Weihnachtsgrüße

Imposante Lichterketten bilden die Kathedrale nach

23.12.2017, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Theresa Hammer schickt Weihnachtsgrüße aus Málaga – In der andalusischen Stadt wird die Medizinstudentin Weihnachten wohl bei blauem Himmel und Plus-Temperaturen feiern

Neben dem Studieren und dem Vertiefen der Spanischkenntnisse steht natürlich auch das Erkunden von Málaga und der Umgebung auf dem Plan.

Während meines Medizinstudiums habe ich die Möglichkeit bekommen, im Rahmen des ERASMUS-Programms zwei Semester in Málaga an der Costa del Sol zu verbringen. Mitte September wurde ich am Flughafen von Málaga bei mehr als 30 Grad, einem strahlend blauen Himmel und meinem „Buddy“, einem spanischen Studenten, begrüßt. Dieser brachte mich dann mit seinem Auto durch den chaotischen Großstadtverkehr zu meiner Wohnung. So bewohne ich nun, mit zwei tschechischen Studentinnen zusammen, eine zwischen Stadtzentrum und Uni gelegene WG.

Theresa Hammer hat zwar inzwischen in Málaga und Umgebung schon viel gesehen, trotzdem wird ihre Bucketlist immer länger.

Die ersten Wochen hieß es vor allem mich ans Spanische zu gewöhnen. Die Malagueños, die Einwohner Málagas, sprechen mit ausgeprägtem andalusischen Dialekt und nur wenige Spanier beherrschen Englisch, was mir anfänglich einige Herausforderungen bereitete.

Mein Semester begann mit einem mehrwöchigen Vorlesungsblock. Je nach Stärke des Dialekts und der Deutlichkeit der Aussprache des Professors war die Vorlesung für mich entweder verständlich oder eben völlig unmöglich mitzuverfolgen. Da die Universität Málagas aber viele Austauschstudenten aus aller Welt anzieht (über 1500 in diesem Semester), war ich nicht komplett allein und verloren – immer hatte ich jemanden an der Seite, der entweder genauso verirrt und planlos war wie ich, sodass wir gemeinsam nach einer Antwort suchen konnten, oder aber besser orientiert war und mir weiterhelfen konnte.

Neben Vorlesungen an der Universität habe ich auch Praktika in den verschiedenen Kliniken der Stadt gemacht. Schnell merkte ich, dass es doch einige Unterschiede zwischen deutschen und spanischen Krankenhäusern gibt. So ist unter anderem das Arzt-Patienten-Verhältnis ein anderes als zuhause, offener und vertrauter, aber dennoch mit viel Respekt füreinander. Außerdem ist der Lärmpegel auf den Fluren um einiges höher als in Deutschland. Teilweise hat man das Gefühl, sich eher in einem Einkaufszentrum als in einem Krankenhaus zu befinden. Das dürfte auch daran liegen, dass die Türen zu den meisten Patientenzimmern offen stehen und – egal zu welchem Zeitpunkt – meist mindestens drei Angehörige des Patienten anzutreffen sind.

Neben dem Studieren und dem Vertiefen der Spanischkenntnisse steht natürlich auch das Erkunden von Málaga und der Umgebung auf dem Plan. Spanien bietet eine spektakuläre Natur. Absolutes Highlight war für mich das Naturschutzgebiet „El Torcal de Antequera“: die Natur formte hier vor 100 Millionen Jahren äußerst bizarre Felsformationen. Ganz nebenbei kann man auch einen Superausblick auf die Provinz Málaga genießen. Ein weiterer Höhepunkt war der „Caminito del Rey“, der „Königspfad“. Früher wurde er in der Presse als gefährlichster Weg der Welt bezeichnet. Seit 2015 ist er durch Restaurationsarbeiten zwar nicht mehr gefährlich, aber der Gang an der Wand zweier Schluchten in 100 Metern Höhe ist immer noch sehr spektakulär. Des Weiteren stand die „Playa Bolonia“, der angeblich schönste Strand Andalusiens, auf meinem Programm. Auch die bereits besuchten Städte müssen sich nicht verstecken. Auf Gibraltar beispielsweise, das ja zu Großbritannien zählt, kann man nach einer kurzen Wanderung die typischen Affen sehen und vor allem einen umwerfenden Blick auf die Küste Afrikas werfen. Valencia bietet dazu eine Art spanisches Kontrastprogramm mit landestypischer Paella valenciana, Horchata und ihrer extravaganten „Ciudad de las Artes y las Ciencias“. Meine „Bucket List“ ist noch sehr lang und wird immer länger, denn Spanien hat viel zu bieten, vor allem jede Menge Abwechslung. In Málaga selbst gibt es ebenfalls viel zu entdecken: Das historische Zentrum mit seiner prunkvollen Kathedrale „La Manquita“ ist sehr sehenswert (die „kleine einarmige Dame“; so genannt, weil aus Geldmangel nur einer der beiden Türme vollendet wurde). Auch die Relikte aus Vorzeiten, die Alcazaba und das Castillo de Gibralfaro (Festungs- und Burganlagen der Mauren) und das Teatrum Romanum sind beeindruckend – der Blick vom Gibralfaro auf Stadt und den Hafen ist den Aufstieg auf den Hügel eindeutig wert. Das Beste aber ist für mich das direkt angrenzende Mittelmeer. Außer zum Baden sind der Strand und die Promenade ideal geeignet für Spaziergänge oder natürlich eine ausgedehnte Laufrunde.

Selbst wenn es Schnee an Weihnachten und Neujahr nur in der angrenzender Sierra Nevada geben wird und in Málaga stattdessen strahlend blauen Himmel und Plusgrade vorherrschen werden, so geben die Leute hier dennoch ihr Bestes, dass trotzdem Weihnachtsstimmung aufkommt!

So kann man seit etwa Ende Oktober in den Supermärkten Lebkuchen, Spekulatius und Ähnliches kaufen, dank Lidl und Aldi sogar in deutschsprachigen Verpackungen. Es gibt aber auch in den spanischen Supermärkten sowie kleinen Geschäften typisch spanische Weihnachtssüßigkeiten, vor allem Spezialitäten aus Antequera (circa 50 Kilometer von Málaga entfernt), zu kaufen. Besonders stolz sind die Malagueños auf ihre „Luces de Navidad“, das sind Lichterketten, die ähnlich wie in Deutschland die Straßen schmücken. Die Lichter wurden am 24. November mit großem Spektakel in der Haupteinkaufsstraße „Calle de Márquis de Larios“ und der Plaza de la Constitución entzündet. Allerdings sind die Lichter wesentlich imposanter und kitschiger als zuhause. So wird dieses Jahr die Kathedrale imitiert, inklusive Kuppel und weihnachtlichen Motiven.

An Heiligabend werde ich dann zur traditionellen Mitternachtsmesse, der „Miso de Gallo“, in die Kirche gehen und das bisher immer nach deutscher Tradition gefeierte Fest mal aus einer anderen Perspektive miterleben. Anders als in Deutschland müssen sich die Kinder aber noch ein bisschen gedulden, denn Geschenke gibt es in Spanien traditionell erst am 6. Januar, dem „Dia de los Reyes“.

Dazwischen liegt natürlich noch Silvester, „Nochevieja“, das bedeutet Party in Spanien! Ich freue mich daher, dass eine Freundin zur „Unterstützung“ einfliegt und wir dann gemeinsam die traditionellen zwölf Weintrauben (mit jedem Glockenschlag eine) sowie Churros mit heißer Schokolade genießen können.

Zum Abschluss wünsche ich meiner Familie und meinen Freunden zuhause und natürlich meiner Zwillingsschwester Jana in Ottawa frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr! Feliz navidad y próspero año nuevo!

 

Theresa Hammer

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