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Weihnachtsgrüße

Aus einer Saisonstelle wurde eine Heimat

24.12.2021 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Bei Nicole Schlotz hat sich im vergangenen Jahr einiges ereignet – Seit Sommer ist sie wieder in Ischgl – Dort fühlt sie sich wohl und willkommen

Ich bin gelernte Hotelfachfrau mit Zusatzqualifikation Hotelmanagement und nun schon einige Zeit Saisonarbeiterin in Österreich. Ich habe im Service bereits in verschiedenen Teilen des Landes gearbeitet, wie beispielsweise in Lech und Zürs am Arlberg, am Wörthersee in Kärnten, am Attersee in Oberösterreich, in Ischgl, Tirol und auch in der Steiermark bei Graz.

Seit meinen letzten Weihnachtsgrüßen vor einem Jahr ist in der Welt, sowie in meinem Leben, einiges passiert. Die Wintersaison 2020/21 hat aufgrund von Corona leider nicht stattfinden können und dieses Jahr steht die Gastronomie wohl wieder vor derselben Sorge.

Dennoch hat mir die lange Zeit der Arbeitslosigkeit letztes Jahr auch neue Wege eröffnet, sodass ich Anfang 2021 meinen Abschluss zur Jungsommelière sowie auch zur Sommelière Österreich in Graz absolvieren konnte. Dies führte mich daraufhin in ein Vier-Sterne-Bio-Naturresort in der Steiermark als stellvertretende Restaurantleiterin. Ich durfte viele tolle Menschen kennenlernen und mich mit dem Weinbestand des gesamten Seminarhotels befassen.

Ab Mai waren die Türen der Gastronomie in Österreich endlich wieder geöffnet und Arbeiten tat so gut. Ich wollte die Saisonarbeit hinter mir lassen und ließ mich in einer Wohnung nahe Graz nieder. Als dann jedoch mein damaliger Chef aus Ischgl anrief und fragte, ob ich denn nochmal eine Sommersaison für ihn arbeiten wolle, wurde mir nach der ersten spontanen Absage bewusst, dass Ischgl der Ort im ganzen Land war, an dem ich mich in den letzten drei Jahren mit Abstand am wohlsten gefühlt habe. Obwohl es mehrmalig als bestes Seminarhotel Österreichs gekürt wurde, war ich mir sicher, dass der Seminarservice nicht die Art von Arbeit ist, die mich im Herzen erfüllt. Also löste ich meine erste eigene Wohnung in der Steiermark auf und zog zurück in ein Personalzimmer nach Tirol.

Hier dreht sich das Leben um den kleinen Ort Ischgl, den ich mehr ins Herz geschlossen habe als mein Heimatdorf Frickenhausen. Das Gefühl von Zuhause zeigt sich mir jeden Tag, wenn ich für die besten Chefs der Welt im Café Pazze Nova arbeiten und den spaßigsten Service mit den herzlichsten einheimischen Gästen Österreichs machen darf. Ich wurde noch nirgends so warm und freundlich als Saisonarbeiterin in einer Gemeinschaft aufgenommen.

Obwohl ich außer meinem Chef im Sommer keine Kollegen habe, fühle mich mich nie einsam, weil ich das Privileg hatte, so viele Einheimische kennenzulernen und mit ihnen meine Freizeit verbringen darf. Ich darf mit ihnen am Tisch lachen, selbst wenn sie bei mir im Café zu Gast sind und hatte auch schon die Gelegenheit, einige private Stallungen persönlich zu sehen oder Kühe von einem Ende Ischgls zum anderen zu bringen. Zudem ist das Pazze Nova auch Einkehr für viele Mitarbeiter der umliegenden Hotels direkt in der Dorfstraße und auch in Personalkreisen konnte ich einige großartige Bekanntschaften machen. Nicht zu vergessen sind natürlich die vielen Touristen und tollen Stammgäste, ohne die eine Saison einfach keinen Spaß macht!

Obwohl die meisten das von Skigebieten nicht glauben, aber auch im Sommer ist Ischgl voll von Wanderern, Familien oder EBikern. Besonders zum Iron-Bike-Rennen oder der E-Bike-WM, die der Ort dieses Jahr ausrichten durfte.

Im Sommer fülle ich meine Freizeit mit Wandern, Klettern, Spaziergängen in der traumhaften Landschaft oder Kaffeetrinken in den wunderschönen Dorfcafés. Es bricht mir das Herz, dass wir nun schon wieder darauf warten müssen, die Wintersaison starten zu können, obwohl uns allen die Gefahr natürlich absolut bewusst ist und wir nie öffnen würden, wenn nicht vollkommene Sicherheit für uns und unsere Gäste gewährleistet ist.

Ich hoffe dennoch auf ein Opening im wundervollsten Skiort und danke Ischgl, dass es für mich aus einer Saisonstelle eine Heimat gemacht hat und meine Chefs mir die Möglichkeit bieten, den Sommer und Winter hier in einem tollen Personalzimmer und bei bester Verpflegung leben zu dürfen.

Zur Weihnachtszeit vermisse ich meine Freunde und Familie in Deutschland am meisten, aber ich kann nach drei Jahren endlich sagen, dass ich vorerst mein Zuhause gefunden habe. Bis dahin vertreib ich mir die Wartezeit mit meinen Freunden und Chefs auf der Piste oder mit Schneeschippen und behalte meine Motivation bei, bis ich meinen Gästen endlich wieder einen wundervollen Winterurlaub bereiten kann.

Ich bin gespannt, wie mein Weihnachtsfest unter den gegebenen Umständen dieses Jahr wohl aussehen mag. So oder so stehen die Päckchen bereit und warten auf ihren Baum. Viele Grüße an alle meine Lieben daheim und fröhliche Weihnachten!

Eure
Nicole Schlotz

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