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Wendlingen

Licht der Hoffnung-Projekt aus Köngen ermöglicht mehr Honig in Nicaragua

11.01.2022, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Licht der Hoffnung: Bei dem von der Initiative Eine Welt Köngen eingereichten Projekt „Herstellung und Vermarktung von Meliponen-Honig“ haben die Frauen in Nicaragua bis jetzt bereits 749 Bienenkästen in Betrieb.

Um kostengünstig zu arbeiten, sollte jede Imkerin mindestens 40 Bienenkästen betreiben. Die Gesamtzahl der Kästen konnte bei dem durch „Licht der Hoffnung“ unterstützten Projekt in Nicaragua deutlich erhöht werden.  Fotos: ADIC
Um kostengünstig zu arbeiten, sollte jede Imkerin mindestens 40 Bienenkästen betreiben. Die Gesamtzahl der Kästen konnte bei dem durch „Licht der Hoffnung“ unterstützten Projekt in Nicaragua deutlich erhöht werden. Fotos: ADIC

KÖNGEN. Derzeit läuft bereits die 31. Saison der Weihnachtsspendenaktion „Licht der Hoffnung“ der Nürtinger und Wendlinger Zeitung. In der 29. Saison der Aktion wurde unter anderem das von der Initiative Eine Welt Köngen eingereichte Projekt „Honigproduktion stärkt Frauen“ in Nicaragua mit den eingegangenen Spenden finanziell unterstützt. Die Projektverantwortlichen aus Köngen, Reinhold Hummel, Gerlinde Maier-Lamparter und Edith Tremmel, hatten damals zugesagt, über den Verlauf des mehrjährigen Projektes zu informieren. Damit sollen die positiven Entwicklungen gezeigt, aber auch Einblicke in die Unwägbarkeiten gegeben werden. Nun kam ein aktueller Bericht über die Aktivitäten der nicaraguanischen Projektdurchführungsorganisation ADIC (Asociación para el Desarrollo Integral Comunitario – Vereinigung für die integrale Gemeindeentwicklung) in Köngen an.

Die nicaraguanische Frauenrechtsorganisation ADIC unterstützt indigene Frauen in ländlichen Gemeinden im Bezirk Matagalpa im Norden Nicaraguas dabei, sich zu organisieren, für ihre Rechte einzutreten und wirtschaftlich eigenständig zu werden. Die Frauen haben die Imkerei mit einheimischen stachellosen Bienen, den Meliponen, als zusätzliche Einkommensquelle erschlossen und die Genossenschaft LalAiKo gegründet. Einheimische Bienen sind im Bergland Matagalpas von grundlegender Bedeutung für die Produktion von Nahrungsmitteln für die Familien. Sie sind die Garanten für die Bestäubung von Nutz- und Wildpflanzen. Der Honig dieser Bienen hat einen hohen Nährwert und wird auch wegen seiner medizinischen Wirkung hoch geschätzt.

Die Honigproduktion in Nicaragua wurde ausgeweitet und verbessert.
Die Honigproduktion in Nicaragua wurde ausgeweitet und verbessert.

Ende 2020 hinterließen zwei extrem starke Tropenstürme im Norden Nicaraguas enorme Schäden in Infrastruktur und Natur. Da gleichzeitig die Corona-Pandemie Nicaragua erreichte, war vor allem die Landbevölkerung vor kaum lösbare Probleme gestellt. Es mangelte an allem, was zum Gesundheitsschutz und zur Bekämpfung von Corona erforderlich ist.

Durch zwei Wirbelstürme ging die Produktion fast komplett verloren

Aufgrund der Pandemie mussten die Treffen der Genossenschaft LalAiKo in Matagalpa zeitweise ausgesetzt werden. Doch bereits während der ersten Welle hatte die verantwortliche nicaraguanische Frauenrechtsorganisation ADIC ein umfassendes Hygienekonzept für die Workshops erarbeitet. „Wir haben unser Haus einige Zeit kaum verlassen und es ist schön, dass wir unsere Arbeit als Genossenschaft wieder aufnehmen konnten“, sagt Lizbeth Salgado Hernández vom Vorstand der Genossenschaft. Bei Fortbildungsveranstaltungen konnten 2021 umfassende Kenntnisse vermittelt und 70 Frauen befähigt werden, ihre Honigproduktion auszuweiten und zu verbessern. Dass die Produktion derzeit noch relativ niedrig ist, ist auch den beiden zerstörerischen Hurrikanen geschuldet, durch die die Produktion des vergangenen Jahres fast vollständig verloren ging. Die diesjährige Ernte hat begonnen und fällt viel besser aus als die vergangene. Insgesamt wird es noch ein bis zwei Jahre dauern, bis die produktiven Resultate der jetzigen Anstrengungen vollständig sichtbar werden. Viele neue Bienenkästen sind aufgestellt und bevölkern sich nun nach und nach. Um kostengünstig zu arbeiten, sollte jede Imkerin mindestens 40 Bienenkästen betreiben. Denn die technische Beratung und die Ernte sind teuer. Die Gesamtzahl konnte von 428 auf inzwischen 749 Kästen erhöht werden. Zur Verbesserung der Produktion bauen die Imkerinnen Vorrichtungen, die die Bienenkästen schützen.

Eine verbesserte Honigverarbeitungsanlage wurde in Betrieb genommen. Die Meliponen-Honigprodukte sind mit einem Markennamen registriert und tragen ein staatliches Gesundheitssiegel. Mittlerweile ernten die Frauen auch Pollen und Propolis. Sie verarbeiten und verkaufen beides. Es sind zwar noch kleine Mengen, aber die Preise sind hoch. Mit dem erwirtschafteten Gewinn können die Imkerinnen die Ernährungssituation ihrer Familien verbessern.

Turnusmäßig wurde in der Kooperative ein neuer Vorstand gewählt und Ämter mit mehr jungen Frauen besetzt, die eine höhere Schulbildung haben. Dies stärkt die Selbstverwaltung. Weiterhin werden Fortbildungen zu Frauenrechten, zu Gendergerechtigkeit, Empowerment und Selbstermächtigung durchgeführt. 16 Teilnehmerinnen besuchen derzeit die neu eingerichtete „Escuela de Campo“. Von dieser Bildungsinitiative werden vertiefende Kurse zu Themen der Bienenhaltung an verschiedenen Orten angeboten. Durch die vermittelten theoretischen und praktischen Kenntnisse werden Frauen befähigt, ihr Expertenwissen und ihre Kompetenzen an andere Imkerinnen weiterzugeben.

Um die schon seit mehreren Jahren bestehende Verbindung zu verschiedenen Meliponenhonig-Produzenten zu stärken, wurde von ADIC eine gemeinsame Austauschplattform eingerichtet, an der inzwischen über 50 Personen registriert sind. Diese Zusammenarbeit wird weiter vertieft, da es gerade auch bei indigenen Organisationen in Guatemala und Mexiko bereits eine lange Tradition in der Kultivierung der stachellosen Meliponenbienen gibt.

Über diesen Austausch werden auch verbindliche Normen für die Produktion des Meliponenhonigs erarbeitet. Bislang liegen nur internationale Normen für die Honigproduktion von stechenden Bienen (Apis) vor. Bei der Verarbeitung des Meliponenhonigs ist jedoch auch aufgrund des viel höheren Säure- und Feuchtigkeitsgehalts anders vorzugehen.

Die Initiative Eine Welt Köngen fördert die Frauen seit mehreren Jahren bei ihrer Arbeit. Für eine nachhaltige Entwicklung braucht es starke Frauen, die gegen Gewalt und Unterdrückung aufstehen. Sie benötigen sichere Einkommensquellen, um ihre Familien zu ernähren, die Gesundheitsversorgung und den Schulbesuch ihrer Kinder sicher zu stellen. Die Imkerinnen im Bergland Matagalpas tragen zugleich zum nachhaltigen Schutz der Umwelt und der Artenvielfalt in ihrer Heimat bei. „Dabei werden wir, die Initiative Eine Welt Köngen, ihnen weiterhin zur Seite stehen“, verspricht Reinhold Hummel. pm/lcs

Licht der Hoffnung