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Licht der Hoffnung: Projekt in Kenia vor dem Abschluss

03.01.2022, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Licht der Hoffnung: Der bereits seit vier Jahren in Kenia lebende Nürtinger Hermann Eberbach berichtet über den aktuellen Stand des geförderten Projektes für ein Mietshaus mit Werkstattschule in der Nähe der Slums von Nairobi.

Das neu gebaute Mietshaus in Nairobi und rechts hinter dem Blechzaun die Werkstattschule.  Fotos: pm
Das neu gebaute Mietshaus in Nairobi und rechts hinter dem Blechzaun die Werkstattschule. Fotos: pm

In der 29. Saison der Weihnachtsaktion „Licht der Hoffnung“ der Nürtinger/Wendlinger Zeitung ist unter anderem das Projekt von Hermann Eberbach in Kenia unterstützt worden. Der inzwischen 58-jährige Nürtinger zeichnet federführend für den Bau eines Wohnhauses und einer Werkstattschule für junge Männer aus den Slums in Nairobi verantwortlich. Dank der ausgezahlten Spendengelder ging es bei dem Projekt in Kenia zunächst zügig voran. Dieser Tage hat Hermann Eberbach, der inzwischen seit vier Jahren in Kenia lebt, per E-Mail über die weiteren Fortschritte des Projekts berichtet.

Streichen eines Containers unter Anleitung eines Trainers eines Farbenherstellers.
Streichen eines Containers unter Anleitung eines Trainers eines Farbenherstellers.

Eberbach war über die Organisation Coworkers – besser bekannt noch als „Christliche Fachkräfte International“ – auf Kenia aufmerksam geworden. „Die Organisation suchte jemanden, der in Nairobi zusammen mit einer Kirche, die in den Slums arbeitet, eine Art Jugendarbeit aufbaut.“ Vor Ort habe er festgestellt, dass der Bedarf an praktischer Ausbildung gerade für die jungen Männer aus den Slums sehr hoch ist. Daher sollte eine Schule gebaut werden.

Eines der fertigen Wohnzimmer im Mietshaus.
Eines der fertigen Wohnzimmer im Mietshaus.

Bei der Aktion „Licht der Hoffnung“ habe er sich daraufhin für einen Zuschuss beworben. Im Februar 2019 sei er dann mit einer großen Spende nach Kenia zurückgekehrt. „Als dann im März 2019 auch in Nairobi die erste Coronainfektion bekannt wurde, ging es Schlag auf Schlag. In Kenia wurden die Schulen und Kirchen geschlossen und eine nächtliche Ausgangssperre verhängt. Die Angst, dass Corona Afrika und somit auch die Menschen in Slums schwer treffen wird, war sehr groß.“ Auf der Baustelle habe er „die Jungen aus den Slums“ sicherheitshalber nicht mehr mithelfen lassen. Die Bauarbeiter hätten jedoch weitergearbeitet.

Im Mai 2020 habe der Bischof der örtlichen Kirche von Tumaini Ministries dann vorgeschlagen, wieder Jungen aus den Slums auf der Baustelle zu integrieren, aber eben nicht mehr so viele. Seitdem seien jeweils drei junge Männer sechs Wochen lang auf der Baustelle, gefolgt von einem Dreierteam aus einem anderen Slum. „Durch die Reduzierung der wechselnden Menschen auf der Baustelle wurden auch meine Kontakte reduziert“, so Hermann Eberbach. Sein Projektmanager von Coworkers hatte ihn zeitgleich gefragt, ob er nicht zurück nach Deutschland kommen wolle, da er aufgrund seines Alters zur Risikogruppe gehören würde. Eberbach lehnte ab. „Durch mein Bleiben in Kenia hatten einige Menschen Arbeit und konnten Geld verdienen. Hätten wir die Baustelle geschlossen, hätte es noch mehr Notleidende wegen fehlenden Einkommens gegeben.“

Trotz aller Schutzmaßnahmen erkrankte der Nürtinger im April 2021 jedoch selbst an Corona. „Gott sei Dank hatte ich nur geringe Symptome und konnte mich zu Hause auskurieren. Nach ein paar Wochen war ich wieder fit und bin auch bis heute ohne Langzeitfolgen. Vieles wäre nicht passiert, wenn ich nach Deutschland zurückgekehrt wäre. Ich bin in Nairobi am richtigen Platz.“

Zwei Wohnungen sind bereits vermietet und ein weiterer Mieter steht bereit

Inzwischen stehe ein Wohnhaus mit elf Wohnungen in Nairobi und daneben entsteht in umgebauten Überseecontainern eine Werkstattschule. „Das Interesse an den Wohnungen ist groß, da die Art und die Qualität so bisher nicht verbreitet sind“, erzählt Eberbach. „Viele Leute kommen und sind sehr von Qualität und Gestaltung beeindruckt.“

Seit Juli sei das Team vor Ort durch ein junges Ehepaar aus Deutschland verstärkt worden. Er ist Elektrotechniker und sie Grundschullehrerin. „Das sind beste Voraussetzungen, um beim Bau und bei der Schule mitzuhelfen.“

Seit Anfang Dezember sind zwei Wohnungen vermietet, ein weiterer Mieter stehe auch schon bereit. Deshalb liege der Fokus derzeit darauf, das Haus für die Vermietung fertigzustellen. Anschließend werde die Werkstattschule komplettiert und im Frühjahr mit dem ersten Unterricht begonnen. Mit den Mieteinnahmen aus den Wohnungen wird langfristig sichergestellt, dass die Werkstattschule finanziell unterstützt werden kann. Falls dann noch finanzielle Mittel vorhanden sind oder weitere hinzukommen, soll das Mietshaus um zwei weitere Stockwerke erweitert werden und die Werkstattschule auch. pm

Licht der Hoffnung