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Gesungene Geschichten mit viel Humor

08.01.2020, Von Lutz Selle — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Licht der Hoffnung: Die Feisten bringen 400 Zuschauer im ausverkauften Udeon in Unterensingen zum Lachen

Die Feisten haben den vergangenen Montag zu einem ganz besonderen Feiertag gemacht. Mit ihrem zweistündigen Auftritt im Rahmen der Aktion „Licht der Hoffnung“ haben Mathias Zeh und Rainer Schacht mit ihrer Zwei-Mann-Song-Comedy 400 Zuschauer im ausverkauften Udeon in Unterensingen zum Lachen gebracht.

Mit viel Humor und musikalischem Können: Die Feisten Mathias Zeh (links) und Rainer Schacht haben im Udeon begeistert. Foto: Niels Urtel
Mit viel Humor und musikalischem Können: Die Feisten Mathias Zeh (links) und Rainer Schacht haben im Udeon begeistert. Foto: Niels Urtel

UNTERENSINGEN. Die Veranstaltungen des Festivals der Hoffnung im Udeon bleiben meistens lange in guter Erinnerung. So erinnerte Redaktionsleiterin Anneliese Lieb bei ihrer Begrüßung der Besucher an das Konzert des italienischen Liedermachers Giorgio Conte vor zwei Jahren, das vor allem dank der schon lange im Schwabenland lebenden Romina Ferrini unvergesslich bleiben wird. Die gebürtige Italienerin hatte nicht nur Contes Ansagen ins Schwäbische übersetzt, sondern sich dabei auch auf eine angenehme respektlose Art über den Künstler lustig gemacht, sodass das Publikum in Unterensingen viel zu lachen hatte.

Sehr viel zu lachen gab es auch in diesem Jahr am Dreikönigstag. Dafür sorgten diesmal indes die zwei Künstler auf der Bühne, die sich vor allen Dingen über sich selbst und ihre Generation lustig machten. Das durch die Unterstützung der Nürtinger Firma ZinCo und der Baden-Württembergischen Bank, Filiale Nürtingen, ermöglichte Konzert begann gleich mit einer Liebeserklärung von Rainer Schacht an Unterensingen: „Wir haben überlegt, ob wir unser erstes Konzert in diesem Jahr in Stuttgart oder in Hamburg auf der Reeperbahn machen. Aber wir haben gesagt, dass ein Tourauftakt nur in Unterensingen sein kann.“ Und Mathias Zeh ergänzte: „Wir sind extra früher gekommen, um die Innenstadt von Unterensingen zu sehen.“

Die Feisten sind im Jahr 2013 aus dem vor 25 Jahren gegründeten Göttinger Trio „Ganz Schön Feist“ hervorgegangen und präsentierten im Udeon eigene Kompositionen, eigene musikalische Begleitung sowie Comedy-Elemente. Neben akustischer Gitarre und Bass kommen stets auch Instrumente wie Mandoline, Sitar, Timple, Cajón, Ukulele und Bassbox zum Einsatz. Der in Kassel lebende Zeh und der seit 2014 mit seiner Ehefrau in Mannheim wohnende Schacht haben 2017 den Deutschen Kleinkunstpreis in der Kategorie Chanson/Lied/Musik erhalten.

Die beiden erzählten mit ihren Liedern kuriose Geschichten, die sie angeblich selbst erlebt haben. Diese führen mitunter zu Lebensweisheiten wie dem Rat, in der Kneipe bloß nicht in die Schüssel mit den Nüssen hineinzugreifen. „Keime, Viren und Bakterien machen in der Nussschüssel Ferien“ sangen die beiden – und in der nächsten Strophe: „Haare, Hornhaut oder Fliegen können in der Nussschüssel liegen“.

Äußerst amüsant auch das einzige englische Stück des Abends, „Unfortunately“, mit Textzeilen wie „I gave you one out“ und „She gave me one basket“ sowie der umgetextete Udo-Jürgens-Schlager „Griechischer Wein“ mit dem Ratschlag, dem Arbeitgeber nicht übertrieben zu schmeicheln, um Vorteile zu erlangen. Die Geschichte des Titels „Kriech nicht da rein“ endet mit einer Kündigung, weil der Chef in Wirklichkeit „Arschkriecher abgrundtief“ verachtet.

Im nächsten Lied erzählten die beiden, wie es früher noch attraktiv schien, zu rauchen, um zu sein wie der Marlboro-Mann. Heute stehe auf den Zigarettenschachteln, dass Rauchen impotent mache. „Das ist mir zu viel Information und davon abgesehen weiß ich das auch schon“, sang Zeh und stellte singend weiter fest: „Heute hat Rauchen so ein Image wie Donald Trump.“ Er outete im nächsten Song zudem sein Unverständnis über die weltweite Begeisterung für den Sport mit dem runden Leder: „Fußball bedeutet mir so viel wie Exkremente“. Rainer Schacht verriet: „Wir haben dieses Lied auch mal auf der Weihnachtsfeier von Hansa Rostock gespielt.“ Das sei allerdings nicht so gut angekommen.

Lieder vom Junggesellenabschied mit über 50 und eine Prunzuela

Sehr lustig war auch die Geschichte von der Junggesellen-Abschiedsparty von Rainer Schacht unter dem Motto „Junggesellenabschied mit über 50 ist für ’ne richtige Sause nicht so günstig“. Die Party erinnere an ein „feucht gewordenes Tischfeuerwerk“.

Das mit Sitar-Begleitung gesungene Lied „Auch wenn man’s mir nicht ansieht, ich heiße Ranjid“ verbanden die Künstler mit dem Ratschlag an alle Eltern: „Denkt nach, bevor ihr euren Kindern Namen gebt!“

Lustig wurde dann der Ausflug der Feisten ins Schlager-Metier. Nach dem Hinweis, dass es bei den Konzerten der Amigos stets „sitting ovations“ gebe, folgte der von den Feisten selbst komponierte Titel „Flamingo Dolores“, bei dem sich Mathias Zeh am Ende selbst nicht mehr das Lachen verkneifen konnte.

Viel zu lachen gab es auch beim Stück über die Schönheit „Prunzuela“, eine „Prunze“, die nur nach reichen alten Männern sucht, sowie beim musikalischen „Rezept für eine glückliche Beziehung“ und die „Gammelfleisch-Party“, bei der „die meisten mit Wasser in den Beinen tanzen“ und „Augenringe auf Orangenhaut treffen“.

Zum Abschluss schlüpfte Rainer Schacht noch in die Rolle einer spanischen Prinzessin im 16. Jahrhundert, ehe es als Zugabe noch das der Freundin von Mathias Zeh gewidmete Lied gab, die angeblich immer nur das eine will.

Im Udeon gab es am Ende keine „sitting ovations“, sondern minutenlange „standing ovations“ und 400 zufriedene Gesichter.

Licht der Hoffnung