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Weihnachtsgrüße

Echte Tannenbäume sind im ewigen Eis verboten

24.12.2012 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Lars Lehnert kann die Lichterkette im antarktischen Sommer nur bei geschlossenen Vorhängen bewundern

Im ewigen Eis hat Lars Lehnert überwintert.
Im ewigen Eis hat Lars Lehnert überwintert.

„Weiße Weihnachten garantiert“ war meine Überschrift zu den Weihnachtsgrüßen aus dem letzten Jahr. Dieses Jahr könnte sie heißen „Grüne Weihnachten erwünscht“. Ein Jahr ohne jegliche Pflanzen oder artenreiche Tierwelt – nur Schnee, Eis, Pinguine, Robben und schöne Lichtstimmungen. Ein faszinierender Kontinent, eine eindrucksvolle Natur, aber auch eine Entbehrung, die man sich erst nach so einem Jahr Abenteuer in der antarktischen Eiswüste vorstellen kann.

Auf den Sommer in der Antarktis freut sich Lars Lehnert.
Auf den Sommer in der Antarktis freut sich Lars Lehnert.

Nachdem sich nun kurz vor Weihnachten mein Aufenthalt in der Antarktis zum ersten Mal jährt, sind die Eindrücke und Erfahrungen des vergangenen Jahres so überwältigend, dass das letzte Weihnachtsfest hier auf der Neumayer-Station III fast in den Hintergrund gerutscht ist und ich erst mal überlegen muss, wie das denn war. Zwei Tage vor dem Heiligen Abend kam ich mittels eines russischen Transport-Flugzeuges IL-76 und eines innerantarktischen Transferflugs in einer DC-3 hier auf der Station an. Erst einmal war ich von dem ganzen Geschehen und den unendlichen Weiten der Eiswüste überwältigt und beeindruckt. So vergingen die zwei Tage bis Weihnachten 2011 auch sehr schnell und eh ich’s mich versah, war durch fleißige Hände einiger Kollegen der Speiseraum geschmückt und unser Koch Pepe wirbelte für ein Vier-Gänge-Menü in der Küche. Ebenso fand ein geschmückter Weihnachtsbaum aus Plastik den Weg in unsere Lounge, unseren Aufenthaltsraum. Echte Pflanzen sind leider hier aufgrund eines internationalen Antarktisvertrag verboten zu importieren.

Nach dem leckeren Weihnachtsmenü verlagerte sich das Ganze in die Lounge und wir gingen zum gemütlichen Teil über. Es gab noch ein wenig Weihnachtsmusik, selbst gebackene Kekse und eine Weihnachtsgeschichte wurde von einem Kollegen vorgelesen.

Für mich persönlich kam allerdings nicht allzu viel Weihnachtsstimmung auf, was wohl hauptsächlich daran lag, dass es immer noch seit meiner Ankunft hell war. Hier im antarktischen Sommer geht für rund drei Monate die Sonne nicht mehr unter und es ist 24 Stunden taghell. Und somit verliert auch irgendwie der beleuchtete Weihnachtsbaum an Charme, wenn man die Lichterkette nur bei geschlossenen Vorhängen bewundern kann.

Seit etwa zwei Wochen haben wir unsere achtmonatige Isolationsphase hinter uns und die ersten Techniker und Wissenschaftler für die Sommerkampagne sind angekommen. Wir ÜWIS (Überwinterungs-Team) sind inzwischen „alte Hasen“ und haben alle anfallenden Aufgaben und unsere Fachbereiche und den Betrieb der Station routiniert im Griff.

Somit blieb für einige von uns gestern auch Zeit, die Küche in ein Schlachtfeld aus Teig zu verwandeln und Plätzchen selber zu backen. Natürlich im antarktischen Stil, mittels Pinguin- und Robbenausstechern. Ebenso hatte in der letzten Nacht der Nikolaus den Weg auf die Neumayer III gefunden und selbstverständlich jede Menge Süßigkeiten verteilt. Somit fühlt es sich im Moment schon ein wenig mehr nach Weihnachten an. Und vielleicht wird dieses Jahr ein wenig mehr besinnliche Stimmung aufkommen, nachdem wir nun seit zwölf Monaten die antarktische Entschleunigung kennengelernt haben.

Euch allen wünsche ich ein schönes Weihnachtsfest, ruhige Feiertage und einen guten Rutsch.

 

Lars Lehnert

PS: Nach acht Monaten Isolation von der Außenwelt ist vor zwei Wochen der erste Flieger mit neuen Gesichtern, Post und Paketen von den Familien sowie frischem Gemüse und Obst angekommen – ein Gefühl fast wie an Weihnachten!

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