Reportage

Feindbilder beruhen auf selektiver Wahrnehmung

05.03.2016, Von Barbara Späth — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

„Ich habe doch immer gedacht, dass die Franzosen unsere Erbfeinde sind. Nun kommt eine Französin in unseren Obstgarten. Sie ist so freundlich zu mir und spricht so gut deutsch, dass ich sie sogar prima verstehen kann“, diese Aussage machte meine Mutter im hohen Alter immer wieder und war darüber wohl selbst am meisten überrascht.

Wie viele Feindbilder hat unsere Gesellschaft wohl in den vergangenen Jahrzehnten aufgestellt? Und hat sie in Filmen, Reden, auf Plakaten gezeigt, zur Schau gestellt, um sie einprägsamer und leichter wiederholbar zu machen? Wahrscheinlich kaum zählbar. Mal waren und sind es die europäischen Juden, dann die Kommunisten, der Islam, sozial Schwache, Behinderte, Asylbewerber, Flüchtlinge und so weiter und so weiter. So sollen die Juden schuld gewesen sein am verlorenen Krieg, an der Not des Volks, an der Arbeitslosigkeit, den Missständen in der Politik, an wirtschaftlichen Fehlentwicklungen und vielem mehr. Für diese vielen Missstände müssen die Schuldigen und Feinde büßen. Man darf sie verunglimpfen, beschimpfen, demütigen, verschmähen. Und wenn das Feindbild groß genug ist, dann gnade Gott. Dann ist Gefahr im Verzug und es darf Losgeschlagen werden, wie, wann und womit auch immer.


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