Weihnachtsgrüße

In 268 Stunden 16 077 Kilometer zurückgelegt

24.12.2019 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Barbara Butz ist zehn Monate nur mit Zug, Bus und Fähre unterwegs – In Thailand macht sie ihren Divemaster – In Japan geht sie einem Imker bei der Honigernte zur Hand

Barbara Butz stattet auch dem größten Mongolen Dschingis Khan einen Besuch ab.
Barbara Butz stattet auch dem größten Mongolen Dschingis Khan einen Besuch ab.

Mit dem Entschluss, nach dem Abitur zu verreisen, bin ich nicht allein: Work and Travel, FSJ oder FÖJ im Ausland und andere Freiwilligenarbeit sind beliebter und einfacher zu organisieren denn je. Für mich passte allerdings keines der üblichen Modelle so ganz, aber mein innerer Kompass zeigte schon lange nach Südostasien, es fehlte nur noch die richtige Beschäftigung am Traumziel.

Mit der Transsib ging es von Moskau vorbei am Baikalsee bis nach Peking.
Mit der Transsib ging es von Moskau vorbei am Baikalsee bis nach Peking.

Doch noch eine weitere Angelegenheit ließ mir keine Ruhe. Der Mensch ist so mobil wie nie. Nach zwölf Stunden Warten in einem engen Sitz und zwei Plastikmahlzeiten spuckt das Flugzeug einen in Singapur aus, nach weiteren zehn in Neuseeland, dem anderen Ende der Welt. In 22 Stunden produziert man ein gutes Drittel des durchschnittlichen CO2-Wertes, den ein Deutscher sonst in einem ganzen Jahr erreicht, der aber ohnehin schon um neun Tonnen pro Jahr zu hoch ist. Fliegen ist billig und schnell, aber deshalb noch lange nicht alternativlos.

Also beschloss ich, mich am 1. November ohne Flugzeug, immer mit Boden unter den Füßen, nur mit Zug, Bus und Fähre für zehn Monate auf den Weg zu machen. Drei davon werde ich in Thailand verbringen, während ich dort eine Ausbildung zum Divemaster mache. Zwei weitere Monate helfe ich in einem Naturschutzgebiet in Japan mit und gehe davor einige Wochen einem japanischen Imker bei der Honigernte zur Hand.

In Thailand, genauer gesagt in Kamala auf Phuket, bin ich erst vor wenigen Tagen angekommen und über ein Monat Reise liegen schon hinter mir. Eine Reise, die zu so viel mehr geworden ist, als der anfängliche Gedanke der Klimafreundlichkeit erahnen ließ.

In 268 Stunden legte ich 16 077 Kilometer zurück, durchquerte neun Länder und vier Klimazonen. Über Berlin und Riga gelangte ich nach Moskau, wo für mich die Strecke der Transsibirischen Eisenbahn begann, auf deren Spuren ich die erste Hälfte meiner Reise verbrachte und die mich mitten in den sibirischen Winter führte. Tagelang hatte ich Zeit, vom warmen Abteilfenster aus die kalte Landschaft vorbeiziehen zu sehen. Im Zug stiegen Leute ein und aus und jeder machte es sich auf seine Weise in den Schlafwagons gemütlich. An jedem neuen Morgen musste ich meine Uhr um eine weitere Stunde vorstellen. Ab Irkutsk lag Schnee. In ein bis zwei Monaten wird der Baikalsee ganz zugefroren sein, sodass ihn sogar Autos befahren können. Davon war noch nichts zu sehen, aber die Flüsse waren zugefroren und an den Dachrinnen hingen schwere Eiszapfen. Am ersten Tag dort wurden im Supermarkt Weihnachtslieder gespielt und tags darauf, Anfang November, hatten alle Mitarbeiter schon die Weihnachtsmützen aufgesetzt. Diese weihnachtliche Stimmung verflog aber bald wieder. Der Schnee blieb zwar noch bis in die Mongolei, morgens als ich aus dem Zug ausstieg hatte es unglaubliche -28 Grad und auf dem Weg zum übrigens größten Reiterstandbild der Welt zeigte sich mir die Wüste ganz in Weiß, die Kirchen waren hier aber durch lamaistische Tempel ersetzt. Später, in China, ist die christliche Tradition schon so weit entfernt, dass die Leute hier daran scheitern würden, den Tannenbaum richtig herum aufzustellen. So waren alle Fensterscheiben in meinem Hostel mit verkehrten Bäumen und Glocken beklebt. Es ist außerdem doch erstaunlich, dass in Russland und China, dem größten und viertgrößten Land der Erde, kaum jemand Englisch spricht. Nichtsdestotrotz machte ich einige nette Bekanntschaften, die neben den großen Sehenswürdigkeiten und atemberaubenden Landschaften ebenso besonders sind.

In Peking, hier die verbotene Stadt, startete der zweite Teil der Reise von Barbara Butz, die sie bis nach Thailand führte.
In Peking, hier die verbotene Stadt, startete der zweite Teil der Reise von Barbara Butz, die sie bis nach Thailand führte.

In Beijing endete meine Zeit in der Transsib und ich stieg auf die chinesischen Schnellzüge um. Die Landschaft änderte sich stetig und es wurde immer wärmer. Obwohl es da schon Mitte November war, fühlen sich die hohen Temperaturen nach der klirrenden Kälte Sibiriens und der Mongolei nicht falsch an. Ich erlebe den Wandel des Klimas, reise ohne Jetlag, bekomme ein Gefühl für die Entfernung, die eben immer noch in Kilometern und nicht in Flugstunden gemessen wird. Es ist eine schöne Art unterwegs zu sein und machte mich, auch wenn ich vorerst angekommen bin, noch lange nicht müde. Mit dem Bus über Laos reiste ich schließlich nach Thailand ein. Da Phuket sehr touristisch ist, lässt sich auch der ein oder andere Weihnachtsbaum in den Schaufenstern blicken. Die Plastikbäume in der tropischen Hitze wirken auf mich jedoch nicht sehr besinnlich. Ich beginne gerade erst mich hier einzuleben und Weihnachten scheint noch sehr fern. Trotzdem möchte ich allen Daheimgebliebenen nun einmal ein frohes Fest wünschen und einen guten Rutsch ins neue Jahr, das bei mir um einige Stunden früher beginnen wird. In der Tauchbasis läuft gegen Jahresende alles auf Hochtouren und so werden die Feiertage für mich dieses Jahr wohl wortwörtlich ins Wasser fallen. Ich habe jedoch nichts da-gegen, Weihnachten unter Wasser zu feiern und nach den Tauchgängen wird sicher noch etwas Zeit für ein gemeinsames, nur eben etwas anderes Weihnachten bleiben.

Herzliche Grüße aus dem grünen Thailand

Barbara Butz

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