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Weihnachtsgrüße

Magische Momente

24.12.2020 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Cora Stolper machte ihren Master in Gesang in New York – Wie gewünscht ging es nach dem Abschluss nicht los

Mit dem Vorsingen im Mai wurde es nichts, aber Cora Stolper hat sich selbstständig gemacht und zu Hause ein kleines Studio eingerichtet.
Mit dem Vorsingen im Mai wurde es nichts, aber Cora Stolper hat sich selbstständig gemacht und zu Hause ein kleines Studio eingerichtet.

Vor zweieinhalb Jahren ging sie los – die große Reise ins Unbekannte. Ob es nun Zufall oder Schicksal war, ich hatte ziemlich unerwartet einen Master-Studienplatz für Gesang in New York bekommen.

Also flog ich los in die Stadt, die niemals schläft. Ich wusste nicht, was mich erwarten würde, kannte ich New York doch nur von Filmen und Serien und all den Liedern. Ich erinnere mich noch sehr genau an das Gefühl, das ich im Flugzeug hatte, als ich beim Einflug auf New York zum ersten Mal die Skyline sah. Mein ganzer Körper kribbelte und ich wusste: „Das hier ist genau richtig“.

In den letzten zweieinhalb Jahren habe ich so ziemlich jedes New-York-Klischee erlebt, das man sich vorstellen kann. Von winzig kleinen, schrankähnlichen Zimmern, verrückten Nachbarn, exzentrischen Menschen, herzlichen Gesprächen auf der Straße, spontanen Einladungen zu wilden Rooftop-Parties, magischen Momenten im Central Park, leckeren Bageln, zauberhafter Weihnachtsatmosphäre auf der 6th Avenue bis hin zu unvergesslichen Momenten in der Met oder der Carnegie Hall.

New York ist wirklich ein „melting pot“, ein Schmelztiegel an so vielen Gerüchen, Kulturen, Charakteren und Geschichten. Dafür liebe ich es. Die Stadt, die niemals schläft und jeden so annimmt, wie er oder sie ist. Ohne zu bewerten. Man fühlt sich so unglaublich frei.

Und ja, es ist ein Dschungel aus Beton, jeden Tag wenn du aufwachst stellt dir New York die leise Frage „Was ist dein Traum? Wieso bist du hier?“, und dann wirft es dich mit Überschallgeschwindigkeit ins Gewusel. Es stimmt wirklich: „If you can make it there, you’ll make it anywhere“. New York ist tough. Hier ist jeder Tag ein kleines Abenteuer, „einfach so“ bekommt man nichts, aber wenn man sich öffnet und dem Puls der Stadt folgt, dann erlebt man Wunder von solch einer Magie und Energie, die unbeschreiblich sind. Ich war voller Vorfreude auf 2020. Nach meinem Abschluss im Mai wollte ich vorsingen gehen am Broadway, Cabaret-Shows veranstalten, Musik machen, schauspielern. Und dann kam alles anders. Mitte März hatte ich noch eine Aufnahme-Session in einem Recording Studio in Manhattan. Die ganze Stadt war schon wie im Winterschlaf. Der Broadway war menschenleer. Ich war fast die Einzige auf der Straße, an Orten, wo sonst manchmal so viel Gewusel war, dass sich Stau auf den Gehwegen bildete. Ein seltsames Gefühl. Bilder, die ich nur aus Science-Fiction-Filmen kannte, waren plötzlich meine Realität.

Die anfängliche Angst wich einer inneren Bestimmtheit. Diese Bestimmtheit, die einem niemand besser beibringen kann als New York City selbst. „Gib niemals auf. Dream big. No matter what.“ Ich habe meinen Master abgeschlossen, mir ein kleines Home Studio zusammengestellt, gelernt Videos zu produzieren, mich selbständig gemacht und neue Orte entdeckt. Es ist vieles ganz anders gekommen als ich es gedacht hatte. Für meine Freunde, für meine Familie, für mich, für die Stadt, für die Welt.

Ja, dieses Jahr war anders. Langsamer. Stiller. Gleichzeitig extrem aufwühlend und geschichtsträchtig, und ich mittendrin. Im Zentrum. Aber wenn ich durch die Straßen gehe, dann pulsiert unter all dem Chaos und dem Ungewissen ein Rhythmus, das Herz von New York, das unermüdlich schlägt – für die Träumer, die Visionäre, die Künstler und die Abenteurer. Dann lächle ich in mich hinein und höre Frank Sinatra singen „These vagabond shoes, are longing to stray / Right through the very heart of it / New York, New York“.

Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie sehr ich mich darauf freue, meine Familie und Freunde in Deutschland wiederzusehen. Ohne sie hätte ich dieses ganze Abenteuer niemals erleben können und ich sende allen mit diesen Worten eine große, virtuelle Umarmung. Wenn mich dieses Jahr eines gelehrt hat, dann, dass wir immer miteinander verbunden sind. Egal wo wir sind, egal wie viel Ozean zwischen uns liegt. Nähe entsteht durch offene Herzen, und die können wir haben, ganz egal was im Außen passiert oder wo wir sind.

Von ganzem Herzen schicke ich nun weihnachtliche Grüße ins Ländle. Auf dass wir, egal wo wir sind, den Zauber von Weihnachten in unseren Herzen fühlen.

Cora Stolper

Weihnachtsgrüße aus aller Welt