Weihnachtsgrüße

„Ich kann mich an der Natur nicht sattsehen“

24.12.2019 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Anjas Müller ist noch immer begeistert von der Landschaft in seiner kanadischen Heimat auf Zeit

Der 1. September, ein Tag wie jeder andere. Mit einem Unterschied. Es ging nicht aus dem Bett zum Tisch und dann wieder ins Bett oder aufs Sofa, sondern es ging zum Flughafen. Ein kleiner Unterschied im Tagesablauf und er verändert dein Leben. Nun bin ich hier in Kanada, in dem schönen, idyllischen Dorf Jasper im Bundesstaat Alberta. Na ja, idyllischer als Linsenhofen jedenfalls. Und mit mehr Touristen. Und einem Nationalpark mit Bergen, großen, gewaltigen Bergen. Und nein, ich bin nicht nur hierhergekommen um Ski zu fahren oder zu snowboarden, der Grund ist ein ganz anderer. Ich gehe hier für ein Jahr zur Schule. Eine Schule mit gerade einmal 250 Schülern.

Anjas Müller (hier mit einer weiteren Gastschülerin) ist in Kanada viel unterwegs - auch sportlich.
Anjas Müller (hier mit einer weiteren Gastschülerin) ist in Kanada viel unterwegs - auch sportlich.

Der erste Eindruck? Überwältigend. Vor allem wegen des Ausblicks und zwar sowohl von der Schule als auch von zu Hause aus: Morgens sehe ich die Berge als schwarze Silhouette vor dem Licht der aufgehenden Sonne, abends rötlich durch das Licht der untergehenden Sonne. Außerdem gibt es frisches Gletscherwasser, blauen Himmel (jedoch selten), unberührte Natur (gelegentlich), schöne und lange Bike-Trails, Seen mit extrem klarem und kaltem Wasser (sowie guten Fischen).

Drei Monate sind nun um und ich habe mich noch immer nicht an der Natur sattgesehen. Es gibt immer wieder Neues, das meinen Blick fesselt: anfangs die Bergkette, dann die Seen, doch dann etwas, was man in Deutschland eher weniger sieht, Wapitis und Schwarzbären. Kommen wir nun zum eigentlichen Punkt meiner Reise, der Schule: Wie erwähnt (und erwartet) ist sie klein, sehr klein, dafür jedoch ist sie schön. Ausgestattet mit Smartboards in jedem Klassenzimmer inklusive der Bibliothek, ist sie uns einen oder zwei Schritte voraus, was Digitalisierung angeht. Aber auch die Sporthalle ist außergewöhnlich: Ist sie doch im Verhältnis zur Einwohnerzahl eine der größten in der Umgebung. Außerdem gibt es einen eigenen Sportplatz, eine sehr große Werkstatt und eine Küche für die, die nicht so aufs Werken stehen. Die Lehrer sind sehr nett, sehr offen und sehr tolerant – vor allem was Spitznamen angeht, beispielsweise Chucky für Chuck Barker. Ob ich es mir wieder abgewöhnen kann, meine Lehrer mit Spitznamen anzusprechen? Ich denke schon, wird aber schwer.

Nun habe ich ja schon viel geschrieben, jedoch die Gastfamilie komplett vergessen zu erwähnen. Kurz gesagt, die Familie besteht aus genau zwei Personen: Vater und Sohn. Der Vater, 64, und der Sohn, 19 Jahre alt, leben mit mir in einem vom Vater renovierten Haus relativ zentral in der Gemeinde. An sich ja nicht allzu spannend, hätten der Vater und ich nicht so viele Gemeinsamkeiten. Ein paar der Gemeinsamkeiten sind das Erbauen von allem Möglichen, Feuer- und Motorradliebhaber, der manchmal grenzwertige Sinn für Humor und Essen – und zwar das Zubereiten wie auch das Verschlingen. Doch kommen wir mal wieder auf ein interessanteres Thema. Und zwar: Was habe ich alles gemacht und was habe ich noch vor? Na ja, sagen wir mal so, ich war ziemlich aktiv in den ersten paar Wochen und war Fahrradfahren auf den vielen Trails, raften auf dem Athabasca River, klettern an einem etwas kleineren Fels, angeln, Kanu fahren, snowboarden, Eishockey spielen und, nicht zu vergessen, Netflix schauen.

Und was habe ich noch vor? Kurz gesagt, ich weiß es nicht. Macht man sich Pläne, so regt man sich immer darüber auf, dass sie nicht aufgehen. Deswegen tritt mal wieder mein Lebensmotto in Kraft: Spontanität. Nichtsdestotrotz habe ich mir vorgenommen, das ganze Skigebiet auszuforschen, um dann mal endlich sagen zu können, etwas vollendet zu haben.

Doch nun, nachdem ich eure Zeit geraubt habe, wünsche ich euch noch ein frohes Fest und sage „Adieu“. Grüße gehen raus an die Familien Müller, Pfäffle und Schmid! Machet’s guad!

Falls es Leute gibt, die auf dem Laufenden bleiben wollen, folgt dem Instagram- Account @the_abroad_german.

Anjas Müller

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