Kommentar

Der Kunst eine Chance

01.03.2012, Von Sylvia Gierlichs — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Die Mehrheit der Nürtinger Gemeinderäte entschied sich am Dienstagabend, den Verkauf des Melchior-Areals bis Jahresende aufzuschieben. Damit entschieden sie sich auch, der Kunst noch eine Chance zu geben. Das ist beruhigend.

Allen anderen sei gesagt: Die Kunst den Schlaglöchern in den Gemeindestraßen unterzuordnen ist fatal. Mit ein paar Schlaglöchern kann man leben. Ohne Kunst allerdings kann niemand leben. Zu allen Zeiten ist es die Kunst, die mutig ausspricht, was kein anderer sich traut, auszusprechen. Die mutig voranschreitet, gegen Despoten und Diktatoren. Schiller forderte in Zeiten des Despotismus die Gedankenfreiheit. Otto Dix zeigte in seinen Bildern die Schrecknisse des Ersten Weltkriegs. Picasso begehrte mit dem Gemälde gegen Franco und den deutschen Nationalsozialismus auf. Die Graffiti an der Berliner Mauer waren häufig eine kritische Auseinandersetzung mit der SED-Diktatur. Verdis Opern waren Gesellschaftskritik, Blues, Punk, Hip-Hop oder Reggae sind Ausdruck der Auflehnung, thematisieren soziale Ungerechtigkeiten. Wollen wir darauf verzichten? Können wir überhaupt darauf verzichten?


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