlose Berglandschaften, wobei der ein oder andere Berg das Auto an seine Grenzen brachte. Es half nur aussteigen und schieben.

Zwischen Weihnachten und Silvester geht es für Finns Mitfreiwillige und ihn dann nach Südafrika die Garden Route entlang bis nach Kapstadt. An Heiligabend geht es in den Addo Elephant National Park, während die Reisegruppe Silvester dann vor den Toren Kapstadts verbringen will. Auf Kapstadt selbst sind sie besonders gespannt, da es eine super große, teure, bunte und vielfältige Stadt inmitten einer unglaublichen Landschaft ist. Diese Stadt ist damit das komplette Gegenteil des ländlichen und armen Lesothos.

Während es hier von Tag zu Tag wärmer wird, gleichzeitig die Regenzeit beginnt und die Tage länger werden, werden die Tage auf der Nordhalbkugel kürzer, dunkler und kälter, sodass Finn Probleme hat, in die traditionelle, winterliche Weihnachtsstimmung zu kommen. Jedoch ist er auch schon voller Vorfreude auf dieses doch so andere sommerliche Weihnachtsabenteuer in Südafrika dieses Jahr und er sendet ganz liebe und regnerische Weihnachtsgrüße ins 8892 Kilometer entfernte, kalte Aichtal, an Freunde und Familie und wünscht einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Finn Seibert

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