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Weihnachtsgrüße

Auf dem Segelboot vom Wind um die Welt schieben lassen

24.12.2021 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Jutta Birfelder ist zurzeit in Französisch-Polynesien – Seit 2016 lebt sie mit ihrem Partner auf einem Boot – Es geht immer nach Westen

Das schwimmende Zuhause von Jutta Birfelder, die SY Alila, liegt hier vor Moorea im Pazifik.
Das schwimmende Zuhause von Jutta Birfelder, die SY Alila, liegt hier vor Moorea im Pazifik.

Herzliche Weihnachtsgrüße nach Nürtingen und um Umgebung aus French Polynesia, das genau auf der anderen Seite der Welt mitten im Südpazifik liegt! Wie bin ich denn da hingekommen? Und wie feiert man hier eigentlich Weihnachten?

Jutta Birfelder – geschmückt mit tropischen Blumen wie die Einheimischen.
Jutta Birfelder – geschmückt mit tropischen Blumen wie die Einheimischen.

Es ist ja warm hier auf der südlichen Halbkugel, also Weihnachten liegt mitten im Sommer und mitten in der Hurrikan-Saison. Die Temperaturen liegen bei durchschnittlich 30 Grad, das gilt für Tag und Nacht und Wassertemperatur, alles mehr oder weniger gleich. Es liegt also nur Kunstschnee in manchen Schaufenstern, um ein klassisches europäisches Weihnachten zu simulieren.

Eigentlich gehört Weihnachten hier nicht zur ursprünglichen Kultur, aber nachdem die Polynesier missioniert wurden, ist der Großteil der Bevölkerung protestantisch. Wir gehen zum Weihnachtsgottesdienst auf Moorea, vor allem um die mit tropischen Blumen dekorierten Menschen zu sehen.

Die Predigt, die extra für uns ins Englische übersetzt wurde, enthält ganz einfache Lebensregeln: Trinkt nicht zu viel Alkohol, wenn ihr noch fahren wollt; jammert nicht, dass ihr nicht genug verdient, sondern geht fischen und pflanzt in eurem Garten an, denn von beidem kann man hier sehr gut leben. Ein paar Glaskugeln an einem Busch im Garten, und wenn es keine Glaskugeln gibt, tun es auch leere Bierdosen.

Nur die Musik ist ganz anders: Gitarre und Ukulele sind die Instrumente und die ganze Gemeinde singt aus vollem Hals die hiesigen Lieder. Es wird generell mehr gesungen als geredet. Die Stimmung ist sehr unbeschwert und froh.

Und wie feiern wir dann zu Hause, also auf unserem Schiff? Mein Partner ist Engländer, also müssen auch noch die englische und die deutsche Kultur zusammengefügt werden. Dann gibt es eben am 24. abends und am 25. mittags ein wunderbares Essen. Ente, Lamm, was wir so hier in der Weihnachtszeit ergattern konnten. Ein kleiner Tischtannenbaum bringt die weihnachtliche Stimmung. Unsere Nikolausmützen setzen wir schnell wieder ab – sieht doch ein bisschen albern aus!

„Happy Christmas!“ tönt es aus dem Funk von den anderen Schiffen herüber. Nach dem Essen treffen wir uns alle noch zu einem Drink auf dem größten der Schiffe.

Ich war schon immer ein Mensch der Reisen liebt und über den Horizont hinausblicken wollte. Ich wollte andere Länder, andere Kulturen, andere Lebensarten kennenlernen. Den Horizont erweitern – und das nicht nur geografisch.

Nachdem ich ein paar Jahre erfolgreich in der Modebranche Geld sparen konnte, bin ich bereits mit 30 aus Deutschland weggegangen, eigentlich nur für eine kleine Reise mit unserem damaligen Segelboot. Es wurde daraus eine zweijährige Reise durch das Mittelmeer, einmal von West nach Ost und zurück. Frankreich, Spanien, vor allem die Balearen, Italien, Kroatien, Griechenland und die Türkei. Und ich könnte nicht sagen, welches Land mir am besten gefallen hat. In jedem Land spürte man die mediterrane Gelassenheit und das Essen war hervorragend. Speziell die mediterranen Märkte haben es mir angetan.

Als wir auf unserer Rückreise wieder auf Mallorca stoppten, haben wir die Insel nicht mehr verlassen. Es war einfach zu schön dort, das Wetter, das Meer und die Gelassenheit der Menschen, ohne den deutschen Stress und die deutsche Genauigkeit. Das Schiff wurde verkauft und eine Wohnung angeschafft.

Mit einer Freundin haben wir die Agentur www.mallorca-hochzeiten.com gegründet. 21 Jahre lang haben wir sehr erfolgreich hauptsächlich Hochzeiten organisiert. Von klein bis groß, die größte war für einen arabischen Scheich mit 500 Gästen und James Blunt auf der Bühne. Meine Schwester ist immer noch dabei, aber ich bin zwischenzeitlich ausgestiegen.

Mein Bruder betreibt in San Telmo eine Tauchschule www.scuba-activa.com. Die Familie war also immer zusammen.

In dieser Zeit ist auch meine Tochter dort groß geworden und ging dann nach Deutschland in ein Internat und arbeitet jetzt in Frankfurt mit Instagram „Social_mit_Pia“.

Ich aber wollte einfach wieder reisen. Jetzt bin ich mit meinem Lebenspartner seit 2016 mit dem Segelboot unterwegs – immer nach Westen. Wir lassen uns vom Wind um die Welt schieben. Kanaren, Karibik, Panama, dort haben wir die noch sehr ursprünglichen San-Blas-Inseln besucht, durch den Panamakanal und dann quer über den Pazifik bis nach French Polynesia. Nach etwa 20 000 Kilometer Reisestrecke sind wir im Paradies angekommen. Genau so stellt man es sich bildlich vor. Vulkaninseln mit Korallenriffen rundherum oder die Tuamotus, das sind Atolle, einfach nur Korallenringe mitten im Pazifik.

Insgesamt ist Französisch-Polynesien so groß wie Europa, allerdings fast alles nur Wasser. Es gibt rund 180 Inseln in dieser Wasserwüste verteilt. Die Menschen sind unglaublich freundlich und freuen sich über unseren Besuch.

Momentan hat uns hier Corona gestoppt. Wir wollen weiter nach Westen und die restlichen pazifischen Inseln besuchen: die Cook-Inseln, Tonga, Fidschi, Neukaledonien, Vanuatu, und in der Hurrikan-Saison immer nach Neuseeland oder Australien. Momentan sind diese Inseln noch geschlossen. Wir hoffen darauf, im Frühjahr 2022 oder 2023 weitersegeln zu können.

Die Natur hier ist einmalig: ob man in den Bergen wandern geht und mal eine Nacht ganz oben in den Bergen unter freiem Himmel schläft oder durch die Korallenriffe schnorchelt und die ganzen bunten Korallenfische betrachtet. Speziell in den Atollen ist die Unterwasserwelt unglaublich. Es gibt Öffnungen in den Korallenringen, in denen der Wasseraustausch zwischen dem Meer und der Lagune stattfindet und die wie große Aquarien anmuten.

Wir sind in Fakarava im Südpass getaucht zusammen mit 700 Haien, die sich dort tagsüber in der Strömung ausruhen. Von September bis November kann man mit den großen Buckelwalen, die bis zu 15 Meter lang und 30 Tonnen schwer werden, schnorcheln. Ein unglaubliches Erlebnis!

Ich könnte jetzt hier seitenweise weiterschreiben über all unsere Erlebnisse, aber dann würde ich schon alleine die Beilage füllen.

Wenn jemand Interesse hat, dürft ihr euch gerne bei mir melden jbiri@gmx.de.

Aber ihr könnt auch einige meiner privaten Videos auf Youtube anschauen unter Jutta Birfelder. Oder aber mehr über verschiedene Segler-Geschichten erfahren auf meinem Youtube-Kanal, der in Kürze an den Start geht. „Sailors Life“ ist allerdings auf Englisch.

Jutta Birfelder

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