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Weihnachtsgrüße

Statt Schnee- gibt’s Staubsturm

24.12.2021 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Liebe Weihnachtsgrüße von Judith Munk aus Guinea im Westen Afrikas

Dank Judith Munk in Guinea gibt’s trotz der Hitze etwas traditionelles Weihnachten.
Dank Judith Munk in Guinea gibt’s trotz der Hitze etwas traditionelles Weihnachten.

Dieses Jahr erlebe ich nicht schon im September Spekulatius im Supermarkt, sehe keine Lichterketten an den Fachwerkhäusern oder bin gestresst dabei, Geschenke zu besorgen. Denn der Advent in meinem Auslandsjahr in Guinea im Westen Afrikas sieht anders aus. Auf den ersten Blick ist die Temperatur der größte Unterschied, bei 35˚ Grad und strahlendem Sonnenschein lässt man Schal und Winterstiefel zu Hause. Die Landschaft wird nicht vom Schnee geschmückt, stattdessen von einer rotbraunen Staubschicht. Die Staubwolken auf den Straßen, die von den vielen Motorrädern aufgewirbelt werden, haben aber eine gewisse Ähnlichkeit mit einem kleinen Schneesturm.

Wenn ich verschwitzt zu Hause ankomme, gibt es statt heißer Schokolade erfrischendes Wasser und ein Stückchen Schoki, natürlich aus dem Kühlschrank, sonst wäre es schon längst dahingeschmolzen. In Guinea sind etwa 85 Prozent der Bevölkerung Muslime, somit feiern viele kein Weihnachten und deshalb sind die Häuser, der Markt und die Stadtmitte nicht mit Lichtern, Tannenbäumen oder Sternen dekoriert.

Aber es gibt auch Christen in unserer Stadt. Für sie ist Weihnachten das große Fest. Ich freue mich schon, die strahlenden Gesichter in ihren neuen Kleidern zu erleben, mit ihnen den lauten und bunten Gottesdienst zu feiern und auf die Berge an Reis mit Soße. Das Team und ich haben trotz der äußerlichen Gegebenheiten ein Stückchen traditionelles Weihnachten zu uns geholt. Eine Familie hat einen kleinen Tannenbaum, bei uns steht eine Weihnachtsdeko mit vier Adventskerzen und wir haben auch schon fleißig „Bredla“ gebacken – wobei: eher fleißig vernascht.

Ohne viele der vertrauten Traditionen rund um Weihnachten ist mir die wahre Bedeutung dieser besonderen Nacht neu bewusst geworden: Der große Gott macht einen Schritt auf mich zu. Er verlässt seinen Thron in der Herrlichkeit und kommt in meine gebrochene Welt, um mir nahe zu sein. Dieses Weihnachten will ich auch einen Schritt auf ihn zumachen. Zu ihm, der mein inneres Chaos beendet und mich mit seiner Liebe ausfüllen will.

Judith Munk

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