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Mit Zucker kann man heute gut leben

14.11.2018, Von Richard Freutel — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Heute ist Weltdiabetestag: Die Forschung hat beim Kampf gegen die Krankheit große Fortschritte erreicht

Diabetes ist in vielerlei Hinsicht tückisch. Oftmals entwickeln sich die Beschwerden schleichend, bis dann beim Hausarzt die Zuckerkrankheit festgestellt wird. Die Folgen von Diabetes sind nicht zu unterschätzen. Anlässlich des heutigen Weltdiabetestages erklären zwei Expertinnen, wie man Diabetes vorbeugen kann und wie den Betroffenen geholfen wird.

Die penible Überwachung der Blutzuckerwerte gehört zum Alltag eines Diabetikers. Foto: Adobe Stock

Wer an der Zuckerkrankheit leidet, hat eine chronische Fehlfunktion des Stoffwechsels, durch die das Hormon Insulin entweder gar nicht oder nur sehr schlecht produziert wird. Zuckerkranke haben ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ist der Blutzuckerspiegel über längere Zeit erhöht, steigt das Risiko für Schäden an kleinen Blutgefäßen, Augen, Nieren und Nerven, sagt Dr. Sabine Knapstein, Ärztin bei der AOK Neckar-Fils.

Hintergrund

Diabetes und Insulin

Diabetes ist eine chronische Stoffwechselerkrankung. In Deutschland leben laut dem Robert-Koch-Institut 6,7 Millionen Menschen mit der Krankheit. Die Zahl der nicht diagnostizierten Diabetiker zählt jedoch noch knapp zwei Millionen Betroffene hinzu.
Im Landkreis Esslingen litten im Jahr 2017 laut der AOK Neckar-Fils 1560 Versicherte unter Diabetes mellitus Typ 1. Deutlich höher sind die Zahlen bei Typ 2 – mit 21 400 Versicherten erreiche die Zahl der Betroffenen sogar den höchsten Stand seit 2015.
Beim Weltdiabetestag der internationalen Diabetes-Föderation (IDF) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird auf die Krankheit aufmerksam gemacht. Als Tag wurde der 14. November gewählt – der Geburtstag von Frederick Grant Banting. Gemeinsam mit dem US-amerikanischen Physiologen Charles Herbert Best gelang es dem Chirurgen vor 97 Jahren, aus dem Bauchspeicheldrüsengewebe von Hunden Insulin zu extrahieren. Insulin ist für Wirbeltiere und Menschen lebensnotwendig, ohne das Hormon kann der Blutzuckerspiegel nicht gesenkt werden.

„Diabetes Typ 2 ist ganz klar am weitesten verbreitet“, sagt Diabetesberaterin Christina Guarnieri von der Medius-Klinik Nürtingen. In der Klinik werden laut Guarnieri 800 Patienten pro Quartal ambulant behandelt. Die Hälfte davon habe Diabetes Typ 1, da man nur diesen Typ ambulant behandeln dürfe. Typ-2-Diabetikern sei geraten, in dringenden Fällen auf Überweisung des Hausarztes zu kommen.

Bei Diabetikern des Typs 1 wird zunächst wenig, anschließend gar kein Insulin von der Bauchspeicheldrüse produziert, so Guarnieri. Diabetes Typ 1 bildet sich schon im Kindes- und Jugendalter aus. Die Betroffenen benötigen das zusätzliche Insulin, um fatale Körperschäden zu vermeiden. Der Typ 1 ist laut der Diabetesberaterin zu circa fünf Prozent vererbbar, wenn ein Elternteil unter der Krankheit leidet. Bei Typ 2 herrscht eine Vererbungsrate von sogar 50 Prozent.

Ernährung und Bewegung spielen eine wichtige Rolle

Typ 2 unterscheidet sich darin von Typ 1, dass die Immunkrankheit aufgrund mangelnder Bewegung sowie einer falschen Ernährung und Übergewicht erst im Alter auftritt. Die ersten Symptome sind ein auffallend verstärktes Durstgefühl, häufiges Wasserlassen, Hautjucken, Schwindel, Kopfschmerzen oder Sehstörungen.

Häufig wird die Krankheit per Zufall durch eine Blutabnahme beim Hausarzt diagnostiziert. Heikel dabei ist, dass die Betroffenen die Symptome oft nur nebenbei schildern. Die genaue Zahl der Diabeteserkrankten ist deshalb nicht exakt ermittelbar, das Robert-Koch-Institut schätzt sie jedoch auf rund 6,7 Millionen Menschen deutschlandweit.

Wie mit Diabetes umgegangen wird

Besteht ein Verdacht auf Diabetes, werden erst einmal die Glukosewerte im Blut getestet. Der genaueste Indikator ist der Langzeitblutzuckerwert HbA1c, überschreitet der im nüchternen Zustand den Normwert, ist die Diagnose klar, erklärt Guarnieri.

Die fortlaufende Behandlung unterscheidet sich bei den Diabetestypen dadurch, dass Patienten des Typs 1 Insulin sofort gespritzt bekommen und eine stationäre Schulung erhalten. Die Betroffenen des Typs 2 müssen indes ihre Lebensweise ändern und eventuell Medikamente nehmen, die die Bauchspeicheldrüse unterstützen.

Doch die gute Nachricht ist, dass Diabetes heutzutage sehr gut behandelbar ist. In der Forschung ist man laut Christina Guarnieri weit vorangeschritten.

Über die Zeit habe sich, so die Ärztin, vieles zum Positiven verändert. Vor circa 50 Jahren habe man Diabetes vorzugsweise mit Urinstreifen festgestellt. Bis vor circa 30 Jahren habe man mit dieser Methode arbeiten müssen. Damals wurden dann auch die ersten Blutzuckermessgeräte eingeführt, die in eine Handtasche passten. Auch die Ziele wären laut der Ansicht der Diabetesberaterin vor 30 Jahren andere gewesen: damals wollte man eine Unterzuckerung vermeiden und die Blutzuckerwerte möglichst niedrig halten. Heute wisse man, dass auch niedrige Blutzuckerwerte zu Problemen führen können.

„Mit Diabetes kann man heute sehr gut leben“, versichert Guarnieri. Die Technik verbessere sich stetig. Man werde auch in Zukunft mehr im Bereich Diabetes erforschen können und dann auch präzisere Vorhersagen zur Entstehung der Krankheit machen können.

Um Diabetes vorzubeugen, empfiehlt die Beraterin, auf das eigene Gewicht und die Ernährung zu achten und sich regelmäßig zu bewegen. Eine gesunde Ernährung bedeute dabei, ballaststoffreiche Lebensmittel zu bevorzugen, regelmäßig zu essen und Süßes zu meiden. Dabei empfehle sich auch, sich dreimal pro Woche für 30 bis 60 Minuten zu bewegen.

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