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Nüchternes Blutdoping in Flughafenhotels

08.07.2017 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Thomas Dekker mit Thijs Zonneveld: „Unter Profis“; Covadonga Verlag, Bielefeld 2107: 224 Seiten; 14,80 Euro

Derart schonungslos waren Sportler-Memoiren selten: Es ist ein Peloton völlig außer Rand und Band, das der niederländische Radrennfahrer Thomas Dekker in seiner Autobiografie schildert, wenn er vom Beginn und Scheitern seiner Profijahre beim Team Rabobank erzählt. Saufgelage im Trainingslager und Besuche von Escort-Damen unmittelbar vor dem Start der Tour de France. Nüchtern routiniertes Blutdoping in anonymen Flughafenhotels. Dynepo-Lieferungen per Paketdienst. Gierige Manager, die jedes Schlupfloch kennen, und Teamleiter, die am liebsten nichts hören und nichts sehen wollen. So ging es laut Thomas Dekker zur Mitte der Nullerjahre im Radrennzirkus zu. Und mittendrin er selbst: ein junger, leicht beeinflussbarer Radprofi, der in allem, was er tut, absolut maßlos ist – und selbstdestruktiv bis ins Mark.

Als im Herbst 2016 die niederländische Ausgabe seiner Autobiografie erschien, löste sie kontroverse Diskussionen aus: so ungemein offenherzig erzählt Thomas Dekker von den Exzessen seiner Radsport-Generation, so unerhört hart geht er mit sich selbst und anderen ins Gericht – sei es mit seinem Kindheitsidol und späteren Teamkollegen Michael Boogerd oder seinem Manager Jacques Hanegraaf. Nun ist die deutschsprachige Ausgabe dieses Buches erschienen, das in Zusammenarbeit mit dem Journalisten und ausgewiesenen Radsportkenner Thijs Zonneveld entstanden ist.

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