Weihnachtsgrüße

Mit kleinem Weihnachtsbaum und Bikini am Strand

24.12.2019 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Lena Veit sendet Weihnachtsgrüße aus Australien – Vieles hat sie schon zwischen Darwin und Sydney gesehen – Gerade ist Arbeiten angesagt

Lena Veit war ganz oben auf dem Uluru, wie der Ayers Rock in der Sprache der Aborigines heißt.
Lena Veit war ganz oben auf dem Uluru, wie der Ayers Rock in der Sprache der Aborigines heißt.

Nachdem ich Anfang des Jahres meine Ausbildung als Bankkauffrau erfolgreich abgeschlossen hatte, wusste ich, ich will noch mal raus aus dem Arbeitsalltag und ein Abenteuer außerhalb von Deutschland erleben. Also habe ich mich mit einer Freundin dazu entschieden, einen Flug nach Australien zu buchen und Down Under als meine neue Heimat für die nächsten Monate festzulegen. Ende Juli ging dann unser großes Abenteuer los.

Von Wolfschlugen nach München und von dort mit dem Flugzeug nach Cairns, eine Stadt, die ziemlich im Norden der Ostküste liegt. Dort hatten wir wunderschöne zwei Wochen, in denen wir Touren zum Great Barrier Reef, zum Daintree Rainforest, zu Wasserfällen oder einfach zum Strand unternommen haben. Da für uns aber von Anfang an klar war, dass wir nicht mit dem Bus/Flugzeug durch Australien reisen wollen, haben wir uns unser eigenes Auto, unseren „Jeremy“ gekauft. Das Auto ist so ausgestattet, dass wir komplett darin leben und schlafen können. Also hieß es ab jetzt „Tschüss großes Hostelbett“ und „Hallo kleines Bett im Auto“. Unser erstes Ziel mit unserem Haus auf vier Rädern sollte der Norden, genauer gesagt Darwin, sein. Nach vielen Tagen nur Autofahren auf geraden Straßen, Dürre, ab und an mal einem Örtchen, vielen toten Kängurus auf der Straße, selten ein anderer Mensch, die ganze Zeit nur Reis und Nudeln und ohne Internet, hatten wir es endlich geschafft und unsere Reise durchs australische Outback hatte vorerst ein Ende.

Endlich in Darwin angekommen, wurden wir dann auch direkt von der Hitze im australischen Norden überrascht. Leider hat es uns dort nicht besonders gefallen, weswegen wir uns gedacht haben, warum Zeit verschwenden und noch länger hierbleiben. Also ging es nach drei Tagen wieder weiter.

Diesesmal war Australiens Mitte, der Uluru/Ayers Rock, unser Ziel. Auf unserem Weg nach unten haben wir noch Zwischenstopps im Kakadu und Litchfield Nationalpark eingelegt. Außerdem haben wir eine Krokodiltour gemacht, auf der man Krokodile in freier Wildbahn ganz nah beobachten konnte. Da hat man erst mal gemerkt, wie gefährlich es ist, im Norden einfach ins Meer oder einen See zu hüpfen, da dort überall Krokodile sein können.

Nachdem wir dann rund 2000 Kilometer nur geradeaus nach unten gefahren sind und tagelang wieder nur Dürre, kalte Duschen, Nudeln mit Tomatensoße und leere Straßen gesehen hatten, kamen wir endlich am Ziel an. Da zu dem Zeitpunkt der Uluru für Besucher noch geöffnet war, hatten wir die Chance, auf den roten Berg zu klettern. Das Besteigen war anstrengender als erwartet, aber als wir oben waren und einen wunderschönen Blick über den Nationalpark hatten, waren wir uns beide einig, dass es sich gelohnt hat. Nachdem wir am nächsten Tag noch Kata Tjuta, eine Felsformation nahe des Uluru, angeschaut hatten, machten wir uns wieder auf den Weg zurück nach Cairns. Dorthin wollten wir, da uns dort Freunde aus der Heimat besucht haben und andere Freunde, die ebenfalls „work & travel“ in Australien machen, zu uns dazugestoßen sind.

Nach weiteren Tagen nur Outback, kamen wir endlich wieder an der Ostküste an und von dort aus haben wir einen Ausflug nach Magnetic Island gemacht. Auf der Insel konnten wir dann unsere ersten Koalas sehen und den bis jetzt schönsten Sonnenuntergang in Australien.

Nachdem wir wieder von der Insel runter und auf dem Festland waren, konnten wir dann auch endlich unsere Freunde in die Arme schließen. Als der Besuch aus der Heimat wieder weg war, hieß es: Ab jetzt Reisen zu viert. Mit den beiden haben wir dann angefangen, die australische Ostküste zu bereisen. Auf dem Weg haben wir so einige Abenteuer erlebt. Unter anderem einen Skydive (ein Sprung aus einem Flugzeug), eine Horrornacht im Regenwald, eine Autopanne unserer Freunde, unser erstes Buschfeuer, Schlangen, Spinnen oder aber einfach wunderschöne Strände.

Ein weiteres Highlight auf unserer Reise war unsere Segeltour zu den Whitsundays. Die Whitsundays sind eine Inselformation, auf denen man einen der weißesten Strände der Welt, den White Haven Beach, findet. Der Strand ist durch seinen fast 99-prozentigen Quarzgehalt so weiß und weich, dass man sich so fühlt, als würde man auf Mehl laufen. Zudem ist das Wasser extrem klar. Wer das Paradies sucht, kann es definitiv auf den Whitsundays finden.

Nach wunderschönen Tagen auf dem Segelboot hieß es für uns Abschied nehmen, da zwei unserer Reisetruppe Arbeit suchen wollten. Für mich ging es dann mit einer Freundin und einem neuen Auto, unserem „Gregory“, die Ostküste weiter hinunter. Nach ein paar Tagen Fahrt stand auch schon das nächste Highlight, Fraser Island, an. Dort lernten wir unsere neuen vier Reisepartner kennen, sodass wir uns mit drei Autos auf den Weg auf die größte Sandinsel der Welt gemacht haben.

Auf Fraser Island verbrachten wir drei wunderschöne Tage voller Abenteuer und unglaublicher Momente. Wir sind teilweise Strecken gefahren, bei denen ich es nicht für möglich gehalten habe, dass ein Auto das schaffen kann. Auf der Insel gibt es keine geteerten Straßen, sodass wir auf Sand (in dem sich eins unser drei Autos auch festgefahren hatte), durchs Wasser, über Wurzeln oder Löcher fahren mussten. Auf Fraser Island durften wir jeden Morgen mit Meerblick aufwachen, da wir in den Autos direkt am Ufer geschlafen haben. Nachdem wir einen weiteren Höhepunkt der Insel, Lake McKenzie, den klarsten See der Welt, angeschaut hatten, ging es wieder zurück an Land. Von dort ging es über einige Nationalparks nach Brisbane. Mit Brisbane haben wir dann auch zum ersten Mal eine Großstadt direkt am Wasser gesehen. Die Stadt ist voll mit Brücken und Hochhäusern, die direkt am Wasser stehen, aber den- noch facet- tenreich und wunderschön. Von Brisbane aus ging es weiter über Surfers Paradise und Noosa nach Byron Bay. Dort konnten wir dann den östlichsten Punkt in Australien besuchen und von unserer To-do-Liste abhaken. Nachdem wir Halloween dort verbracht hatten, ging es weiter über ein paar kleinere Orte und Nationalparks zu den Blue Mountains. Dort waren wir zum ersten Mal selber von den schlimmen Buschfeuern in Australien betroffen. Auf dem Weg zum Nationalpark sind wir durch Gebiete gefahren, in denen alles voller Rauch war und man fast nichts mehr gesehen hat. In einem Vorort der Blue Mountains war absoluter Notstand ausgebrochen. Auf uns hat es so gewirkt, als würden die ganzen Anwohner ihr wichtigstes Hab und Gut in die Autos packen und vor den Flammen fliehen. Überall waren Feuerwehrautos, Polizeiwagen, Krankenwagen und Löschhubschrauber unterwegs. Die Stimmung war unheimlich, gefährlich und einschüchternd. Einige der Campingplätzen in den Blue Mountains waren sogar gesperrt, sodass wir unsere nächsten Tage umplanen mussten. Wir sind dann zu einer anderen Stelle in den Bergen gefahren und haben von dort aus, trotz der andauernden Brände, wunderschöne Touren in den Blue Mountains unternehmen können.

Nachdem wir noch mal die schöne Natur Australiens genießen konnten, hieß es endlich ab nach Sydney. Dort angekommen konnten wir dann das berühmte Opera House und die Harbour Bridge von nahem betrachten. Außerdem konnten wir am Bondi Beach baden gehen und die Eindrücke der großen Stadt erst mal auf uns wirken lassen. Eine Sache, auf die man absolut verzichten kann, ist definitiv das Autofahren in Sydney. Die mehrspurigen Straßen sind immer voll und es ist zum Teil unmöglich die Spur zu wechseln und die Ausfahrt nicht zu verpassen. Nachdem wir uns aber auch daran gewöhnt hatten, hieß es für uns: Arbeit suchen. Zum Glück hatten wir auch schnell Erfolg und wurden als Barhilfen in einem neu eröffneten italienischen Restaurant, direkt am Meer, eingestellt. Der Job ist zwar absolut kein schöner und die Arbeitszeiten sind alles andere als normal, aber was ist auf so einer Backpacker-Reise nach Australien schon normal? So sind wir gerade damit beschäftigt, die Gläser zu polieren und überall im Restaurant auszuhelfen, wo wir gebraucht werden. Die Arbeit möchten wir noch bis Anfang des neuen Jahres machen. Danach soll es für uns von Sydney aus für weitere vier Monate über den Süden weitergehen an die Westküste. Dort werde ich voraussichtlich meine Reise durch Australien im April beenden. Vor drei Tagen bin ich von Sydney aus nach Perth geflogen, da mich dort ein Teil meiner Familie besucht hat und aktuell befinde ich mich im Flugzeug zurück nach Sydney. In Perth hatte ich wunderschöne Tage, mit viel gutem Essen und einer Weinverkostung. Das war komplettes Kontrastprogramm zu meinem sonstigen Leben im Auto mit Nudeln und kalten Freiluftduschen. Obwohl bei mir absolut noch keine Weihnachtsstimmung durch die Temperaturen aufkommt, geben sich die Australier mit der weihnachtlichen Dekoration und Musik echt Mühe. Dieses Jahr werden wir mit unserem kleinen Weihnachtsbaum am Strand sitzen und so Weihnachten im Bikini verbringen.

Silvester wird dieses Jahr auch eine Erfahrung, die ich direkt mit Blick auf das Opera House und die Harbour Bridge genießen kann. Ich freue mich trotz der nicht vorhandenen Weihnachtsstimmung auf mein Weihnachtsfest am Strand und sende sonnige Grüße nach Deutschland. Ich wünsche allen Lesern frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2020.

Liebe Grüße an meine Familie und Freunde. Ich denke ganz fest an euch und vermisse euch.

Lena Veit

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