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Eine Organisation, die Hoffnung gibt

14.01.2021 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Die Gemeinschaftsschule Frickenhausen unterstützt die Schule und das Waisenhaus von „Our Bridge“ im Nord-Irak

Johanna Klenk, Ruby Hürler, Lucy Gras aus der Klasse 8c der Gemeinschaftsschule Frickenhausen berichten über die Hilfsorganisation „Our Bridge“, die ein Waisenhaus im Nord-Irak unterhält.

Die Kinder freuen sich über Post von ihren Freunden aus Deutschland. Fotos: privat
Die Kinder freuen sich über Post von ihren Freunden aus Deutschland. Fotos: privat

Mit anzusehen, wie der eigene Vater, die eigene Mutter stirbt - was muss das für ein Kind in unserem Alter bedeuten? Diese Situation ist für die Kinder im Nord-Irak schrecklicherweise zur Normalität geworden. Einige dieser Kinder wurden in einem Waisenhaus, das auch als Schule fungiert, aufgenommen. Der Name der Organisation, welche das Waisenhaus leitet, ist „Our Bridge“. Sie ist eine unpolitische, religiös unabhängige Hilfsorganisation. Unsere Schule, die Gemeinschaftsschule Frickenhausen, hat sich zur Aufgabe gemacht, eine Freundschaft zu dieser Schule aufzubauen, um zu zeigen: Auch wir können was bewirken.

Die Bewohner und Besucher des Waisenhauses sind meist Voll- oder Halbwaisen oder Kinder mit Behinderung. Die Waisen wurden oft nach jahrelanger IS-Gefangenschaft von der kurdischen Armee befreit oder vom Sklavenmarkt freigekauft. Im Herbst 2016 startete „Our Bridge“ mit dem Bau des Waisenhauses. Das Ziel: Eine sichere Unterkunft für die Menschen in Not schaffen. Man will medizinische Hilfe stellen, die Leute versorgen und die Traumata der Kinder behandeln. Die Gründer gaben dem Haus den Namen „Harman“. Auf Deutsch: „Wir bleiben, wir lassen euch nicht alleine.“

Nach langer Zeit und mehreren Baupausen wegen fehlendem Geld konnte das „Harman“ am 26. August 2017 fertiggestellt werden. Schon am ersten Tag zogen 24 Kinder und fünf Witwen ein. Dazu kommen die festangestellten Mitarbeiter. Nun geht es darum, mit den Kindern eine Hausgemeinschaft aufzubauen. Wichtig ist, auch Zeit für den Einzelnen zu haben und Routinen zu schaffen: Es gibt drei warme Mahlzeiten am Tag und zwei bis vier Stunden für Spiel und Sport. Außerdem bekommen die Kinder dort vier Stunden Unterricht am Tag in den Fächern Kurdisch, Sport, Englisch, Holzwerkstatt, Geschichte, Kunst, Mathematik, Stick- und Nähkurs, Biologie und Meditation. Zur Behandlung der traumatisierten Kinder werden Vertrauensgespräche und Meditation angeboten. Am Wochenende gibt es auch einen Ausflug an den See.

Durch eine Spendenaktion konnte ein Nebenhaus angebaut werden, in das die Kinder und Witwen einziehen konnten. Das Haupthaus wurde zur Schule umfunktioniert. Dadurch können auch Flüchtlingskinder, die nicht im Waisenhaus wohnen, unterrichtet werden. Zusätzlich wurde ein Schulbus angeschafft, um die Kinder aus dem UN-Camp und den selbstgebauten Camps abzuholen und zurückzubringen.

Mit aktuellen Spendenaktionen konnten gerade in diesem Winter Winterjacken und Heizungen für die Familien besorgt werden. Am 1. März 2018, dem ersten Schultag, besuchten 258 Kinder die Schule. Die Arbeiter und Lehrer sind selbst Studenten, die fliehen mussten. Deswegen sorgt „Our Bridge“ auch für die Weiterbildung der Mitarbeiter und ihre finanzielle Unterstützung. „Our Bridge“ sorgt für Hygiene, Gesundheit und warmes Essen.

Auch als Pate kann man für die Kinder tätig werden, denn viele Kinder haben nicht nur ihr Zuhause verloren, sondern auch ihre Identität. Die freiwilligen Helfer begannen, den Kindern einen „Our-Bridge-Passport“ auszustellen. Dadurch wurde das Patenschaftsprogramm eröffnet. Man kann mit einem Betrag von monatlich 30 Euro Pate werden und so für lebenswichtige Hilfsleistung aufkommen. Als Pate kann man auch über eine WhatsApp-Nummer mit dem Kind Kontakt aufnehmen. Die Patenschaft ist das Fundament von „Our Bridge“.

Die Einrichtung musste aufgrund der Corona-Pandemie für einige Monate geschlossen werden. Als das Harman wieder öffnen durfte, wurde ein strenges Hygienekonzept mit Bodenmarkierungen, Desinfektionsmittelspender und Aufteilungen der Schüler, damit es keine zu großen Ansammlungen gibt, entworfen.

An unserer Schule, der Gemeinschaftsschule Frickenhausen, haben die Ethikklassen des sechsten und siebten Jahrgangs Kontakt zu den Schülern des Waisenhauses aufgenommen. Jeder der Schülerinnen und Schüler hat eine Brieffreundin oder einen Brieffreund an der Schule im Irak. Zu den selbstgebastelten und auf Englisch selbstgeschriebenen Briefen durfte jede Schülerin und jeder Schüler noch etwas dazulegen, wie ein gemaltes Bild, ein selbstgemachtes Armband oder Ähnliches.

Wir selbst haben mit den Schülern der 7. Klasse geredet und sie gefragt, wie sie sich dabei fühlen. Ein Schüler antwortete: „Es ist ein gutes Gefühl, den Kindern ein Freund zu sein und ihnen Hoffnung zu schenken, dass jemand an sie denkt.“ Zuletzt konnte man sogar eine Videokonferenz zwischen der siebten Klasse und den Waisenkindern des Nord-Iraks ermöglichen. Für die Schülerinnen und Schüler beider Seiten war das eine ganz besondere Erfahrung. Sie konnten Fragen stellen, zum Beispiel zu der Lebenssituation der Kinder vor Ort (sie leben in Zelten mit eher unzuverlässiger Stromversorgung), wie sich der Schulalltag von ihrem unterscheidet und vieles mehr. Die Kinder waren erstaunt, dass sich ihre Lebenswelt so sehr von ihrer unterscheidet – allerdings haben sie auch viele Gemeinsamkeiten erkannt, was verbindet.

Auch in Zukunft wollen die SchülerInnen weiterhin mit den Waisenkindern in Kontakt bleiben. Ziel ist also, den Kindern weiterhin das Gefühl zu geben, dass sie nicht vergessen werden.

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