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Durchs Dickicht der Gefühle

11.11.2014, Von Jürgen Gerrmann — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Licht der Hoffnung: Mirjam Woggon und Udo Zepezauer ermöglichten ihrem Publikum bei der Eröffnung einen heiteren Blick in den Spiegel

Vor Gericht und auf hoher See sind die Menschen in Gottes Hand. Weiß ein altes Sprichwort. Mag sein. Aber die Aufzählung ist nicht ganz vollständig. Denn auch der Liebe Wellen können ganz schön hoch schlagen. In dieses Auf und Ab konnte man am Sonntag im Bempflinger Dorfgemeinschaftshaus eintauchen – und bei „Lebenslang“ hatte das Lachen auf jeden Fall Oberwasser.

Zwei exzellente Schauspieler: Mirjam Woggon und Udo Zepezauer strapazierten die Lachmuskeln ihres Publikums. Foto: Holzwarth
Zwei exzellente Schauspieler: Mirjam Woggon und Udo Zepezauer strapazierten die Lachmuskeln ihres Publikums. Foto: Holzwarth

BEMPFLINGEN. Mirjam Woggon und Udo Zepezauer sind zwei Erz-Komödianten. Die Freude am Spiel ist ihnen in jeder Sekunde anzumerken. Und bei ihrem Beziehungs-Kabarett, mit dem dank der Unterstützung der Nürtinger Filiale der Baden-Württembergischen Bank die 24. Auflage unserer Aktion „Licht der Hoffnung“ eröffnet werden konnte, ziehen sie alle Register, die man sich nur vorstellen kann.

Und trotzdem bleibt es nie plump und platt, sondern hat (auch wenn’s mal banal zu sein oder werden scheint) erstaunlich viel Tiefgang. Die „Tipps für Schatzi und Mausi“ entpuppten sich als durchaus praxis- und lebensnah – gerade weil sie in der Regel so überzeichnet und übertrieben waren. Aber gerade dadurch kommt man ja oft zum Kern der Sache.

Das Improvisations-Talent der beiden ist wahrlich phänomenal. Wie sie scheinbar ohne nachzudenken die Begriffe „Geld“, „Zahnpasta im Waschbecken“ und „Sexualität“ unter einen Hut bringen und das auch noch passgenau in ein Abc-Schema (der erste Satz beginnt mit A, der zweite mit B und so weiter) passen – schon allein das nötigt einem höchsten Respekt ab. Aber wenn die beiden das dann noch stilvollendet à la Loriot präsentieren, das lässt einen dann nur so staunen. – Auch die Umdichtung von Goethes „Erlkönig“ in eine Ode über Freud und vor allem Leid der Mütter. Zärtlichkeit mischte sich da mit bitterer Ironie, zuweilen einem Schuss Sarkasmus, ziemlich viel Verzweiflung und immer viel Liebe – und all dies auf hohem literarischen Niveau.

Und natürlich wird im Männlein-Weiblein-Spiel kaum ein Klischee ausgelassen – bis hin zu Lach-Yoga, Holzhacken zum Frustabbau und der Männer-Gruppe „Der Krieger in Dir“. Das aber stört keinen. Sondern erhöht den Spaß nur noch.

Zumal das schauspielerische Können Mirjam Woggons und Udo Zepezauers wahrlich extraordinär ist. Dass das Wiedersehen von „Andy und Caro“, den Haupt-Protagonisten des Abends, per Publikums-Zuruf in eine Bahnhofstoilette verlegt wurde und auch noch ein Feuerzeug und ein Tennisschläger eine Rolle spielen sollten, focht die beiden nicht an. Im Gegenteil. Sie machten eine absolute Glanznummer draus – die sie dann auch noch als Tragödie und als Hollywood-Schnulze obendrauf variierten.

Mit den beiden durchs Dickicht der Gefühle zu gehen, ist ein herzerfrischendes Vergnügen. Und doch ist „Lebenslang“ weit mehr als nur Klamauk. Sondern das Programm vermittelt auch ganz schön viel Essenzielles – gerade weil es auf Augenzwinkern setzt statt auf die Brechstange. Es gibt kaum etwas Schöneres und Wohltuenderes, als über sich selbst lachen zu können. Mirjam Woggon und Udo Zepezauer haben es eindrucksvoll spüren lassen.

Eine Bildergalerie von der Eröffnung finden Sie hier ...

Licht der Hoffnung