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Weihnachtsgrüße

Heiße Weihnacht statt weiße Weihnacht

24.12.2020 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Rasmus Ingwersen verbringt eine interessante und lehrreiche Zeit in Australien – Wegen niedriger Infektionszahlen ist Down Under ein guter „place to be“

In der Nähe von Wooroonooran in Queensland wanderte Rasmus Ingwersen auf dem Windin Falls, einem neun Kilometer langen, wenig besuchten Rundweg, der durch schönen Wald und zu einem Wasserfall führt.
In der Nähe von Wooroonooran in Queensland wanderte Rasmus Ingwersen auf dem Windin Falls, einem neun Kilometer langen, wenig besuchten Rundweg, der durch schönen Wald und zu einem Wasserfall führt.

Am 9. Januar dieses Jahres ging meine große Reise los. Da es nach Australien keine Direktflüge gibt, war der erste Stopp erst mal Thailand – Bangkok. Bis dahin begleitete mich noch meine beste Freundin Laura. Wir verbrachten zusammen zwei traumhafte Wochen in Bangkok und auf Phuket. Grüße gehen raus an dieser Stelle. Dort habe ich dann auch das faszinierende Lebensgefühl, das dieses Land versprüht, das erste Mal erlebt und direkt beschlossen, dass ich nochmal nach Thailand bzw. Asien reisen möchte. Dies sollte nächstes Jahr auch möglich sein, da man zumindest aus Australien voraussichtlich wieder in Teile Asiens einreisen darf. Ich hoffe Tante Corona spielt mir dabei nicht in die Karten.

Nachdem ich mich dann ein wenig sentimental von Laura verabschiedet hatte, ging es für mich weiter nach Australien und zwar ganz auf eigene Faust.

In Melbourne angekommen, musste ich mir erst mal noch mehr oder weniger spontan einen Schlafplatz buchen und durfte dann mal schnuppern was das Backpacker-Leben so zu bieten hat.

Da zu diesem Zeitpunkt Corona nur irgendein mysteriöser Virus in China war, konnte ich Melbourne noch in vollen Zügen genießen und war ehrlich gesagt erst mal ein wenig überwältigt, wie viel diese Stadt zu bieten hat.

Nachdem ich meinen neuen Lebensabschnitt erst mal mit zwei Wochen Party eingeleitet hatte, musste ich mit Erschrecken feststellen wie schrecklich teuer Alkohol und Party insgesamt in Australien sind. Also hieß es von da an: Leben auf die Kette bekommen, einen Job suchen und schaffa, schaffa. Mit der Jobsuche war ich tatsächlich auch recht schnell recht erfolgreich. Meine erste Tätigkeit bestand darin in einem Kaufhaus irgendwelche „Made in China“-Dinge an die Leute zu bringen. Dieser Job war aber nur für zwei Wochen und mein zweiter Job war dann Essen für UberEats mit dem Fahrrad auszuliefern. Neben dem Fakt, dass das Fahrradfahren einen fit hält, war dies auch eine gute Möglichkeit alle Ecken von Melbourne zu erkunden. Das verdiente Geld war auch in Ordnung. So weit so gut . . .

Dann, irgendwann im März, kam auf einmal die Nachricht, dass Corona jetzt nicht nur ein Problem Chinas ist, sondern auch eins für den Rest der Welt. Zuerst habe ich der Meldung nicht allzu viel Aufmerksamkeit geschenkt, aber als es dann hieß, dass Deutschland die Grenzen zumacht und grundsätzlich Reisen nicht mehr so möglich sein wird wie zuvor, wurde auch mir bewusst, dass es irgendwie ernst ist. Einige Backpacker haben nach dieser Meldung dann auch Hals über Kopf entschieden nach Hause zu fliegen. Allerdings haben sie dafür teilweise bis zu 5000 Dollar gezahlt, da es nur noch begrenzt Flüge gab und davon auch viele gecancelt wurden.

Für mich kam nach Hause fliegen aber nicht in Frage, da sich das irgendwie wie eine Art Niederlage oder aufgeben angefühlt hätte. Also blieb ich in Melbourne und machte weiterhin meine Essensauslieferungen, die auch ganz gut liefen, da während dem Lockdown bis auf „Take away“ und „Delivery service“ die Restaurants geschlossen waren.

Interessant oder auch erschreckend war dabei zu sehen, wie scheinbar ausgestorben diese zuvor so pulsierende Metropole auf einmal war. Außer Essenslieferanten und Obdachlosen waren nämlich fast keine anderen Passanten mehr auf der Straße.

Ein wenig später beschloss die australische Regierung nicht nur die internationalen, sondern auch die internen Grenzen zu schließen, was zum Reisen – na ja, sagen wir es mal – eher suboptimal ist.

Also ging es für mich situationsbedingt erst mal auf eine Dairyfarm, wo neben ein paar generellen Aufgaben meine Haupttätigkeit das Kühemelken war. Dort verbrachte ich dann rund drei Monate, da man diese Anzahl an „Farm-Tagen“ benötigt, um theoretisch noch ein zweites Jahr in Australien bleiben zu dürfen. Trotz sehr frühem Aufstehen und viel Kuhscheiße blicke ich nach wie vor auf eine sehr interessante und lehrreiche Zeit zurück.

Anschließend ging es dann weiter nach South Australien, Adelaide, wo ich zusammen mit einem anderen Backpacker, den ich zuvor in Melbourne kennengelernt hatte, auf dem Bau arbeitete. Eine gute Sache hat Corona nämlich: Die Jobsuche wurde um einiges leichter, da großer Backpacker-Mangel herrschte bzw. immer noch herrscht. Letztendlich habe ich die „kritische“ Zeit in Australien mit Arbeiten und Geld sparen verbracht und im September ging es dann endlich los mit dem ersehnten Reisen. Zu dem Zeitpunkt waren die meisten und für meinen Roadtrip relevanten Grenzen wieder geöffnet und ich ging mit einer international gemischten Gruppe, die aus elf Leuten bestand, auf Tour.

Wir sind mit dem Van von Adelaide durchs Outback nach Darwin gefahren. Dort habe ich dann für knapp zwei Wochen noch auf einer Mango-Farm als Truck Driver gearbeitet und nebenbei vor allem das Nachtleben Darwins genossen, da Darwin zu diesem Zeitpunkt die einzige Stadt war, wo man feiern konnte, als gäbe es kein Corona und grundsätzlich für seine Clubs und Partys bekannt ist.

Von da aus ging es dann weiter ins tropische und idyllische Cairns, wo ich weitere dreieinhalb Wochen verbrachte, da vor allem die Natur um Cairns herum viel zu bieten hat und es dementsprechend viel zu erkunden gab. Momentan bin ich dabei die Ostküste runter zu fahren und dabei viele schöne Orte zu sehen, einzigartige Momente zu erleben, interessanten Persönlichkeiten zu begegnen und unvergessliche Erfahrungen zu machen.

Vom 17. bis zum 20. Dezember war ich außerdem noch auf dem sogenannten „elements festival“, das an der Sunshine Coast etwa zwei Stunden nördlich von Brisbane stattfand. Das war in Australien das erste große Musikfestival seit Corona, was auch noch mal zeigt, dass Australien momentan ein echt guter „place to be“ ist, da es hier so gut wie keine Neuinfektionen mehr gibt und Corona daher kein wirklich großes Thema mehr ist. So richtig in Weihnachtsstimmung bin ich noch nicht, da ich diesen Text gerade am Airlie Beach bei 31 Grad Celsius verfasse. Vielleicht kommt das ja noch: Lichterketten an Palmen anstatt an Tannenbäumen hat nämlich auch irgendwie seinen Charme. Heiligabend werde ich voraussichtlich bei der Familie eines Backpackers verbringen, der zwar aus Neuseeland kommt, dessen Familie aber schon seit Jahren in Australien bzw. In der Nähe von Brisbane wohnt. Über diese Einladung habe ich mich tatsächlich sehr gefreut, da das meines Erachtens nach nicht selbstverständlich ist, jedoch nochmals die Gastfreundschaft der Australier, bzw. Neuseeländer verdeutlicht. In Australien werde ich voraussichtlich noch bis März bleiben und danach noch bis etwa Juni in Thailand oder – hoffentlich – in noch mehr Teilen Asiens verweilen. Hoffentlich wird die Situation in Deutschland bis dahin dann auch wieder besser bzw. gut sein. Da bin ich aber recht zuversichtlich.

In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern und Leserinnen viel Gesundheit und eine besinnliche Weihnachtszeit.

Besondere Weihnachtsgrüße gehen noch an meine Eltern, die mich von Anfang an motiviert und unterstützt haben diese Reise zu machen und auch durchzuziehen, und an meine Freunde, die ich natürlich an dem einen oder anderen Tag auch sehr vermisse.

Dabei muss ich noch Tim Kohler hervorheben, da ich ohne ihn diesen Platz in der Sonderausgabe wahrscheinlich nicht erhalten hätte, da er die Nürtinger Zeitung erst auf mich aufmerksam gemacht hat. Danke dafür, bussi bussi :*

Das war’s jetzt auch von meiner Seite: Merry christmas, stay safe & see you soon!

Rasmus Ingwersen

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