Weihnachtsgrüße

Gefeiert wird an jeglicher Art von Wasser

23.12.2017, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Benjamin Macht lebt und arbeitet seit fünf Jahren in Australien – Letztes Weihnachten verbrachte er auf einer kleinen Insel und war Teil einer Forschungsgruppe für Meeresschildkröten

Den Meeresschildkröten und ihrem Nachwuchs galt das Interesse der Forschungsgruppe, zu der Benjamin Macht zählte.

Vor fünf Jahren habe ich das Aichtal verlassen, um in Australien einen dreimonatigen Sprachkurs zu belegen. Anschließend bereiste ich das Land für weitere drei Monate und beschloss, meinen Aufenthalt noch etwas zu verlängern. Seit fünf Jahren lebe und arbeite ich nun schon hier an der Gold Coast, südlich von Brisbane and der Ostküste Australiens im Bundesstaat Queensland. Das ist genau 16 199 Kilometer von meinem Elternhaus in Aich entfernt.

Weihnachten könnte hier am anderen Ende der Erde nicht unterschiedlicher sein. Während der Winter auf der Nordhalbkugel Einzug hält, herrscht hier an Weihnachten Hochsommer. Ich muss ehrlich zugeben, dass es mir als Europäer schwerfällt, bei Temperaturen von über dreißig Grad in Weihnachtsstimmung zu kommen.

Traditionell wird Weihnachten in Down Under am 25. Dezember gefeiert. Meist verbringt die Familie den Tag an jeglicher Art von Wasser – sei es am Pool, See oder am Meer. Dazu kommen Garnelen und Steaks auf den Grill. Im letzten Jahr verbrachten meine Freundin und ich Weihnachten und Neujahr auf einer kleinen Insel im Great Barrier Reef. Dort waren wir Teil einer kleinen Forschungsgruppe für Meeresschildkröten. Als Freiwillige halfen wir dort mit, die Tiere, die um diese Jahreszeit zur Eiablage an Land kommen, zu dokumentieren und zu markieren. Da Meeresschildkröten mit dem Hochwasser der Nacht an Land kommen, arbeiteten wir auch vorwiegend nachts. In der ersten Woche war der höchste Stand der Flut um 20 Uhr, was bedeutete, dass wir um 19 Uhr starteten und gegen Mitternacht fertig waren. Mit den Tagen verschob sich das Hochwasser immer mehr in den frühen Morgen, sodass wir die letzten Tage um Mitternacht aufstanden und bis 5 Uhr morgens arbeiteten. Pro Nacht arbeiteten wir mit etwa 30 bis 40 Tieren. Es ist harte, körperliche Arbeit mit den bis zu 120 Kilo schweren Grünen Meeresschildkröten im tiefen Sand bei Nacht zu arbeiten. Nicht selten kommt es vor, dass man eine Ladung Sand von einem der grabenden Tieren ins Gesicht geschmissen bekommt. Unsere Aufgabe war es, den Standort des Nests zu dokumentieren und die Schildkröten mit einer individuell nummerierten Titanium-Marke zu versehen, die dann in einer Datenbank gespeichert wurde. Damit kann genau herausgefunden werden, wann und wo die Tiere zur Eiablage an Land kommen.

Nachdem wir alle Schildkröten in unserem Abschnitt der Insel abgearbeitet hatten, hieß es dann schnell ins Bett und einige Stunden Schlaf zu bekommen, bevor die Sonne aufgeht und die Hitze des Tages Schlafen unmöglich macht. Da es auf der Insel – bis auf eine Toilette – keine weiteren Einrichtungen gab, wurde im Zelt geschlafen. Überhaupt musste alles, was wir zum Leben und Arbeiten benötigten, mitgebracht werden. Strom, Internet, Telefonempfang und Wasser gibt es auf der Insel nicht. Mittels einiger Solarzellen konnten wir einen kleinen Kühlschrank betreiben. Ein Satellitentelefon ermöglichte es uns, Kontakt mit dem Festland zu halten. Wasser ist an solch einem Ort kostbar und so mussten wir mit drei Litern pro Tag pro Person zum Duschen auskommen. Man gewöhnt sich jedoch schnell daran, so schonend wie möglich mit seinem zugewiesenen Wasser klarzukommen und so waren wir in wenigen Tagen Experten, wie man mit drei Litern Wasser nicht nur seinen kompletten Körper waschen, sondern sogar noch ein bis zwei Kleidungsstücke reinigen kann.

Weihnachten feierten wir am Nachmittag des 25. Dezembers im Gemeinschaftszelt. Von unserem Expeditionsleiter bekam jeder von uns eine Tüte mit Süßigkeiten, die von jedem wie Gold behütet und sparsam über die noch verbliebenen Tage eingeteilt und rationiert wurde. Am Abend ging es dann wieder runter an den Strand. Dies war ein Weihnachtsfest der besonderen Art, das uns aufzeigte, mit wie wenig man doch glücklich und zufrieden sein kann. Weniger ist manchmal mehr, um sich an den wesentlichen Dingen zu erfreuen.

Wir genossen unsere Zeit auf der Insel und waren beeindruckt, diese faszinierenden Tiere bei ihrer schweren Arbeit der Eiablage hautnah beobachten und den frisch geschlüpften Schildkröten-Nachwuchs auf seinem Weg vom Nest ins Wasser begleiten zu können.

Dieses Jahr feiern wir Weihnachten an der Gold Coast und genießen die Lebkuchen, die uns aus der Heimat geschickt wurden.

Ich wünsche meiner Familie, Freunden und allen Feuerwehrkameradinnen und -kameraden der Feuerwehr Aichtal frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Viele Grüße aus Down Under

Benjamin Macht

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